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Die Feldschlacht in den Kriegen Friedrichs des Großen

Full text: Die Feldschlacht in den Kriegen Friedrichs des Großen

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Der vorgetragenen Auffassung jener Au�enstellen widerspricht es nicht, wenn es in einer nach ent-
standenen Niederschrift des damaligen Aavit�ns v. Scheelen vom ersten Bataillon Garde, in der er eine Reihe von
infanterietaktischen Fragen beantwortet ', hei�t:
�wann ist bas en �chelon marfcfjiren aufgekommen? \75\ den \9, August in polsbam,
bei der Berliner Revue."
Scheelen hat diese Daten aus seinen gleichfalls erhaltenen, seit gef�hrten Tageb�chern entnommen, in
denen die erw�hnten Uebungen beschrieben sind. 2 Alle oben angef�hrten Vispositionen, Befehle usw. einschlie�lich des
bei Hohenfnedeberg beabsichtigten Staffelangriffs waren ja auf dein Papier geblieben und nie zur praktischen Aus'
f�hrung gelangt. Erst in der Friedenszeit, nach dem 2. Schleichen Kriege, hat der A�nig begonnen, den Angriff
in Echelons praktisch einzu�ben, bei Revuen und 2-Nan�vern znr Darstellung Zu bringen. Vom Standpunkte des Truppen-
offiziers gesprochen, wie es Scheelen war, ist also in der Tat die Einf�hrung erst erfolgt. Da� der A�nig
schon zehn Jahre fr�her im Ernstfalle ebenso verfahren wollte, konnte Scheelen, der erst Offizier wurde, nicht wissen.
.In der Geschichte der Taktik sind �hnliche Vorg�nge keine Seltenheit, hat sich nicht die ganze napoleonische
Tirailleur- und Rolonnentaktik im Kriege herausgebildet, lange ehe sie in die Reglements und auf die Exerzierpl�tze
gelangle? Ist nicht die gew�hnlichste Form, in der die Infanterie heutzutage vom feindlichen Feuer bestrichene
Fl�chen �berwindet, das sogenannte sprungweise vorgehen, auf den Schlachtfeldern des Deutsch-Franz�sischen Arieges
erheblich fr�her angewendet worden als auf dem Tempelhofer Felde?
2.
So gro� indessen die Vorteile einer Staffelung der angreifenden Linie waren, so hatte sie doch auch ihre
gro�en Bedenken. Gelang es dem Gegner, seinen angegriffenen Fl�ge! aus dem nicht angegriffenen Teil feiner
Front rechtzeitig zu unterst�tzen, so lief der Angreifer Gefahr, echelonweise geschlagen zu werden. Es war notwendig,
den Angriffsfl�gel so stark zu machen, da� er ausreichende Sto�kraft besa�, da� er mindestens nicht eine Teilniederlage
erlitt und �ber den Haufen geworfen wurde, ehe der Reservefi�gel ihm helfen konnte. Diese Gefahr war bei der da-
maligen, auf n�chste Entfernung schnell zur Entscheidung reifenden Aampfart nicht gering. Eine solche �Verst�rkung"
des Angriffsfl�gels aber konnte nicht in der Art erfolgen, da� die Schlachtordnung einfach in einen gr��eren und einen
kleineren �Fl�gel" zerlegt wurde, von denen der st�rkere zum Angriffe bestimmt gewesen w�re. Die beiden �Fl�gel",
in die nach der herk�mmlichen O^re 6? LawiHe die ganze Infanterie � wirbetrachten zun�chst die Hauptwaffe � geteilt
wurde, bildeten nicht selbst�ndige Kommandoeinheiten, es waren nicht zwei nebeneinander verwendete Infanterie-Divisionen,
von denen die eine in den Aamvf eingesetzt, die andere in Reserve gehalten worden w�re. Die Einteilung der
Armee in Fl�gel, Treffen und Brigaden schuf keine �Truppeneinteilung" im neueren Sinne, sie l�ste die einheitliche
F�hrung und die gefchlossene Verwendung des �^oi-ps 6e NawMe" nicht auf, sondern regelte lediglich den Platz und
den Aufsichtsbereich der vorhandenen h�heren Generale, denen Fl�gel und Treffen, und der Generalmajors, denen
je H�6 Bataillone als Brigaden zugewiesen wurden, ohne da� sie damit taktische Selbst�ndigkeit erhalten h�tten.
IVenn der A�nig befahl, da� �ein Fl�gel" augreifen sollte, so bedeutete dies nicht, da� der durch die O6re 6e LawMe
abgeteilte rechte oder linke Fl�gel vorgehe, der andere zusehe fanden, der Sinn des Ausdruckes war, da� die ganze
Armee, beginnend mit dem bezeichneten Fl�gel, angreifen w�rde, sei es nun, da� sie aus einer schr�g zur feindlichen
gew�hlten Aufmarschfront in einheitlicher gerader Linie auf die Stellung des Gegners losging, wobei dann der eine
Fl�gel fr�her als der andere auf den Feind stie�, oder da� sie in Echelons angriff, wobei sich dem letzten Echelon
des Angriffsfi�gels ohne weiteres das erste Echelon des ref�sierten Fl�gels anhing und so weiter alle �brigen. Nlacht
man sich diesen Sinn des Ausdrucks �mit einem Fl�gel angreifen" klar, so ergibt sich, da� innerhalb der gew�hnlichen,
1Rriegsarchio. Die Datierung ergibt sich aus der Erw�hnung des erst i?62 bef�rderten Generalmajors v.Msllendorff. �
3 Uriegsgeschichtliche Einzelschriften V, s. 5?o
�
572.
� 8 wie es sehr gegen die Absicht des K�nigs bei Zorndorf geschah. Generalstabs-
werk VIII, ;e6� ;67.
        
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