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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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Vie schreiben der Erbprinzessin erhalten dadurch ihre Signatur, da� sie sich ganz mit der Zache Friedrichs
identifiziert. Vas Gl�ck des Hauses Brandenburg erscheint ihr �interessanter als das ganze Weltall zusammen". In
einem Briefe an den Gatten wirft sie die Frage auf: �Warum ist das ganze Reich nicht preu�isch wie Sie und ich?"
Sie macht unter den deutschen F�rsten Propaganda f�r den K�nig, und einen Prinzen, den sie \759 zur Welt bringt,
weiht sie dem Dienste Friedrichs.^ Der K�nig, seine Vn'ider und seine Gruppen sind f�r sie �nos h�ros" � �unsere
Heroen", die preu�ischen Offiziere �Ritter ohne Furcht und Tadel".' Zumal f�r Friedrich kennt ihre Vewunderung
feine Grenze; �mon grand homme", �l'homme de l'Europe"; so hei�t er in ihren Briefen* Auch nach ihrer R�ck-
kehr in die Heimat versichert sie: �preu�in" wolle sie bleiben, wie in Berlin und Prenzlau, preu�in �bis ins Grab".^
Hur auf eine kurze Auslese aus den Briefen Karolinen^ k�nnen wir uns beschr�nken. Auf die Mitteilung
der Antwort aus Wien auf Friedrichs letzte Anfrage von Ende August, in der er nochmals der Aalserin Maria-
Theresia die Entscheidung �ber Krieg und Frieden anheimgab, schreibt sie am 5?. September \756 an die Prinzessin
Amalie: �Der Krieg ist also erklart und puebla abgereist! M�ge Gott unsere w�nsche erh�ren, die H�upter, die uns
teuer sind, bewahren und f�r uns k�mpfen." 5 K�nig Friedrich hatte den Sieg bei kobositz erstritten: �Kein Sieg hat
mich so interessiert", erkl�rt sie daraufhin am Vktober. �G�ttin Fortuna hat zweifellos viel Anteil am Gewinn
der Schlachten, aber ich wei� doch nicht, ob sie alles tun w�rde ohne bas Beispiel und die Tapferkeit der F�hrer,
ohne die Disziplin und das Vertrauen der Soldaten. ?s ist wunderbar, was der K�nig mit H0N00 gegen�ber 70000
vollbracht hat, und Vrowne, sagt man, ist kein bummer Kerl/' Noch aber blieben die �ewigen Sachsen", wie sie
schreibt, in ihrem tager bei ptrna zu �berw�ltigen. Endlich erfuhr sie die Nachricht von deren ilcbergabc, die sie
nach ihren Worten ersehnte, �wie die Juden den ZHefftas", und als sie die Einzelheiten vernahm, wie das s�chsische
Heer nach dem kilienstein marschiert und dort aus Mangel an Cebensmitteln gezwungen war, zu kapitulieren, w�hrend
ihr Herrfcher mit Vr�hl und 50 Mann Bedeckung auf dem A�nigstein �hockte", da spottete sie: die erlauchte Kaiserin-
K�nigin besch�tze ganz wunderbar ,ihre Alliierten; der arme K�nig von Polen spiele wahrlich eine kl�gliche Rolle:
�wie bin ich froh, da� ich nicht dieser K�nig von Polen bin! hundert Mal lieber bin ich ein Weib als ein K�nig,
der also handelt und denkt wie diese geheiligte Majest�t. Seine Prinzen k�nnen von ihm sagen: Pierrot est mon papa!" 6
Der Feldzug von 5756 ging zu Ende; schon sprach man von der Teilnahme der Russen und Franzosen an den
K�mpfen des kommenden Jahres, �wir f�rchten die Ereignisse von �u�erte Karoline in den letzten November-
tagen zu Amalie; �mir sehen nur eine wirre Zukunft; brei gegen uns verb�ndete M�chte, die bereit sind, �ber uns
herzufallen, uns zu verschlingen! hei�en Sie mich eine Vision�nn, mir soll es recht fein, aber ich verzweifele noch
nicht." Und einige Cage sp�ter: �ich willmich nicht niederdr�cken lassen noch die Hoffnung aufgeben, diese k�stlichste
aller Gaben, die mir besitzen."'
F�r die heroischen A�mpfe des Jahres ;?5? versiegen fast ganz unsere Nachrichten, da die Prinzessin Ende
wahrend ihr Gemahl mit dem pommerschen Aorps nach der lausitz marschierte, mit ihren Aindern nach Verlin �ber-
siedelte, und da das damals von ihr gef�hrte Tagebuch, ihr �Brevier", wie sie es sp�ter einmal nennt, nicht mehr
erhalten ist.� Nicht ohne Zagen sah sie dem Veginn der Operationen entgegen: �Ich wappne mich mit Mut und
stoischen Grunds�tzen, aber Frau Natur macht sich bisweilen geltend." Die Schlacht bei Prag war geschlagen. Feld-
marschall Dann r�ckte zum Entsatz der von den Preu�en eingeschlossenen Festung heran, der A�nig ging ihm entgegen,
�halt Daun stand," �u�erte Aaroline am 2^.Juni, �so erwarten wir jeden Tag die Nachricht von einer Schlacht;
der Himmel erhalte den A�nig und segne seine Waffen I" Allein w�hrend die Prinzessin dieses schrieb, waren bereits
die eisernen W�rfel bei Aolin gefallen, �welch sch�ndlicher Tag!" erkl�rte sie ihrem Gemahl am 27. �Gott bewahre
'
vgl. walther I,2?l. 296; H,55.
�
a Prinz Friedrich, geboren 59. Zum l?&9. Am *3. schreibt Narsline an Amalie: �Voil?
un enfant vou� pour le service prussien I" Am 20.; �S'ildevient brave, mais vraiment courageux, je le donne au Roi." vgl.IValther I,299 f.�*
vgl.waltber I,234. � * vgl.walcher I,5$9f.; II,HS.
�
& vgl. tvallhrr I, \$*. Der Sfterreichische Gesandte Graf Puebla verlie�
am (6. September Berlin.
� � Karofme an Amalie, (0., 22. und zu. Oktober i?5�: Walther I, (95. 
    
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