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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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Vei al?e&em blieb der Ri� innerhalb der Familie bestehen, ja der alte Zwiespalt hatte sich noch versch�rft.
Penn dem K�nig ma� Prinz Heinrich die Schuld an dem tragischen Tode Auaust-Wilhclms bei. Heinrich hatte
damals, im Sommer 1.758, daran gedacht, ebenfalls wie dieser ein Jahr zuvor, das Heer zu verlassend Obwohl
tfaroltm den Prinzen von Preu�en nach ihren eigenen Worten �wie einen Freund und Vruder" liebte 2 mi�billigte
fie diese Absicht: Heinrich m�sse daran denken, so schrieb fie an Amalie, �da� er sich dem Staate schulde". Grollend
hatte er dann tats�chlich im August l.760 und zu Beginn des Wahres I?02 die Enthebung vom Uommando gefordert."
Sein Gegensatz gegen Friedrich dauerte unvermindert fort. Innerlich fremd standen sich auch der K�nig und der
nunmehrige Thronfolger Friedrich-Wilhelm gegen�ber. (Es fehlt nicht an Versuchen Friedrichs, das Heiz des Prinzen
zu gewinnen. Kurs vor der ersten Verm�hlung, im 3U 1^65 hatte er ihm vorgehalten, da� die Wohlfahrt des
landes gebieterisch baldige Nachkommenschaft von ihm verlange; denn er, der K�nig, wolle nicht alle Strapazen des
Krieges und alle M�hen der Regierung umsonst getragen haben; alles sei geschehen, damit der Prinz dereinst ein
machtiger, geachteter F�rst werde. Und er hatte seine Ansprache mit der Aufforderung an den Thronfolger geschloffen,
vertrauen zu ihm zu habend Allein die Kluft erweiterte sich noch mehr, und nicht wenig trug dazu der ungl�ckliche
Ausgang der �Lhe mit der Prinzessin Elisabeth bei, f�r den Friedrich in erster linie den Prinzen verantwortlich
machte. 5 vergeblich hatte er in der Totenrede auf seinen Reffen, Prinz Heinrich den J�ngeren, diesen dem Thron-
folger als Idealbild vor Augen gestellt, dem er nacheifern folle.6 R�ch allebem schwer entt�uscht, wandte er sich immer
mehr von Friedrich-Wilhelm ab. Hart sind die Urteile, die er �ber ihn f�llt. Keinen der inneren und �u�eren
Vorz�ge, die seinen Vater August-Wilhelm auszeichneten, wollte er an dem Prinzen entdecken. Friedrich schilt ihn
linkisch, launenhaft und eigensinnig, unbegabt und sittenlos, und er fa�t seine Ansicht dahin zusammen : �c'est le rebut
de la famille". Schmerzlich klagt er, da� jener ihm hundertfachen Rummer bereite und seine alten Tage verbittere.'
Zu allebem gesellt sich endlich die Sorge um die Zukunft des Staates, die in den Worten zu ergreifendem Ausdruck
gelangt, die der K�nig nach der Erwerbung der polnischen Provinzen an ihn richtete: �F�r Vich bin ich t�tig; aber
�man mu� daran denken, zu erhalten, was ich schaffe, und bist Du. tr�ge und indolent, so wirst Du zwischen Deinen
H�nden zerrinnen sehen, was ich mit soviel M�he zusammengebracht habe." a
Dieses der d�stere Hintergrund f�r das d�stere Gem�lde, das Heinrich und Amalie der tandgr�sin entwarfen.
�Der Posten, den die Prinzessin einnehmen soll," so beginnt Amalie, �ist von Klippen und Abgr�nden erf�llt." Das
ungl�ckselige Verh�ltnis von Vheim und Neffe zeichnet sie unter dem Vil�e von Ambos und Elsen. Der Prinz sei
nur schwer zug�nglich; sein Herz sei gut, aber er sei halsstarrig und launenhaft, nach ihrem drastischen Vergleich, wie
ein Maulesel. Er besitze Geist und Aenntnifse, aber sehr ungez�gelte Sitten. Trotz alledem werde die Prinzessin seine
kiebe gewinnen, wenn sie �ein wenig Freundschaft und etwas wie vertrauen" ihm entgegenbringe. Darauf geht sie
zur Charakteristik des Vheims �ber. Der �Ambos", wie sie ihn nennt, werde bei�ende Ausf�lle gegen das �Eisen"
machen und sie oft wiederholen: �H�rt man sie mit Wohlgefallen, ist man verloren." Die �Potsdamer Schmiede""
erleichtere solche Unterhaltungen, und �vulcan", so erz�hlt sie, weiter im Bilde fortfahrend, werde die Prinzessin mit
ausgesuchter H�flichkeit �berh�ufen, sie in seine Netze zu ziehen suchen, bis sie endlich des �Eisens" �berdr�ssig sei.
1 Viese Tatsache ergibt sich aus dem schreiben Aarolinens an Amalie vom 2?. Juli ;?58 (Wallher I,270 ' �J'w re�u, ch?re
princesse, une lettre touchante du prince Henri; mais je voudrais que l'on s'adoucisse sur certains sujets. Votre Altesse me comprend;
qu'il songe, le prince, qu'il se doit ? l'Etat, qu'il peut beaucoup par la confiance que l'on a en lui." Schon imSommet (757 halte Heinrich
abgelehnt, bas Kommando �bet das bis dahin von August.wilhelm gef�hrte Korps zu �bernehmen, vgl.Berner und Volz, Aus der Zeit
des siebenj�hrigen Krieges, S. 206, und Jabeler, Milit�rischer Nachla� des Grafen Henckel von Vonnersmarck, Vd. I. Ceil 2, S. 255
(Zerbst !.8q�i). � 8 An Amalie, 25. Iuni;an die Freundin 0. �udmantel, 2. Juli ,758: Walther l,2b2\ 11, 500.
� 'Unter Mi�billigung
der Prinzessin Heinrich; vgl. Sernet und valz, Aus der Zeit des siebenj�hrigen Krieges, S. \*)$, 199, 460, und Aoser, K�nig Friedrich
der Gro�e, Vd.2, 3. 32*.
� * Vgl.eehndorff, S. *?of.
� 6 vgl.?uvres, Vd. S, S. 23. � � Der tlogtx ?uvres, Vd. 7, 5, 2?ff.
vgl.Hohenz.
    
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