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Friedrich der Große - Stein - Bismarck

Full text: Friedrich der Große - Stein - Bismarck

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den popul�ren wind aus den segeln; sie bot auch den Einmischungsgel�sten Napoleons gegen�ber einen guten
R�ckhalt, durch die Drohung mit einer deutschen Volkserhebung; sie hielt die partikularistischen Gel�ste der F�rsten in
Schach. Der gro�e Diplomat wu�te auch diese Macht der �ffentlichen Meinung, die er so oft bek�mpft hatte, im
geeigneten Moment in den Dienst feiner Politik zu stellen. Und dann hat er das allgemeine Wahlrecht nicht f�r allzu
gef�hrlich gehalten; er rechnete mit dem Einflu� der besitzenden Klassen, namentlich der der Gutsbesitzer des Ostens
und mit dem konservativen k�nigstreuen 5mn der Landbev�lkerung, die er kannte, zuletzt auch mit der Macht
der nationalen Idee.
In der ausw�rtigen Politik hat Bismarck mit vollem Bewu�tsein an die Traditionen Friedrichs des Gro�en
angekn�pft; aber auch seine Finanz-, wirtschafte und Sozialpolitik atmet � was ihm selbst nicht so klar zum
Bewu�tsein gekommen ist
� fridenzianischen Geist. Ver �bereinstimmende Grundzug dabei ist der, da� alle wirt-
schaftlichen und sozialen Probleme von dein beherrfchenden Standpunkt der Staatsr�son, der Machtpolitik aus angesehen
und behandelt wurden. Es ist derselbe einheitliche politische Zug in dem Ganzen der Staatsverwaltung wie bei
Friedrich dem Gro�en. Das tritt allerdings in voller Alarheit erst seit dem gro�en Umschwung von hervor,
wo er sich dem Einflu� von Delbr�ck und Camphausen entzog und seine eigenen Wege ging. Das finanzielle Bed�rfnis
des Reiches hat bezeichnenderweise den ersten Ansto� zu der Umwandlung der Zolltarife gegeben; damit verband sich
dann der Gedanke des Schutzes der nationalen Arbeit. Vismarck hat dieselbe Vorliebe wie Friedrich der Gro�e f�r
den Ausbau der indirekten Steuern und Z�lle; das Motiv ist hier wie dort, da� sie die Staatsgewalt unabh�ngiger
machen und ihr die politischen Aouzessionen ersparen, die mit der Einf�hrung und Bewilligung neuer direkter Steuern
verbunden zu sein pflegen. Auf derselben Linie liegt auch die Vorliebe f�r die gro�en Staatsbetriebe und Monopole:
ich erinnere nur an die Verstaatlichung der Eisenbahnen und an den Plan des Cabakmonopols. Line gewisse
Beg�nstigung der konservativen Grundbesitzermtercssen wird man nicht leugnen d�rfen; die politische Bedeutung dieser
Alasse in den sp�teren Jahren Bismarcks erinnert noch sehr an die Zeit Friedrichs des Gro�en. Aber wie Friedrich
so verbindet auch Bismarck das agrarische Interesse mit dem industriellen: auf der Vereinbarung beider beruht die
neue Schutzzollpolitik, das moderne Gegenst�ck des alten friderizianifchen Merkantilismus. Und wie Friedrich der Gro�e
so hat auch Vismarck in: Wirtschaftsleben haupts�chlich den Fortschritt im ganzen, die Steigerung der Produktion, die
auch eine Steigerung der Staatskr�fte bedeutet, im Auge; der Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit, des Schutzes der
Schwachen, hat daneben mehr sekund�re Bedeutung; die Ma�regeln, die zu diesem Zwecke ergriffen werden, sollen die
Aonkurrcnzf�higkeit der Industrie auf dem Weltmarkt nicht beeintr�chtigen; und sie sollen wom�glich die Arbeitermasscn
zugleich in ein engeres Verh�ltnis zum Staate bringen, ihr Interesse mit dein Staatsinteresse verkn�pfen: daher die
gr��ere Neigung f�r die versicherungsgesetzgcblmg als f�r den weiteren Ausbau der Arbeilerschutzgesetze. Es ist
�berall die Staatsr�son, die dominiert und die dem Visrnarckschen System wie dem Friedrichs des Gro�en einen
Anflug von Staatssozialismus gibt.
Alle diese Tendenzen und Regierungsma�rcgeln namentlich der sp�teren Vismarckschen Zeit haben die politischen
Ideale Steins, den Geist der Freiwilligkeit, des genossenschaftlichen Gemeinsinns, der freien Selbstregierung mit dem
Endziel von Wohlfahrt und Sittlichkeit, weit in den Hintergrund gedr�ngt. Der herrschaftliche autoritative Geist des
milit�rischen Machtstaats dominierte. Man wird es bedauern d�rfen, da� es in Preu�en und Deutschland niemals
zur Entwicklung einer gro�en, starken, politisch leistungsf�higen liberalen Partei gekommen ist. Aber die historisch-
politische Notwendigkeit, unter deren Zwang diese ganze Entwickelung sich vollzogen hat, l��t sich doch nicht verkennen.
Die Stellung Preu�ens und Deutschlands mitten zwischen den gro�en Milit�rm�chten des Kontinents hat eine andere
t�sung der nationalen Frage und der politischen und sozialen Probleme unm�glich gemacht. Der treffliche englische
Historiker Seeley, auch als Biograph Steins bei uns bekannt, hat in einer seiner Vorlesungen �ber Politik den Grund-
satz aufgestellt, da� das Ma� von Freiheit in den Institutionen eines Staats in dem landl�ufigen politischen
Sinne genommen) notwendig umgekehrt proportional sei dem milit�risch-politischen Druck, der vom Ausland her auf
seine Grenzen ausge�bt wird. In diesem Satze liegt die gro�e Wahrheit, die es erkl�rt, warum die Ideale Steins
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