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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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um schleunigen Bescheid, indem sie nochmals betonte: �Ich werde einen definitiven Entschlu� erst fassen, nachdem
Eure Majest�t mich mit einer Antwort beehrt hat." Als Friedrich ihr nun riet, unverz�glich und unbedenklich ihre
Zusage zu geben und nach Ru�land zu gehen, �um dem Urteil des sch�nen staris beizuwohnen," nahm sie die Ein-
ladung der Aaiserin �definitiv" an und bat um Sendung von Schiffen, da sie die Reise zu Wasser zur�cklegen wollte.
Indessen die Anspielung Friedrichs auf das �Urteil des Paris" erf�llte sie mit neuer �orge, die sie ihm gleichfalls
anvertraute: �Ach, Sire, wie linkisch und verlegen werde ich bei meinem Deb�t in Ru�land aussehen, wenn meine
drei gro�en T�chter mir folgen, und wenn ich auf allen Physiognomiken lese: das sind sie also! A?eine vermeintlichen
G�ttinnen besitzen gerade nicht die Anmut der Gottheiten des Glymp. Ihre �bergro�e Sch�chternheit giebt ihnen
ein linkisches Aussehen, das im Anfang f�r sie sehr unvorteilhaft sein wird. A?ir liegt nur diese Zache im Aopf."
wieder mu�te der A�nig beruhigen: �Ihre Prinzessinnen sind zweifelsohne sch�chtern; m�chten Sie denn," fragte er,
�da� sie bei ihrem Alter eine Aeckheit bes��en, die an Unversch�mtheit grenzt? V, f�rchten 5ie nichts, Madame;
wie ich die Karte des tandes kenne, wird man sie lieber sanft haben als keck/"
In Furcht und Hoffnung sah Caroline der Reise entgegen. �Es giebt Augenblicke," bekannte sie dem
k�niglichen Freund, �wo meine Gedanken sich verfinstern, aber mit Eifer verscheuche und zerstreue ich diesen d�steren
Schatten; mein erlauchter Protector ist mein Schild, ich f�rchte also nicht, falsche Schritte zu tun." Dann wieder lie�
sie ihrer frohen laune die Z�gel schie�en, indem sie schrieb: �Herrschte noch der alte Geschmack an Romanen, ich
k�nnte manchen Stoff dazu liefern; nicht f�r nieine Person � mit 52 Jahren ist man h�chstens gut dazu, die
Abenteuer der tapferen und echten Ritter und der Damen, von denen ihre Gedanken ganz erf�llt waren,
zu erz�hlen, vorausgesetzt, Sire, da� mein gro�er Roman endet, wie jene gew�hnlich enden, und da� Hymens
Tempel den Schlu� bildet." Heiter stimmte Friedrich in diesen Ton ein: er werde sie bald mit dem �Fr�ulein
von D�nemark" in der �Amadis von Gallien" vergleichen, der Freundin und Helferin der den: Helden heimlich
verm�hlten Prinzessin Vriane, die in wenigen Tagen von Portugal nach �teukadien" reiste und mit einem gro�en
Schritt bequem �ber die Meerenge von Talais setzte. Und lustig den Faden fortspinnend entgegnete Aaroline: ia, sie
m�chte so reisen und zur Ueberfahrt �bers 2Neer die gro�e Schlange der �unbekannten Fee" Urganda haben �
jene wunderschlange, die feuerspeiend mit riesigen Fl�geln in ungeheurer Schnelle das 2Neer teilte und in ihrem
Innern ein vergoldetes Schiff barg, das, mit Girlanden, Edelsteinen und Wimpeln bedeckt, am Ziele angelangt
seine Insassen leicht ans Ufer trug.
Vie Petersburger Reise f�hrte zun�chst zu einem neuen wiedersehen der kandgrafin mit dem A�nig und
seiner Familie. Aaroline bat um eine Einladung, die als Vorwand f�r ihre Reise wenigstens bis Potsdam dienen
sollte. Darauf forderte Friedrich, da� sie auf dein Hin- und R�ckweg ihn besuche � wie er launig schrieb: �ce sera
mon Aupvelpelz".s Bevor sie ihm antwortete, wandte sie sich an den Prinzen Heinrich und den Prinzen von Preu�en
mit der vertraulichen Anfrage, wie lange sie in Potsdam werde bleiben k�nnen, �ohne indiscret zu sein und ohne
Mi�fallen zu erregen". Gem�� dem Rat, den sie empfing, ersuchte sie dann am Februar den K�nig, selbst die
Zeit ihres Aufenthaltes in Verlin und Potsdam festzusetzen. Allein Friedrich stellte es ihrem Belieben anheim.^ Da
sie erkl�rte, Anfang 2Nai aufbrechen zu wollen, erging f�r diesen Zeitpunkt die formelle Einladung. Nach weiterer
Abrede wurde ihre Ankunft auf den Mai anberaumt.^
1 Caroline an Friedrich, 27. November, \o.Dezember; Friedrichs Antworten, 2, und (9. Dezember 5772: Walther I,<*l�p. 
    
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