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Die Feldschlacht in den Kriegen Friedrichs des Großen

Full text: Die Feldschlacht in den Kriegen Friedrichs des Großen

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allgemein verbreiteten, tief im milit�rischen Venkeil der Zeit eingewurzelten Anschauungen und Grunds�tzen beruhte.
Man lebte auf �sterreichischer Seite noch in einer Auffassung vom Ariege, die sich in den letzten Menschenaltern heraus-
gebildet hatte und der Schlachtentscheidung abgeneigt war. Aleine Ziele suchte die Kriegf�hrung am Ende des {7,
und zu Beginn des {8. Jahrhunderts mit kleinen Mitteln zu erreichen, Um in den Besitz eines landstrichs oder einer
Grenzfestung zu gelangen, setzte man nicht gern die mit so gro�en Rosten geworbenen Heere, f�r deren Unterhaltung
der Staatshaushalt fortgesetzt schwere Vpfer brachte, aufs Spiel* Vas Streben nach Schonung des Aricgsinstruments
f�hrte r�ckwirkend zur Beschr�nkung in den Absichten. Gelang es, den Gegner durch �Manoeuvres", Bedrohung
seiner Verbindungen, Wegnahme seiner Magazine, zum R�ckzuge zu bewegen, ohne da� es zur Schlacht kam, so
feierte die �Geschicklichkeit" des erfolgreichen Feldherrn einen Triumph, wenn aber zwei �geschickte" Feldherren sich
gegen�berstanden, so blieb nur �brig, auf g�nstige Gelegenheiten zu warten und, falls diese nicht kamen, auf das
allm�hliche M�rbewerden des Gegners zu hoffen. Vaher zogen sich die Kriege endlos in die l�nge. Va die ineisten
Ariege um die wende des Jahrhunderts in dieser weise gef�hrt worden waren, hatte sich an ihnen eine milit�rische
Schule gebildet, die ihre Vorbilder in jener Zeit suchte. Line Theorie des Krieges entwickelte sich, die dem Ruhme
eines Prinzen Eugen, eines Marlborough und Luxembourg Ar�nze wand und das milit�rische Venken im Vanne der
Traditionen jener Zeit festhielt, was in den Kriegen der letzten Vergangenheit dem Zwecke entsprochen hatte, erhob
den Anspruch auf Allgemeing�ltigkeit, und man verga�, da� jenes Verfahren doch nur so lange und nur in den F�llen
den Bed�rfnissen und Interessen der kriegf�hrenden Gen�ge tat, als es sich um die vergleichsweise geringf�gigen Auf-
gaben handelte, vor die sich die Heerf�hrer im Zeitalter ?u�tt)tgs XIV.in der Regel gestellt sahen. 3em Theorie aber
wurde zur Irrlehre, sobald die Aufgabe so gro�, der zu besiegende Widersacher so stark und entschlossen war, da� jene
Mittel der alten Schule versagten. 3n diese l�ge fand sich Gesterreich gegen�ber dem K�nige von Preu�en versetzt.
F�r diesen stand die Existenz seines Staates und seine pers�nliche Geltung vor Mit- und Nachwelt in Frage.
Ein Unterliegen in diesem Aampfe bedeutele f�r ihn das endg�ltige Scheitern seiner Politik seil Beginn seiner Regierung.
Sein eigener Feldherrnruhm war ebenso gef�hrdet, wie die Waffentaten seines tapferen Heeres dann als schlie�lich
zwecklose Vlulopfer erscheinen mu�ten, verlor er das hohe Spiel, so stand er vor der Geschichte kaum anders da als
Rarl XII. von Schweden, dessen Bild in Tagen des Ungl�cks oft vor seinem geistigen Auge erschien. Er durfte nicht
m�rbe werden, und wenn der letzte Mann eingesetzt werden mu�te; ja er war entschlossen, den Tag des Verderbens
nicht zu �berleben. Gegen diesen Feind versagte das alte System. Vauns Kriegf�hrung war geeignet, ihm selbst
Niederlagen zu ersparen, aber sie erwies sich f�r die Erreichung des �sterreichischen Ariegszieles , die Vesiegung des
Preu�enk�nigs, als v�llig unzul�nglich.
Dagegen konnte Friedrich der Gro�e selbst sich sehr wohl in lagen, wo ein Hinhalten seine Aussichten zu
verbessern versprach, periodisch mit �hnlichen Mitteln behelfen. Es ist weder ein Widerspruch noch eine innere
Wandlung in den Anschauungen des A�nigs vom Ariege, wenn er sich von der Vernichtungsstrategie, zu der sich
namentlich sein Feldzugsplan von ;?5? erhebt, gipfelnd in der Absicht, mit einer �Schlacht von pharfalus", die das
Heer des Hauptgegners zertr�mmern sollte, dem ganzen Ariege ein schnelles Ende zu bereiten, sp�ter zeitweise auf
eine Man�verstrategie zur�ckzog, die der seiner Gegner �hnelte. Es waren die Atempausen in seinem vielj�hrigen
Ringen. Nicht minder war es seinen Unterfeldherren auf Nebenkriegsschaupl�tzen, dem stnnzen Heinrich in Sachsen,
dem General Fouque in den schleichen Grenzgebirgen wohl m�glich, ihre begrenzten Aufgaben gegen �hnlich denkende
und handelnde Gegner in solcher Art erfolgreich zu l�sen.
wenn Clausewitz jene alte Rriegsweise, bei der �man blo� an den Grenzen seines Reiches einige Eroberungen
machen will",in Gegensatz gestellt hat zu der neueren, �wo der Zweck das Niederwerfen des Gegners ist"i, so hat er
damit die historische Vielgestaltig keit des Aneges offenbar nicht ersch�pfend gekennzeichnet, sondern zwei Grenzf�lle
gegeben. Er selbst hat erkl�rt: �Ver wirkliche Arieg wird meistens zwischen die beiden verschiedenen Richtungen fallen.
'
a. a. V., S. XI.
        
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