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Friedrichsfeier vor hundert Jahren

Full text: Friedrichsfeier vor hundert Jahren

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bedeutend zu verst�rken, da� es mil derselben dem franz�sischen Heere eine Schlacht anbieten k�nnte, es mu� also aus
Notwendigkeit bei einem ausbrechenden Kriege die Maxime aller gro�en Feldherren in �hnlichen tagen (Friedrich bei
Buuzelwitz) befolgen und seine bewaffnete Mannschaft in verschanzte ?ager und Festungen verteilen." Auch f�r
Ru�land empfahl man bekanntlich damals von preu�ischer Seite am Vorabend des Krieges gegen Napoleon eine
konsequente Zauderstrategie, diese �Regeln einer richtigen Ariegskunst", diese Maximen, �welche man noch jederzeit mit
Gl�ck gegen �berlegene Feldherren, gegen �berlegene Armeen aus�ben sah".'
Vor allen anderen aber ist in dieser Reihe von M�nnern Bl�cher zu nennen. Bl�cher hatte zu pers�nlicher
Dankbarkeit gegen den K�nig, unter welchem er als junger Offizier aus dem preu�ischen Heere entfernt war, keinen
Anla�-, Und doch, mit welcher Ueberzeugung hat er das Andenken �dieses gr��ten K�nigs, der jemals gelebt,"
gepflegt. Sein Adjudant Friedrich von Eisenhart bezeugt uns, da� Vl�cher den Geburtstag des i)el^euf�nigs jedesmal
feierlich begangen hat. So hat der General, der ein Jahr sp�ter den alten preu�ischen N)affcnruhm auf das gl�nzendste
erneuern sollte, auch an dem hundertsten Geburtstage sein Gewohnheitsrecht als Festredner sich nicht nehmen lassen.
Vie damalige Zeit legte einer Gelegenheitsrede und vollends einem Crinkfpruche nicht die Bedeutung bei, da� man
ihn w�rtlich der CDcff Feit mitgeteilt h�tte. So bleiben wir leider f�r Vl�chers doppelte Bcistcuer (denn um eine
solche handelt es sich) zur Friedrichsfeier vor hundert Jahren auf den kurzen, farblosen Bericht in der.Oommerschen
Zeitung^ angewiesen: �Am 2\. Januar I.8I.2 wurde in Stargar6 eine Feier zum Andenken an Friedrichs II.Geburts-
tag von Mitgliedern der Regierung veranstaltet. Durchdrungen von dein Feierlichen des Tages lie� der General der
Kavallerie Herr von Vl�cher seine Gedanken und Gef�hle laut werden, und mit einem R�ckblick auf die Vergangenheit
befeuerte er zur Pflichterf�llung f�r die Gegenwart mit der ihm eigent�mlichen Beredsamkeit." Die Zeitung f�gt
hinzu, da� Vl�chcr auch bei der Tafel den Trinkspruch ausgebracht hat.
Noch von einer anderen bedeutsamen Feier des 2^.Januar 1.3�. 2 ist ein Bericht auf uns gekommen. Ihre
St�tte war die Deutsche Tischgesellschaft in Berlin, die ein Jahr zuvor, am 8. Januar 5ZN, dem Geburtstage des
K�nigreichs Preu�en, ins Leben getreten war, zusammengesetzt aus den vornehmen Rrciscn Berlins, dem Geburts-
adel, dem Milit�r und der b�rgerlichen Aristokratie der Gelehrten, A�nstler, Schriftsteller und Beamten.^ MitAchim
von Arnim als Stifter und Gefetzgeber ein Areis von anf�nglich H6, sp�ter mehr Teilnehmern, unter ihnen Heinrich
von Aleist, Clemens Brentano, Adam M�ller, Clausewitz, die Zierden der neuen Universit�t Fichte und Saoigny, der
kunstsinnige F�rst Anton Radziwill, der Aomponist Zelter, der Staatsrat St�gemann, der junge keopold von Gerlach,
als Gast gelegentlich auch Gneisenau. �Zur S�cularfeier des 2H. Januars", zu der sich die Tischgesellschaft mi
Jahr vereinigte, brachte St�gemann ein Gedicht auf Friedrich mit und trug es der Tafelrunde vor, �tapfere
Verse mit einer geringen legierunZ von Mythologie", wie Achim von Arnim sagte.*
Dann wurde in der bewegten Stimmung dieses patriotischen Kreises vorgeschlagen, �die herrliche Gde Ramlers
f�r des Gro�en Friedrich bescheidene Siegeshcimkehr aus dem Siebenj�hrigen Ariege vorzulesen". Friedrich von Fauque,
der Dichter der Undine, der Enkel jenes Vayardritters Fouaue, dessen Freundschaft den F�rsten von der Rhemsberger
Fr�hzeit bis an den Lebensabend degleitet hatte, Fouque der junge konnte der Aufforderung der Freunde nicht nach-
kommen, eine starke Heiserkeit band ihm die Stimme, �gl�cklicherweise," wie er selbst dezengt, �denn nun las Fichte, und
zwar so herrlich donnernd, da� wohl nur der homerische Zeus im Stand gewesen war, ihm den preis streitig zu
machen. Eine tiefe Begeisterung, stark und ernst wie die Zeit, ergriff durchdringend die Genossen des Mahls".^
Hatte also auch der Ideologe, dem ein preu�ischer Patriotismus jeder Berechtigung zu entbehren schien, den
Ver�chter des �Spartamsmus" , des dumpfen und unbeholfenen Patriotismus, der nichts anerkennen und hochbringen
wolle, als den engbegrenzten Staat, in den wir hineingeboren� � hatte also auch Fichte noch endlich ein Verh�ltnis
' Meinecke, i, 226, 235, 236. �
'Angefiihrt bei Vlasendorff, G. t. v, Vl�cher (tg von Glfers, ein Lebensbild" (?9(o), S. ?57.
� 5 Foilqu�, ?cbeusgefd?icljte (^8^l�). 5.29a. �
B Vgl. M. lenz, Geschichte der K.Friedlich. IVi!helm5�Unioersit�t 511 Berlin, \, u&-
        
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