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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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der heut oder morgen vom Angesicht der Erde verschwinden soll?" Nochmals erwiderte Aaroline; sie fragte: �warum,
Are, mir vom Greisenalter und von Momenten, die Sie nur noch leben sollen, sprechen? Gott wei�, mein Teben
w�rde ich hingeben, um Ihre Cage zu verl�ngern. Aber ich reise ab ruhig und zufrieden �ber das gesunde Aussehen,
das ich an Ihnen gefunden habe."
In diesen: Zusammenhange haben wir endlich noch kurz der Briefe zu gedenken, die Uaroline in den
Jahren 1,770 bis an ihre Tochter Friederike richtetet Hie bieten interessante Veitrage zur Charakteristik des
Verliner Hofes, wir h�ren, da� der A�nig der kandgr�fin seine Schwester Amalie als diejenige bezeichnet hat, an
die Friederike sich wenden sollte, wenn sie des Rates bedurfte; denn mochte Amalie sich auch selbst als �ausrangiert"
bezeichnen, sie besa� das unbedingte vertrauen Friedrichs. �Nimm um Himmelswillen R�cksicht auf die Prinzessin
Anialie", so lautet daher das Gebot der Mutter. Wir erfahren aus demselben Vriefe, da� der A�nig sich pers�nlich
um die Erziehung des klemm Prinzen Friedrich-Wilhelm k�mmert, indem er verlangt, die Prinzessin solle mit diesem
vern�nftig sprechen, mn seinen Intellekt zu bilden. Besondere Erw�hnung verdient auch ein Zerw�rfnis der Prinzessin
n�t ihrem Gheim, den, Prinzen Heinrich, im Jahre 5??2. Gs macht zweifellos ihrem Herzen Ehre, da� sie ihm
gegen�ber f�r seine ungl�ckliche Gemahlin eintrat, aber die tandgr�fin war im Recht, wenn sie diesen Zchritt als
Unbesonnenheit tadelte. 5ie hielt ihr ihre Jugend vor und nieinte, es werde nicht an keuten fehlen, die diese Szene
charmant gefunden und darin einen Veweis f�r die Trefflichkeit ihres Herzens gesehen h�tten: �Der Prinz hat wenig
Freunde, man wird entz�ckt gewesen sein, Dich die Rolle der Vonhonne, der Aatze, die die Aastamen aus dem Feuer
holt, spielen zu sehen." Sei indessen diese Rolle angebracht? �Der Prinz", so erkl�rt sie der Tochter, �besitzt
ausgezeichnete Verdienste, allein er verzeiht nicht, wenn man ihm gegen�ber fehlt." Und noch wenige Tage sp�ter
wiederholt sie: �Er ist ein gro�er Prinz, aber er verzeiht nicht." Va� er sie, wie Friederike ihr schrieb, von einer
musikalischen Auff�hrung ausschlo�, die besondere Art, wie er mit seinen gro�en Augen sie angeblickt � das alles
dankten der kandgr�fin b�se Anzeichen, und sie w�nschte, als er ihr verzieh, die Verzeihung m�chte vollst�ndig sein>
Ihre charakteristische F�rbung erhalten die Briefe jedoch durch die m�tterliche F�rsorge, die aus ihnen spricht
und die sich auf alles, was Friederike angeht, erstreckt, sowohl auf die Ved�rfnisse des Hofhalts und des t�glichen
tebens, ihre Garderobe, wie auf ihre geistigen Besch�ftigungen und ihren Umgang mit den Personen ihres Hofstaats
und, wie wir soeben h�rten, n�t der k�niglichen Familie. In ihnen setzt die Tandgr�fin ihr Erziehungswerk fort,
wie eine Sylphe, unsichtbar m�chte sie die Tochter �berall begleiten, um ihr einige korrigierende Worte ins Ghr
fl�stern zu k�nnen b; denn sie findet noch viel zu bessern. Vor allem aber sucht sie auf die Bildung von Herz und
Gem�t Friederikes einzuwirken. So gehen die Vorhaltungen anl��lich des Zwistes mit dem Prinzen Heinrich Hand
in Hand mit der Betrachtung: �Falscher Eifer tut mehr b�ses als gutes, und wird ein gutes Herz nicht durch kluge
Ueberlegung geleitet, so macht es Dummheiten und falsche Schritte." Als vornehmste tebensregel stellt sie der Tochter
hin: �Handle so, da� der Prinz dich stets achten kann, mache dich ihm n�tzlich und dich f�hig, ihm eines Tages
guten Rat zu erteilen; alle deine Schritte sollen ihm Vertrauen einsto�en, sollen weise sein, und deine Hallung gegen
zedermann zeuge von G�te und Freundlichkeit." Besonders warnt sie vor Intrigen und vor kaunen, �deren man",
wie sie vorurteilsfrei bemerkt, �nicht zu Unrecht das weibliche Geschlecht beschuldigt"^ Sie erschrickt, wenn sie von
unbedachten Worten, von kaunen der Tochter h�rt, wenn sie erf�hrt, da� sie mit Mitgliedern der k�niglichen Familie
1Veide ~ Schreiben der kandgr�fin, undatiert, sind Don Walther irrig als Nr. 83 und 85 im Dezember ;??3 und Januar t?7
    
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