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Das erste Testament Friedrichs des Großen

Full text: Das erste Testament Friedrichs des Großen

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F�rst fein eigener Aonnetabel ist, vor allem aber f�r einen solchen, der noch im Wachstum begriffen ist (qu> est d^ns
son accroissement). Die Allianz mit Frankreich ist die f�r Preu�en durch die Natur der Hache gegebene, weil nur
im Bunde mit Frankreich Preu�en auf Erwerbungen rechnen kann. Der K�nig ist der �fteinun�, da� �5 feinen
Zweck habe, den k�nftigen Nachfolger neben der franz�sischen Sprache noch mit anderen zu qu�len; willman ihn aber
damit nicht verschonen, so ist neben der lateinischen am notwendigsten f�r ihn
�
die polnische.
Jedes Wort dieser tiefsten Offenbarung seines Geistes atmet den Ehrgeiz der Macht; er lebt und webt in
dem Gedanken k�nftiger Gr��e.
Ganz anders VieFriedenspolitik dieser Jahre hat ihre Wurzeln in der Ersch�pfung des eigenen tandes
und in dem Gef�hl des K�nigs, da� er selber ein alter Mann geworden ist, der die Unbest�ndigkeit des Gl�cks in
bitteren leiden erfahren hat.
Unter dem Vilde eines Menschen, der von Wunden bedeckt und von Blutverlust ersch�pft zusammenzubrechen
droht, hat er seinen Ztaat geschildert; seine eigene Aufgabe: die eines weisen Arztes; seine einzige sorge: aufzubauen,
was in den schweren Jahren des Arieges zerst�rt - ist. Die innere Politik �absorbiert" sein ganzes Interesse. Der
jugendliche Verfasser des Antimacchiavell hatte einst in der Sorge f�r das Gl�ck der Untertanen dm Inbegriff der
Pflichten des F�rsten gesehen ;der in der Schule des lebens gereifte Mann hatte gelernt, die R�cksichten der Wohlfahrt
den gro�en Notwendigkeiten des Staatsleben?, der Erhaltung und F�rderung der Macht des Ganzen einzugliedern und
unterzuordnen. 2 Davon kann keine Rede sein, da� er im Alter zum Standpunkt semer Jugendjahre zur�ckgekehrt s�i;
das System seiner Regierung ruht auf den gleichen Grundgedanken wie fr�her
�
aber st�rker als vorher treten jetzt
die Bestrebungen f�r das Wohl der Untertanen in den Mittelpunkt seines Venkens. �Er wird der enthousiaste 6u
dien pudlic. wie er sich selber gern und wiederholt nennt."
Dazu kommt nun ein zweites, pers�nliches Moment. �Jedes Alter hat seine Besonderheit: die Jugend die
Siebe, die Mannesjahre den Ehrgeiz, das Alter die vorsichtige Berechnung (les calculs de la politique)."* Als
Prinz Heinrich ihm im Juni ;??0 die Hoffnung ausspricht, ihn als Herren der Ufer des Valtischen Meeres su sehen,
d. h. im Besitze von pomment und westpieu�en 6, da weist er das mit einem �cherz �ber den guten Appetit des
Bruders zur�ck. �Aber ich, der ich alt bin, habe den verloren, den ich in meiner Jugend besa�. Nicht da� Deine
Ideen nicht vortrefflich w�ren, aber man mu� den wind des Gl�cks in feinen Segeln haben, damit solche Unter-
nehmungen gelingen, und dessen wage ich mich nicht zu schmeicheln und kann es nicht." 6 Und in der Tat ist
bei der ganzen Aktion, die zur polnischen Teilung gef�hrt hat, die Verh�tung eines europ�ischen Arieges aus der
orientalischen Arisis, die Erhaltung des Friedens f�r seinen an Ru�land geketteten Staat der leitende Gesichts-
punkt des K�nigs gewesen.'
nach dem Ausgange des wechsewollen Zweiten ?cf[fefifrf)en Krieges, in dem �Nachgef�hl der bestandenen Gefallen" (Ranke), wiederholt
in dem Zinne ge�u�ert hat, er werde in Zukunft nur noch zur Verteidigung bas Schwert ziehen, ist sehr begreiflich. Sei den oft
zitierten Aeu�erungen zu dem franz�sischen legationssekrel�r B�rget im Vezemder 5755 ist �berdies nicht zu vergessen, da� sie trotz ihrer
burschikos�� Wendungen einem bestimmten Zwecke dienen, wieFriedrich denn u. a. sagt, fein �Eifer f�rFrankreich" habe ihn zum Zweiten
St^Ief�fc^en Kriege veranla�t (la dignit� du feu empereur et mon z?le pour la France ont occasionn� la seconde. valorf, M�moires I,294).
1 Ces consid�rations �taient si puissantes que le gouvernement int�rieur de l'Etat absorba toute mon attention. (?uvres VI, 4.)
Am 2^. Januar \77{ schreibt er an den Prinzen Heinrich: [la guerre] dont nous sortons a �t� trop mineuse et trop violente pouf que nous
puissions sit�t en entreprendre une nouvelle.
� * f�nfte, Auss�he III,S. 8. Da� der K�nig diese Notwendigkeit vom ethischen Standpunkt
aus immer beklagt hat, ist bekannt: rein theoretisch steht er zu allen Zeiten auf dem Voden der lehre, die den Zweck des Staates in das
Gluck der einzelnen fehl. �
� Wiegand, Friedrich der Gro�e, S. \zi>
� * ?uvres VI, 72.
� B Vgl. den Vorschlag des �sterreichischen
Gesandten, durch den diese Ausf�hrungen Heinrichs veranla�t sind, bei Volz, Prinz Heinrich von Preu�en und die preu�ische Politik vor
der ersten Teilung Polens. Forschungen zur Vrandenburg- Preu�ischen Geschichte l�, <�?. � � vgl. Volz, Friedrich der Gro�e und di�
erste Teilung Polens. Forschungen 25, 72. Den Sricf des K�nig� hat Koser in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie der Wissen�
schaften H9O8, S. 286 mitgeteilt
�
7 So hat es Friedrich selbst schon dargestellt, vgl. jetzt die oben zitierten, auf den j�ngst erschienenen
V�nden der Pol. Korrespondenz aufgebauten Aufs�tze von Po(3,
�o(frnjpU(rn�3?^c6udj (9U- U
        
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