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Das erste Testament Friedrichs des Großen

Full text: Das erste Testament Friedrichs des Großen

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liegt den� ber�hmten Edikt vom J3. August ;?l,3 zugrunde, er tritt in unz�hligen Wendungen mit einer uns heute fast
�berraschenden Selbstverst�ndlichkeit zutage, er beherrscht auch das Testament des K�nigs so gut wie das seiner Vorg�nger.
�3o viel Unser K�nigreich Preu�en, Churf�rstentum, Herzogt�mer, F�rstent�mer, Grafschaften und Herrschaften,
auch von Uns angekaufte Allodialg�ler, insoweit i-^pectu dieser unten nicht ein anderes dwponiret ist, auch alle Unsere
Verlassenschaft, es sei an Armeen, tand, beuten, Ritterschaft, �t�dten, Festungen, Schl�ssern, Flecken, �mtern, D�rfern,
Vorwerken, auch deren Zubeh�rungen, Recht- und Gerechtigkeiten, Actionen, An- und Zuspr�chen, Mobilien und
Immobilien, Artillerie, Munition, Magazinen, Zeugh�usern, Bibliotheken, Hallen, R�stkammern samt allen�,
was darin zu finden, die Stulereien in allen Unseren tanden, mit allen darin vorhandenen Aferoen, die Juwelen,
Schildereien, Tapeten, Gold- und Tilberwerk, Vaarschaften, welche in Unserem gro�en Tresor .... befindlich sind,
ingleichen die kretiasa, welche zur selbigen Zeit vorhanden sein werden, nichts davon ausgeschlossen, anbelangt � darin
setzen und constituieren U?ir hiermit und in Araft dieses zu einem Universalerben Unseres �ltesten geliebtesten Sohnes,
des Kronprinzen, tiebden."
So steht in dem Testament Friedrich-Wilhelms I. Und nun vergleiche man, wie Friedrich der Gro�e sich
ausdr�ckt! Die eigentliche Erbeseinsetzung � der Aern des Testaments � bezieht sich bei ihm nur auf das Allodial-
verm�gen, nicht auf die Regierungsnachfolge. �Ich setze meinen Vruder August-Wilhelm zum Universalerben meines
Allodialvcrm�gens ein", hei�t es Abschnitts, und: �Mein Bruder August-Wilhelm �st der gesetzliche und nat�rliche
Erbe der Arone" Abschnitt 3. Zwar folgt nun auch hier eine Aufz�hlung ihrer einzelnen pertinenzen ganz im Stile
des Vorg�ngers, aber sogleich tritt auch in den� Zusatz �als den: Staat geh�rig" � denn was von dem Tresor aus-
dr�cklich gesagt wird, gilt auch von dem �brigen � der entscheidende Gegensatz wieder zutage. Zum ersten Male
werden staatliche Sukzession und privatrechtliche Erbfolge in dem Testament eines preu�ischen Herrschers scharf und
bestimmt geschieden. In demselben Augenblick, wo Preu�en in die Reihe der europ�ischen Gro�m�chte eintritt, �ber-
windet es auch innerlich den patrimonialen Staatsbegriff. Es ist eine v�llig andere Auffassung von der Stellung des
Herrschers, die sich hier kundgibt: die Anerkennung einer von der Person des Regierenden unterschiedenen Staatsgewalt,
wir kennen ja die Stellungnahme Friedrichs des Gro�en aus unz�hligen Aeu�erungen ; schon in dem Antimacchiavell
hat sie ihre unverg�ngliche Formulierung in dem Worte von dem F�rsten als dem ersten Diener des Staates gefunden �
aber das Neue, das sie gegen�ber der Anschauung der Vorg�nger enth�lt, tritt, wenn ich nicht irre, in der Gegen�ber-
stellung der Testamente besonders wirksam hervor.
Doch ist es nicht dies, un, dessen willen mir eine Mitteilung des Testaments in erster Linie wertvoll erschienen
ist, denn dieser Gegensatz ist dem pou (769 mit unserer Urkunde geineinsam, was ihr noch ein besonderes Interesse
verleiht, ist, da� sie uns in einen oft behaupteten und oft bestrittenen Wandel des K�nigs einen �beraus lehr-
reichen Einblick gew�hrt.
3<*? stelle die entscheidenden Stellen nebeneinander:
<752. ,769.
De plus, je laisse ? mon fr?re le tr�sor, tel qu'il
se trouvera au jour de ma mort, comme appartenant
? l'Etat et �tant destin� ? le d�fendre, le soulager, le
maintenir et ? l'agrandir.
De plus, je lui laisse le tr�sor, tel qu'il se trouvera
le jour de ma mort, comme un bien appartenant ?
l'�tat et qui ne doit servir que pour d�fendre les peuples
ou les soulager.
1F�r diese Hat Friedrich � entgegen der Gbservanz feines Hanses � die Grunds�tze des gemeinen Rechts, nicht die des deutschen
Privat- F�rftenrechts zugrunde gelegt.
�
a Ist aber diese Formulierung des antikeil Gedankens wirklich, wie man in der Regel annimmt,
bas Eigentum des K�nigs? In den im Winter ;?35/5b niedergeschriebenen Letters on history lord Volmgbrokes liest man: Even the king
of such a limited monareby as ours is but the first servant of the people (Letter V, 5. (20 der Baseler Ausgabe von Voltaire,
&er die Rennt�!� bec unter den Freunden des englischen Staatsmannes verbreiteten Schrift verimttelt haben k�nnte, hat sie freilich nach
seiner eigenen Aussage erst nach ihrer Ver�ffentlichung (5 752) kennen gelernt (?uvres �d. INsland XV, Greift aber vielleicht Volingbroke
nur ein �lteres wort auf? F�r die Veurteilnng Friedrichs ist die Feststellung nat�rlich ganz ohne Belang; denn nicht die pr�gung des
Wortes, sondern da� er als absoluter Monarch in ihm die Maxime feines Handelns sah, ist bas Entscheidende. lieber die Gleichstellung
von peuple nnd �tat bei Friedrich dem Gro�en verweise ich auf die treffenden Vemertungen Iellinecks: Staatslehre (1905) S, 658, 2Inm.
        
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