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Die Feldschlacht in den Kriegen Friedrichs des Großen

Full text: Die Feldschlacht in den Kriegen Friedrichs des Großen

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kleinen beweglichen, unter ban sch�tze deckender l^�hen �berraschend entwickelten Armee gegen die gerade auf ihn
Zukommende schmale Flanke de5 treffenweift nach rechts abmarschierten Heeres der Franzosen und Reichstruppen
zu f�hren und den einer Lutwickelung in der Marschrichtung ungewohnten Feind v�llig �ber den Haufen
zu werfen. Bei ?eutljen, am 5. Dezember, erm�glichte es ihm die Man�vriergewandtheit seines Heeres, nachdem
er zun�chst fl�gelweise gegen die Front der in Stellung befindlichen Vestsrreicher anger�ckt war, durch Abbiegen
der Anf�nge beider treffen in s�mtlichen Kolonnen wiederum unter dein Kchutze eines H�henzuges dein Feinde
�berraschend die Flanke abzugewinnen, sie einzudr�cken und von hier aus die feindliche Macht aufzurollend
N?as aber geschah, wenn der Gegner �in einem Kosten stand" und die Uebcrraschung nicht gelang oder das
Gel�nde den Feind nicht hinderte, dein Umfassungsversuch eine neue Front entgegenzustellen?
In der Schlacht bei Prag, am 6. Mai 1?57, beschlo� der K�nig, den dicht �stlich von Prag mit der Front
nach Norden auf schwer zug�nglichen H�hen stehenden Gegner in seiner rechten, an eine sumpfige Niederung gelehnten
Flanke anzugreifen. Das Gel�nde hinderte hier nicht wie bei Soor die Gesterreicher, von ihrer Uebcrmacht zum
Sch�tze der bedrohten Flanke Gebrauch zu machen. Die gegen die erw�hnte Niederung sich abdachenden H�hen zwischen
�terbohol und Aej baten dem Verteidiger eine vortreffliche Stellung. Aber es h�tte einer rechtzeitigen Verschiebung
des gr��ten Teiles des �sterreichischen Heeres bedurft, um diese neue Front ausreichend zu besetzen, und diese befahl
Prinz Aar! von Lothringen nicht rechtzeitig, da cr ein Vorgehen der Preu�en durch jenes schwierige Gel�nde nicht
erwartet hatte. So scheiterte wohl der von Schwerin gef�hrte erste Angriff des mit geschultertem Gewehr anst�rmenden
preu�ischen linken Fl�gels an den: Gegensto� noch rechtzeitig n�rdlich Sterbohol eingetroffener feindlicher Kr�fte.
Zwischen diesen jedoch und dem rechten Fl�gel der Front bei Rei klaffte eine gro�e t�cke in der �sterreichischen Auf-
stellung, und in diese k�cke stie� auf Vefchl des K�nigs die preu�ische Mitte hinein.^ Damit wurde nicht nur
die Aufstellung des feindlichen rechten Fl�gels unhaltbar, sondern auch die Truppen n�rdlich Sterbohol sahen sich
alsbald von Norden her umfa�t und mu�ten zur�ckgehen, das �sterreichische Heer wurde von Vsten nach Westen
aufgerollt. Der K�nig hatte einen noch gr��eren Erfolg, die g�nzliche Vernichtung des Gegners erstrebt, indem er
den F�rsten Moritz von Anhalt beauftragte, mit einem auf dem linken Ufer der Moldau belassenen Aorvs oberhalb
von Prag �ber die Moldau zu setzen und dem Feinde in den R�cken zu fallen. Doch war diefer Versuch an
praktischen Schwierigkeiten gescheitert.
Die Anlage der Schlacht bei Aolin am Juni 1,75? gleicht sehr derjenigen der Schlacht bei Prag. Hier
aber mi�lang die Ueberraschung. Feldmarschall Daun verl�ngerte seine Armee, die mit der Front nach Norden
1 Diese Verwandlung des fiiigelweisen Anmarsches in einen treffe�wcifen, wobei innerhalb jeder "Kolonne die Teten sowohl des
ersten wie des Zweiten Treffens nach rechts abbiegen unk cille diese kleinen Kolonnen sich dann wieder in zwei geschlossene Treffen zusammen-
f�gen mu�ten, ist als ein Probest�ck der Man�nrierkunst damals viel bewundert worden im!) galt den Zeitgenossen als eine besondere teiftung.
?s erscheint daher zweifelhaft, ob bei Mollwitz, wo die Armee gleichfalls ftiigelweise und nicht treffenweise anr�ckte (GeneralstabZwerk I,
Anlage 2�), die Vildung der Schlachtlinie wirklich schon ebenso wie bei leuchen durch Abbiegen s�mtlicher Teten beider (Treffen und
sp�teres Einschwenken erfolgt ist und nicht vielmehr, w� Verenhorst, zweifellos auf Grund von Berichten au? dem anhaltischen Kreise,
angibt (Betrachtungen �ber die Kriegskunst I, \$2), durch Diplomieren, d. h. durch Seiitt5�rtsfieraitS3iet(en und Nebenemcmdersctzen der
Abteilungen in der Marschrichtung. Der "Beweis, da� dies der preu�ischen Armee schon damals bekannt war, wurde in den Urkundlichen
Beitr�gen, Heft V, 5. 62� gef�hrt. Die Relationen �ber l�?oun>it� gebrauchen in der Tat den Ausdruck d�ployer oder deployieien, der
damals allerdings ganz allgemein f�r jede Herstellung der Tchlachtlinie vorkommt. � a InStteffUiir? Milit�rischer Zeitschrift 1909 (i?and I,
Heft 2 und 3) gibt der �sterreichische Oberstleutnant Ritter v. ?70011 eine wertvolle Darstellung dieser Schlacht auf Grund zahlreicher
neuerbiugs aufgefundener Cruppcnberichte. Die allm�hliche Verschiebung der �sterreichischen Truppen, namentlich derjenigen &es Reseroekorps,
nach den, rechten Fl�gel wird genau klargestellt, wichtig ist der Nachweis, da� die erste Aufstellung des �stemeichischen rechten Fl�gels
auf dem H�henr�cken eingenommen wurde, der �stlich Hrdlorzez beginnend nach Hloupetin streicht, und nicht, wie nach den bisher vor-
liegenden �sterreichischen Darstellungen anzunehmen war, auf dem Taborberge und seiner Verl�ngerung nach He] zu. Eine preu�ische
Vcst�tigung bildet die Skizze des Ingenieurs M�ller in seinem J785 herausgegebenen Tableau des Guerres de Fr�d�ric te Grand, einer
bisher wenig beachteten (Quelle. M�ller hat, wie fein k�rzlich inPrivatbesitz zum Vorschein gekommenes Tagebuch zeigt, als Kondukteur
im Ingenieurkorps pers�nlich im Gefolge des K�nigs fobofi^, Prag, Kolin, Ro�bach, leuthen, Zorndorf mitgemacht und meist sofort
nach den schlachten bas Gel�nde an Vrt und Stelle aufgenommen. Bei pr�g wurde er durch Steinschlag, den eine in die mit Kies
besch�ttele Kaiscrstta�e einschlagende �sterreichische Kanonenkugel aufspritzte, verletzt.
        
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