Path:
Friedrichsfeier vor hundert Jahren

Full text: Friedrichsfeier vor hundert Jahren

40
den st�rksten Ausdruck erhalten hat. Und �ber Adam ITC��er hinausgehend, sah Friedrich Schlegel �ont Stand-
punkt der katholischen Airchc, der et soeben sich angeschlossen hatte, in seinen �Vorlesungen �ber neue Geschichte",
die er 18(0, gleichzeitig mit M�llers Berliner Vortr�gen �ber Friedrich, in tDten vor einem hocharistokralischen
h�rerkreis hielt, in dem preujjenf�ntg den �Erbfeind" deutscher Nation: mit lltorife von wachsen, Heinrich IV. non
Frankreich und Gustav Adolf stellte er ihn als die verirrten den preisw�rdigen habsburgern AarlV,. Philipp IT.
und Ferdinand II. gegen�ber.
Noch fehlte dem Gro�en K�nig ein Geschichtschreiber, der in zusammenfassender, Zeugnis gegen Zeugnis
abw�gender Darstellung den �verwirrenden und verdunkelnden" Urteilen der Gelegenheitsredner den i?o6en entzogen
h�tte. Die Nachfahren sind vier Jahrzehnte hindurch, big preug durch seine treue Sammelt�tigkeit eine feste Grundlage
schuf, wesentlich auf die eigne Darstellung des K�nigs, die Histoire de mon temps, angewiesen geblieben, die eine
IDirfung auf weitere Kreise nicht beabsichtigt hatte un& nicht erzielen konnte. �Derweil war", so schildert Christian
Wilhelm von Dohni !den mi�lichen Zustand der Ueberlieferung, �bas Publikum begierig, recht vieles von dem Gro�en
K�nig 511 vernehmen, unbek�mmert, ob das ZRitgettilte mit Antik gesichtet und mit cdler �D?'roe vorgetragen sei.
Jeder, wer sich einigerma�en imstande f�hlte, das allgemeine verlangen zu
befriedigen, wurde gern geh�rt. So erschienen noch bei Friedricks 3cben, vor-
z�glich aber bald nach feinem Code, viele sogenannte ,Geschichten' und ,?eben'
des Gro�en K�nigs, Charakter Schilderungen', ,Nachrichten' von einseinen taten,
,Anekdotensammlungen' usw., uio6urdi dann die �T?eiuung entstand, da� die Ge
schichte eines Segenten, �ber dessen Taten und Charakter so vieles schon gesagt
worden, �ber den fast jeder so viel zu erz�hlen wu�te, wirklich schon geschrieben
sei", treffende Schilderung einer Popularit�t, die in die Breite ging, ohne auf
tieferer Kenntnis zu beruhen, dieser Popularit�t, die dem h�mischen Verenhorst^
zwei Jahre nach Friedrichs Tode zu seinem Aerger recht greifbar entgegengetreten
war, als ihm in einem leipziger Aaffeehause der Kellner �einen Arm voll
Zeitungen und fliegender Bl�tter 7' entgegentr�gt: �Staatsboten, !5andboten, dauern
freunde, Aindcrfreunde, Zittauer Journal, Zwickaucr iNonatsschrift usw., in
Quarto uno Vctavo mit Holzschnitten, die mehrsten Friedrich den Einzigen
k?tnfeiliges Heines Kclicf InBronjd mit
betii Vildnis Friedrichs bes (Ptoften
Qot^njoU�rn>inufeuni
darstellend, mit f>atronentaschenriemcn �ber der Schulter und Pallasch an der Seite, einem alten Aorporale �hnlich.
und Anekdoten von ihn� wie von R�bezahl." Das war die Popularit�t �auf f)feifenk�pfen und Cassen",
von der die bekannten, dem Altmeister Goethe in den Mund gelegten Verse sprechen.
Vermi�ter und pers�nlicher war die Verehrung so vieler, die in ihrer Jugend mit dem alten A�nig in Ber�hrung
gekommen, ihn noch von Angesicht zu Angesicht gesehen hatten, wie Anesebeck, der nachmalige Feldmarschall, der
den Con der Stimme nie vergessen wollte, mit welcher der A�nig auf dem Revuefelde bei Magdeburg den blutjungen
Fahnenjunker nach dem Lrgehen des bei Aolin zum Ariipvel geschossenen Vaters gefragt und ihm Gr��e an diesen
Vater aufgetragen hatte/ N)ie Friedrich von Eisenhart, Vl�chers Adjutant, dessen gro�e Aindhcitscriimerung war,
wie der A�nig den vorwitzigen Anaben vom Cemvelhofer Felde fortgewiescn hatte, damit die Husaren ihn nicht �ber den
Haufen ritten; der junge Fritz aber war, statt sich zu entfernen, immer dicht neben des alten Fritzen Pferde daher
gelaufen und war dadurch der Gefahr am besten entkommen/' wie General von der Marwitz, der als Anabe den
alten Herrn dreimal aus n�chster N�he and�chtig betrachtet hat, auf der Rast w�hrend einer Rcvuereise, auf der Umfahrt
durch die Stra�en Verlins zur Aarnevalszeit und beim hcimritt vom Cempelhofer Felde an der Spitze seiner Generale;
'
Denkw�rdigkeiten, 5, 2 (is(9). � * Nachla�, 2, 158. � 3 Die fr�her allgemein f�r (Bociffe in Anspruch genommenen und
in die �lteren Aufgabe�! feinet Werfe �bergegangenen Derfe (�zu haben bin ich wie der alte ,sritz auf pfeifeiiF�pfcti und Cassen") sind
von Friedrich F�rster dem Gocthrschen Tone gl�cklich abgelauscht. � * Bruchst�cke ans den ijiiiteilaffcTien Papieren &es Frldnmrschalls
von den� Kncfcbetf, 5, I'i. - fl ricitFiimr�i^feitcti des Generals Friedrich von Eisenhart, herausgegeben oon 
    
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.