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Friedrich der Große - Stein - Bismarck

Full text: Friedrich der Große - Stein - Bismarck

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die Arndt, Daljlmmm, Dtoyfen, Sefeler, waitz � waren noch stark �ont Geilte Steins beeinflu�t. Stein war ja
nichts weniger als ein moderner liberaler; er war alkin Doktrinarismus abhold, er war ein liberaler Aristokrat von
�lterem Schlage, etwas wie ein englischer Whig; er hatte nur zu wenig seinesgleichen damals, als da� diese politische
Richtung wie in England ma�gebend f�r die Entwicklung der modernen liberalen Partei h�tte werden k�nnen. 311
dem deutschen Liberalismus �berwogen von Anfang an doktrin�re und demokratische Elemente, die ihn in radikale
Sahnen dr�ngten; aber darum bleibt es doch wahr, da� die ma�volleren Politiker von nationaler und liberaler Richtung
allezeit gerade in Stein ihren geistigen Ahnherrn verehrt haben, und mit Recht.
Und nun komme ich 311 23ismatcf. Es l�ge ja nahe, zu sagen, da� in ihm und seinem Lebenswerk die beiden
gro�en Gegens�tze, die in Friedrich dem Gro�en und Stein hervortreten, auf einer h�heren Stufe der Entwicklung
miteinander vers�hnt, 311 einer lebensf�higen Einheit verschmolzen worden feien. Und ganz unrichtig ist eine solche
Auffassung nicht. Es gibt eine merkw�rdige Aeu�crung von 23tsmarcf, die dazu zu berechtigen scheint. ?r hat es
einmal in Stuttgart 511 einer Deputation w�rttembergischer Schulm�nner ausgesprochen, da� seine politischen lieber-
zeugungen und Vestrebungcn einen doppelten Ursprung h�tten: von der Schule habe er die nationalen und
liberalen, freilich zugleich auch die freigeistigen, revolution�ren Ideen mitgebracht, wie fie damals, anfangs der
drei�iger Jahre, sich mit den nationalen und liberalen Vestrebungen gew�hnlich verbanden: als er die G�llinger
Universit�t bezog, stand er ja anfangs im Vegriff, sich der Burschenschaft anzuschlie�en. Das war nun freilich nicht
eigentlich Pinscher Geist, aber ein St�ck davon, eine Ableitung davon mit allerlei fremden Zutaten, die aus franz�sischer
Quelle stammten. Als den anderen Faktor seines politischen Charakters hat 33ismatcf den Geist bezeichnet, der im
preu�ischen Gffizicrkorps und unter dem Landadel der �stlichen Provinzen herrschte: das war der echte (Seift des
Friderizianismus. Es kann nun aber fein Zweifel sein, da� dieser preu�ische und friderizianische Geist in ihm das
eigentlich Dominierende und Richtunggebende war. Die deutsch-liberale Ader in ihm schlug nicht so kr�ftig; sie hat
ihn nur bef�higt, die gro�e Volksbewegung zu verstehen und 511 bemeistern, sie zu dem Ziele zu lenken, das seinem
preu�ischen Sinne entsprach. � Vismarck ist ja eine ganz aub?re Pers�nlichkeit als Friedrich der Gro�e; aber seine
Politik war friberi5iaTiifci? im Kern von Alifang an, und vielfach im Gegensatz zu Steinten Ideen, auch wo er zu
deren Verwirklichung beigetragen hat. Sein ganzes Werk beruht ja auf jener Milit�rreform von ;860, die das stehende
Heer verdoppelte, die alte tandwehr Scharnhorsts und Voyens innerlich verwandelte und in den Hintergrund schob,
und so den altpreu�ischen Militarismus, freilich jetzt mit der allgemeinen Wehrpflicht, von neuem zu kr�ftigen: keben
erweckte. Vie gro�e Tat seiner ersten Jahre war bann, da� er die Autorit�t der Krone im Verfassungsstaate restauriert
und die Gefahr eines parlamentarischen Regiments abgewandt hat. Und was die Form der Regier un anbetrifft,
so hat er mit aller Entschiedenheit das Prinzip der pers�nlichen Selbstregierung des K�nigs proklamiert, das Stein
prinzipiell einschr�nken wollte; er hat fier; selbst als den treuen Diener seines "K�nigs bezeichnet, nicht als Staatsdiener
oder parlamentarischen Minister. Erst als feine Stellung bereits ins Ivanken gekommen war, hat er auf die konstitu-
tionellen Notwendigkeiten zur�ckgegriffen, um seinen Einflu� zu wahren: denn das war freilich auch seine Meinung,
da� der selbstregicrende Monarch in den gro�en entscheidenden Fragen sich vertrauensvoll von ihm f�hren lassen sollte,
wie er bas unter Kaifer Wilhelm I. durchzusetzen vermocht hat, das geh�rt ja zu den interessantesten St�cken fetner
�Gedanken und Erinnerungen". Als bann der Verfassungskonflikt beendet und bas monarchisch-konstitutionelle Regiment,
wie es der historischen Stellung der preu�ischen Krone entsprach, gesichert war, da hat Bismarck freilich auch
den Ausbau des Perfaffungsftaates in Preu�en im Sinne Steins ins Werk gesetzt; aber es war doch mehr ein
Geschehenlassen als eine Sch�pfung seines eigenen Genius: bei der Kretsotbnung ist der Minister Fritz Eulenburg,
nicht Vismarck, der eigentliche Domina negotii gewesen, und die sarkastischen Worte, mit denen Btsmarcf in seinen
Erinnerungen dieses Werk feines Rivalen begleitet hat, zeugen von der tiefinnerlichen Abneigung, die er im Grunde
seines Herzens dieser liberalen Reform gegen�ber empfand, wenn er sie auch als eine politische Notwendigkeit gelten lie�.
Die landgemeindeordnung von {$${,der Schlu�stein dieses ganzen Werkes, das die Steinten Ideen wieder aufnahm
und ausf�hrte, hat er bekanntlich geradezu gemi�billigt; er h�tte sie als Minister schwerlich passieren lassen, fie war
        
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