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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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Zu preu�ischen Diensten.
In die engen Verh�ltnisse eines deutschen Kleinstaates trat die Prinzessin "Karolinc von Pfalz-Zweibr�cken
geboren H.M�rz ;?2^> durch ihre Verm�hlung mit Erbprinz (udwig von Hessen -Varmstadt am 2. August (7^
ein. Unter dem Druck der finanziellen Notlage nahm der Erbprinz, gleich den meisten Prinzen der kleineren deutschen
H�fe, fremde Dienste, und zwar zun�chst 2 in Frankreich, da die zum Ceil im Elsa� gelegene Grafschaft Hanau-
Lichtenberg, die durch das Verm�chtnis seines Gro�vaters m�tterlicherseits ihm zugefallen war, unter franz�sischer
Vberhoheit stand. Als Vberst des Regiments Royal -Allemand machte er unter dem Marschall Velle-Isle den
V�hmischen Feldzug und den R�ckzug von pr�g mit. Jedoch schon das Jahr darauf forderte er feinen Abschied, zur
Genugtuung sowohl seines Vaters, des kandgrafen ?u6nrig VIII., dessen Sympathien ganz auf feiten Gesterreichs
waren, wie auch der Erbprinzessin, die in jenen Tagen ausdr�cklich erkl�rte: �Mein Herz ist allzu gut deutsch; ich
bete mein Vaterland an." Vezeichnend ist f�r ihren Charakter, da� sie zu gleicher Zeit sich dahin aussprach: �Trotz
meines Verlangens, ihn au�erhalb des franz�sischen Dienstes zu wissen, kann ich es nicht anders w�nschen als vor
Ende des Feldzugs: er ist hessischer Prinz, die Ehre ist ihm teuer; mit welcher Freude jedoch werde ich ihn die wei�e
Cocarde ablegen sehen, wann dieses m�glich sein wirdl"^
Vereits im August stand der Prinz in Unterhandlung mit A�nig Friedrich; er lie� ihm er�ffnen, da�
er in seinen Dienst zu treten w�nsche, �wenn er ein alt Feldregiment bekommen und Generalmajor werden k�nnte".
Friedrich nahm sein Anerbieten an*, und noch vor Schlu� des Jahres verlieh er dein Prinzen das Regiment Nr. 52
in Prenzlau in der Ukermark, das die neue Heimat des Erbprinzenpaares werden sollte. Aber nur zu kurzem
Aufenthalte siedelte Aaroline im Sommer dorthin �ber; der Ausbruch des Zweiten Schleichen Arieges f�hrte
sie zur�ck nach Darmstadt und ihren Gemahl und seinen gleichfalls in preu�ischen Diensten stehenden Vruder, den
Prinzen Georg, nach V�hmen ins Feld.
Der neue Ivaffengang Friedrichs gegen Gesterreich stellte schon damals das weitere verbleiben des Erbprinzen
beim preu�ischen Heere in Frage; denn als Anhanger Maria-Theresias und mit R�cksicht auf das ihm verliehene
b�hmische tehen Vabenhausen verlangte kandgraf tudwig VIII. die Heinikehr seiner S�hne. Mit Nichten ging der
A�nig darauf ein. Gleichwie er in seinem Ariegsmamfest erkl�rt hatte, da� seine Regimenter als kaiserliche Hilfs-
truppen zur Unterst�tzung des schwer bedr�ngten, zum R�mischen Raiser erw�hlten Aurf�rsten von Vayern marschierten,
so bediente er sich derselben Fiktion in seiner Auseinandersetzung mit dem tandgrafen. Er erwiderte ihm, die Erf�llung
seiner Forderung werde den Prinzen nur zum �Pr�judiz" gereichen: �Es ist Ew. liebden schon vorhin bekannt, da�
ich vor mein personnel nnt der K�nigin von Ungarn kein Oemele habe, und da� meine m VZHmen agirende
Truppen Reichskundigerma�en nichts anders als AuMar- V�lker sein, so ich aus patriotischen Absichten des Kaisers
Majest�t zu Wiederherstellung der Ruhe in, vaterlande zu �berlassen mich verbunden erachtet, folglich auch Vero
Prinzen mit keinem Grunde verdacht werden kann, wenn sie in dem Dienst, worin sie vor Anfang solcher V6me!63
gestanden, continuiren, zum Vesten des werten Vaterlandes, des Gberhaupts des Reichs sich meritiret machen, woher-
gegen mehrgedachten Dero Prinzen tiebden h�chst sensible fallen und Dero Reputation zu allerleihand Veurtheilungen
exponiren w�rde, wann sie die Armee zu Anfang der Campagne verlassen und eine Gelegenheit verabs�umen sollten,
ihre persanneileli Renten zu zeigen." Dasselbe Spiel wiederholte sich zu Veginn des folgenden Jahres, wiederum
bestand der tandgraf auf der Vefreiung seiner S�hne von der Teilnahme am Feldzug, und wiederum antwortete der
A�nig ablehnend, indem er die Frage auswarf: �ob es nicht eines Teils Ihrer Prinzen Reputation h�chst verkleinerlich
sein d�rfte, selbige pr�cise zu der Zeit, da die Campagne er�ffnet werden soll, aus solchen Diensten, worin sie auf
ihr eigenes, von Ew. tiebden unterst�tztes Ansuchen getreten, zur�ckzuziehen, und ob es nicht an der anderen Seite in
1 Vgl.Walther II, \2O f. {78. 3 dem Schreiben Dom 26. Juni (7^3 ist hinter den orten �je ne puis le souhaiter" &em
Sinne nach �autrement" zu erg�nzen.
� 3 Durch Rabinetlserla� vom 23. August an den preu�ischen Generalmajor Graf pofa&orosf t,
der den Vermittler machte. (Verlm, �Sei}. 5�aat-aichiv.)
        
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