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Die Münzverwaltung Friedrichs des Großen

Full text: Die Münzverwaltung Friedrichs des Großen

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M�nzen gemacht wurden. So schien es denn nur zwei ll)ege 311 geben, Me die M�nzverwaltung der deutschen
Staaten beschreiten konnte: entweder m�nzte fie gar nicht, oder sie verschlechterte die vorhandenen M�nzen.
Diese schlechteren M�nzen hatten nat�rlich eine geringere Kaufkraft als die besseren. Rostete die Mark
<>/2 Pfund) Feinsilber mit guten M�nzen bezahlt fr�her (^aler, so kostete sie Zehn Jahre sp�ter Denn die
Silberhandler bewerteten ihre Preise nach den verschlechterten M�nzen. N)enn aber ein gewissenhafter F�rst mit vielen
Vvfern gutes Geld gem�nzt hatte, so mu�te er erleben, da� es, kaum ausgegeben, von den schlechter M�nzenden
aufgekauft und in geringe Scheidem�nze umgepr�gt wurde. Das mu�ten viele Jahrzehnte lang Aursachsen und die
k�neburger Herzoge erfahren. Bei den Silbergruben von Clausthal und Zellerfeld hielten sich Agenten auf, die den
Bergleuten die ihnen als lohn ausgezahlten feinen Gulden sofort um ein geringes Aufgeld, das oft nur in einer
pfeife und �einem Vrief bestand, abkauften. Auch der A�nig von Preu�en, Friedrich Wilhelm I., ver-
schm�hte es, die M�nze zu verschlechten: und lie� lieber seine Pr�gung ruhen.
Durch diese Umst�nde geriet aber Deutschland in eine sehr mi�liche monet�re kage. Die gro�en, guten Silber-
m�nzen, d. h. die allen Reichstaler, deren einer '^ Mark, und die nach leipziger Fu�, deren zwei
l/, Mark Feinsilber enthielten ', verschwanden Zusehends, und daf�r breitete sich ein Ivust von Scheidem�nzen gr��erer,
kleiner und kleinster Machthaber aus; um nur ein paar Beispiele anzuf�hren, so war die jetzige Provinz Ostpreu�en
5?H0 ebenso mit Saalfelder Hellern angef�llt, wie Schlesien von Vayreuther und bayrischen Pfennigen, den sogenannten
Wanzen, wimmelte, w�hrend die kurtrierischen Peterm�nnchen und s�ddeutschen Batzen alle Tande bis nach Halle und
Hannover hin erf�llten.
Die Aaufleute aber konnten mit diesem elenden �M�nzgezeug" nat�rlich ihre eigenen Waren sich nicht bezahlen
lassen und die fremden nicht daf�r kaufen. Sie konnten gar nicht anders, sie mu�ten fremde gro�e M�nzen dazu
gebrauchen, und endlich sahen sich auch die Regierungen auf diese angewiesen. Spanische goldene Dublonen, nieder-
l�ndische Dukaten, in Preu�en besonders franz�sische kouisdor und kouisblancs (Franzlaler) mu�ten als Hauptkassen-
geld geduldet werden. Die Potsdamer Garnison wurde mit Franzgeld und deutschen 2 -Groschenst�cken gel�hnt.
worin aber besteht eigentlich der Schaden f�r ein land bei solchem Gebrauch fremder M�nzen ? Darin, da�
es, wie man damals sagte, dem andern tande den Schlagschatz oder wenigstens die M�nzkosten bezahlen mu�te; der
ganze Edelmetallhanoel siel aus, die Verdienste der M�nzarbeiter h�rten auf, die Fremde konnte ihr Geld bis zu
einem gewissen Grade verschlechtern, ohne da� wir es im werte herabzusetzen vermochten, denn wir waren darauf
angewiesen. So hat England jahrhundertelang f�r Irland, haben Sachsen und Preu�en f�r Polen nach einen:
geringen Fu�e M�nzen geschlagen. Preu�en war auf dem Wege, in eine �hnliche Abh�ngigkeit von Frankreich und
Holland zu geraten, als Friedrich der Gro�e diese Gefahr erkannte und sein Tand daraus befreite.
Preu�en und Hannover hatten versucht, die gr��eren norddeutschen Staaten zu einem M�nzverein zusammen-
zufassen, der eine gute Pr�gung vornehmen uud die schlechten M�nzen fernhalten sollte, bis eine allgemein durch-
f�hrbare Reichsm�nzordnung eingef�hrt sei. Aber die Hoffnung auf diese war vergebens. Als die M�nzverhand-
lungen des Reichstages 5?H0 im Sande verliefen, blieb nur noch ein Mittel: jeder Staat mu�te sich selbst helfen.
Friedrich II. hatte von dem Reichstag eine sehr geringe Meinung. Lr wies seine Diplomaten an: �weiln
doch nicht zu hoffen, wie jemaln durch die d�lib�rations des Reichstages �ber das M�nzwesen etwas Solides und
Gedculiches effectuiret werden wird, diese Materie so weitl�uftig und so vague, als es nur immer m�glich sein wird,
zu lraktiren", und verlangte die Abfassung der f�r den Reichstag bestimmten Gutachten �in denen gew�hnlichen und
mehrenteils ganz unverst�ndlichen M�nzterminis, da� niemand oder wenige den eigentlichen Sinn daraus begreifen".
Als er sich so �u�erte, hatte er durch die Erfahrungen der ersten beiden schlesischen Kriege erkannt, da� er
seinen Staat im M�nzwesen auf sich selbst stellen, ihn von dem des Reiches emanzipieren m��te. Die Hauptm�nzen,
die damals in Berlin gepr�gt wurden, die (Dovpelgroschen) und 6-Pfennigst�cke (Halbgroschen), hatte er
1 Ueber diese M�nzen handelt m�in Aufsah im Jahrgang 190? dieses Jahrbuches, 2. 62�75.
        
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