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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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Cages sei bei Einbruch der R�cht die Stra�e so ruhig gewesen, �als ob wir in tiefem Frieden lebten", lediglich um
Mitternacht wurden die Hofdamen der verstorbenen A�nigin-Mutter, die das Schlo� nicht hatten verlassen k�nnen,
durch die Nachricht beunruhigt, �da� der Feind erkl�rt habe, wenn man nicht in einer halben Stunde das Geld
abliefere, so w�rde Feuer an alle vier Ecken der Stadt gelegt werden". Es war nur blinder k�rm; denn in der
Nacht zum war Hadik in aller Eile wieder abgezogen. Nahte doch schon der Entsatz, Prinz Moritz von
Anhalt-Dessau mit seinen: Aorps, den der A�nig auf die ersten Meldungen vom Anmarsch der Gesterreicher
herbeibeordert hatte.
Indessen bet�tigte sich Aaroline noch weiter; ihre F�rsorge erstreckte sich auch auf die Opfer des Aampfes.
Auf die Nachricht, da� Tote noch unbeerdigt auf der N?ahlstatt lagen, lie� sie diese fortschaffen; dazu sorgte sie f�r
die Pflege der verwundeten. In einem Vriefe an ihren Gatten vom 22. Oktober entwirft sie in� R�ckblick ein
anschauliches Vild ihrer Erlebnisse: �Ich habe alle Zur�stungen f�r die Verteidigung gesehen, sah die Truppen auf
ihre Posten marschieren, h�rte schie�en, sah verwundete und vorgestern die Toten, die bestattet wurden, wie sie geblieben
waren, nackt und blo� wie die Hand. Mit der Prinzessin Amalie besuchte ich das Schlachtfeld, die Pl�tze, wo die
Toten beerdigt waren, sah tote Pferde ausgestreckt auf dem Pflaster, Blutlachen, Vlut an der Mauer, an die unsere
armen leute sich gelehnt hatten." Dann f�hrt sie fort: �Prinz Moritz kam am mit seinem Aorps; die Rochow-
A�rassiere und die Szekely- Husaren langten in der Fr�he an, aber unsere G�ste waren schon weit weg. Ich sah das
Aorps des Prinzen Moritz einr�cken; ich befand mich tausend Schritt jenseit des Hallischen Chores. Mein Gott, lieber
Prinz, welch k�stlicher Augenblick war es f�r mich, unsere Truppen wiederzusehen! ich schmeichelte mich dessen nicht
mehr. Mein befriedigtes Aussehen schien ihnen Freude zu machen, sie gr��ten mich mit lachendem Gesicht, Prinz
Moritz blieb stets neben meiner Aalesche, bis die Colonne vor�ber war. Dann machten sie Halt, aber ich r�hrte mich
erst vom Flecke, als die letzte Rotte zum Thor hereinmarfchiert war."
In der Nacht zum fy. kehrte dann auch der Hof nach Verlin zur�ck, um auf Vefehl des A�nigs am 23.
nach Magdeburg �berzusiedeln. Am H. November langte auch Aaroline dort an, und am Abend des brach sie
zur R�ckkehr in die Heimat auf. Damit erreichte ihr Aufenthalt in den preu�ischen tanden sein Ende.
Der U)eg f�hrte die Prinzessin die Stra�e, welche auch die stachligen Franzosen nach der Schlacht bei Ro�bach
gezogen waren. Ueberall, so berichtet sie, sah sie tote Pferde, Reste von tagern, Baracken, Namen von Offizieren auf
Torfl�gel gekritzelt und, wie ihr schien, franz�sischen Alanges. Noch interessanter wurden ihre Erlebnisse, als sie auf
die Truppen selber stie�. So traf sie hinter Goslar ein Schweizer Regiment, das zur Armee von Soubise geh�rte,
�Welch ein Triumph f�r ein preu�isches Herz!" ruft sie da aus. Auf ihre Frage schildert ihr ein Unteroffizier den
preu�ischen Angriff, mit dem bewundernden Zusatz: �Dieser A�nig ist tapferer als ich, der ich doch niemals Furcht
gehabt habe; er s�belte die Franzofen nieder und dann die Reichsv�lker." In Nordheim begegnete sie drei alten
Offizieren vom Regiment Chartres. Auch sie sprachen mit Begeisterung von Friedrich: niemals habe ein Feldherr
soviel Schlachten gewonnen. Den Hinweis auf Aolin, den die Prinzessin aus H�flichkeit glaubte machen zu m�ssen,
wiesen sie mit den Worten zur�ck: �Ja, aber da lag es an der Minderheit der Zahl." Aaroline f�hrt in der Erz�hlung
fort: �Der Mann f�gte hinzu, der 5. sei ein Schandfleck f�r die franz�sische Nation; die Niederlagen von Ramillies
und H�chst�dt seien nichts im Vergleich damit gewesen; er wisse nicht, ob der A�nig sie noch genug achten werde, um
nach einem neuen V�ndnis mit Frankreich zu verlangen." Dann kommen einige, ihr von fr�her her bekannte Offiziere,
einer vom Regiment 1^2 Oaupkine; auch sie loben die Man�ver der preu�ischen Truppen. Ihren Eindruck fa�t
Aaroline dahin zusammen, noch vor der Schlacht h�tten die Franzosen unziemliche Reden �ber Friedrich gef�hrt; so
habe ein Offizier nach Aassei geschrieben: �wir stehen im Begriff, den A�nig von Preu�en zu pulverisieren." Aber
seitdem h�tten sie ihren Ton ge�ndert: �Alles, was ich sehe," erkl�rt sie, �ist so geoehm�tigt, so gedr�ckt, da� ich beinahe
mit ihnen Mitleid habe." Aus den Briefen der Erbvnnzessin erfahren wir weiter, da� die Bewunderung Friedrichs
'
vgl. waliher II,*of..
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