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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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in einem Vriefe, den Orinz Heinrich bereits anl Februar an die kandgr�fin richtete. In �wahrhaft apokalyptischem
Stil", wie er selber sagt, sprach er von der Hoffnung eines �baldigen Wiedersehens": �Die Hcenen der Welt sind so
vielen Wandlungen unterworfen, da� ich glaube, nicht daran zweifeln zu k�nnen, da� wir enger als je miteinander
verbunden werden. Ich willHnen nicht meine Vorahnungen verbergen, ich will der erste sein, der es Ihnen ent-
deckt, und bin ich indiscret, so geschieht es einzig und allein, um 5ie von vornherein auf die v�llige Genugtuung
vorzubereiten, die ich erfahre." Drei Wochen sp�ter, am ?. M�rz schrieb er: �Es ist fast sicher, da� in allersv�testens
einem Monat Zie genauer unterrichtet werden, worum es sich handelt. Die guten Maler sind selten, Sie lieben die
A�nste, Sie sollten gute Maler an Ihrem Hofe haben, 5ie haben um Sich sehr viele Personen, die Ihnen teuer
sind; es ist angenehm, von ihnen Vilder zu besitzen, und binnen kurzem werden Ihre Freunde solche von denen, die
sie interessieren, verlangen." Schon jetzt glaubte er, hinzuf�gen Zu d�rfen: �Die Hauptperson denkt wie ich, und der,
der die erste Rolle spielt, ist ebenfalls metner Ansicht." Noch deutlicher war Amalie, die bereits am 6. M�rz die
landgr�fin von der Trag�die in der k�niglichen Familie und van der geplanten lviederverm�hlung des Thronfolgers
ohne Umschweife unterrichtete und unter dem Siegel allerstrengsten Stillschweigens ihr anvertraute : ��LineIhrer Prinzessinnen
wird die Erw�hlte sein."!
von �Dornen unter den Rosen, die man darbiete," sprach sofort Prinz Heinrich. Er spielte damit auf die
Zust�nde am Berliner Hofe an, die er wie seine Schwester dann der kandgr�sin zu ihrer Orientierung darlegte. Das
Vild, von dem sie nach Amaliens Ausdruck �den Schleier l�ften", war uns�glich d�ster. Aber soviel auch pers�nliche
Voreingenommenheit in ihren Schilderungen sich geltend macht, so grell und stark die Farben aufgetragen sind, die
Grundstimmung des Vildes ist echt und lebenswahr. Zum tieferen Verst�ndnis haben wirdie allgemeinen Verh�ltnisse
uns ins Ged�chtnis zur�ckzurufen.
Seit Caroline im Herbste j?57 den Berliner Hof verlassen, hatten die dortigen Zust�nde sich von Grund auf
gewandelt. Von verh�ngnisvollster Wirkung war der Tod der A�nigm-Multsr Sophie-Dorothea im Juni 5?5?
geworden; denn sie war es gewesen, �die das K�nigliche Haus zusammenhielt". Auch das �g�ttliche Trio" der drei
Vr�der des A�nigs, wie kehndorff es �berschwenglich nannte^, hatte sich aufgel�st. Prinz August-Wilhelm, der
�lteste, war im Juni gestorben; Prinz Ferdinand war in demselben Jahre unter den Strapazen des Arieges
zusammengebrochen und seitdem ein kr�nkelnder Mann, der sich von aller Geselligkeit fernhielt. Nnd wenn auch
Prinz Heinrich seine Freude an Spiel und Maskerade, wie tehndorff mit einiger Verwunderung konstatiert^, behalten
hatte, so zog er sich doch mehr und mehr auf seinen intimen Areis zur�ck, zumal nach der Trennung von seiner
Gemahlin, die zu Lnde des Jahres erfolgte; denn ungl�cklich wie die Ehe des K�nigs und August-Wilhelms
war auch die seines
w�hrend es so in Verlin immer stiller wurde, begann in Potsdam heiteres leben um den R�nig sich zu
regen, das seinen H�hepunkt mit der Verm�hlung des Thronfolgers mit der Prinzessin Elisabeth von Vraunschweig
im Jahre erreichte. Umgeben von Nichten und Neffen, den Rindern seiner Schwestern, nannte Friedrich
scherzend sich wohl den �Vnkel von ganz Deutschland" und verglich sich mit einem �Aapaun, dem man junge Vrut
zur F�hrung anvertraue und der sich schlie�lich �berrede, da� er sie selbst erzeugt habe".^ Besonders war er der
Prinzessin Elisabeth zugetan. Zu ihrer Unterhaltung lie� er, so wird berichtet, auch wenn er in Sanssouci war,
�fast t�glich einige Vfficiers vom Bataillon Garde des Nachmittags" kommen: �Es wurden theatralische Vorstellungen
gegeben, jede Woche einige Mal getanzt oder kleine Spiele gespielt"; der K�nig nahm selbst an den Vergn�gungen
lebendigen Anteil. Er bewies der Prinzessin, wie tehndorff bezeugt, tausend Freundlichkeiten, und selbst dann noch,
als die Katastrophe fast unabwendbar erschien, verfuhr er gegen sie �mit gr��ter Nachsicht". �
1Schreiben Heinrichs vom \5.Februar und ?.M�rz und Am�liens vom 6. MHrz ;?�y: {paltftcrI,;28f. u.3^6f, � 4 Vgl.?e?in&orff,
S. lH5. SU.
� * S, 48?.
� *
vgl.Serner und volz. Aus der Zeit des Siebenj�hrigen Kriege?, S. IXff. � * Vgl.?uvres, Vd. ;v,
3. 222 und p. 
    
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