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Friedrich der Große - Stein - Bismarck

Full text: Friedrich der Große - Stein - Bismarck

2ein gro�er historischer Zusammenhang. Unser heutiges politisches ?eben beruht ja auf einer Synthese von Grunds�tzen
und Kr�ften, die teils beut friderizianischen, teile dein Steinschen Syste,n entsprungen sind: die gro�e, sch�pferische
Synthese selbst war das Werk Vismarcks. ?s faim nun aber kein Zweifel sein, namentlich soweit es sich um den
preu�ischen Staat handelt, da� in dem Mischungsverh�ltnis dieser Synthese bas frideriziauische Element doch im
gro�en und ganzen das Steinsche �berwiegt. (Db das ein Gl�ck oder ein Ungl�ck ist - - das ist eine Frage, die jeder
nach seiner Siuuesrichtung und feinem Parteistandpuukt so oder anders beantworten wird. Vie Anh�nger bec
friderizianischen Traditionen sind ja die Begr�nder der alten konservatwen Partei gewesen (Me nicht nur eine partei
der agrarischen Interessen, sondern vor allem eine Partei altpreu�ischer Staatsgesinuung war); die Anh�nger der
Reformen Steins und Hardenbergs k�nnen als die Ahnherren der altliberalen partei betrachtet werden, die freilich dann
bald mehr und mehr radikal geworben ist, weil sie niemals zu vollem Einflu� auf die Regierung gelangt ist, sondern
fast immer in der Opposition blieb. Das ist nun nat�rlich nicht so zu verstehen, als k�nnte mau Friedrich den Gro�en
und 23ismarcf selbst kurzweg als konservativ, den Freiherr,, vom Stein als liberal abstempeln: diese Parteigegens�tze
haben sich ja erst in einen: fortgeschrittenen, entwickelteren Stadium der Staats uud Gesellschafwverh�ltnisse gebildet.
in die nicht nur Friedrich der Gro�e, sondern auch Stein nicht
mehr hineinreicht; und auch auf Bismarcks Staatskunst pa�t ja
bekanntlich keine der beiden Parteischablonen. Es sind nur gewisse
Ideen, Tendenzen, Grunds�tze, Regieruugsmethoden, die den gro�en
Staatsm�nnern mit einer oder der anderen von den politischen
Parteien gemeinsam sind; und die ersch�pfen sich keineswegs
in der inneren Politik, sondern sie umfassen vor allein auch die
gro�en Fragen der europ�ischen Machtstellung und der nationalen
Staatsbildung: Staatsr�son und politische Moral, preu�ischer
Partikularismus und deutsche Nationalpolitik, gro�deutsche oder
kleindeutsche Richtung, pers�nliche Regierung des Monarchen
oder Ministerregierung in gr��eren: oder geringerem Umfange,
st�ndische Gefellschaftsgliederuug oder allgemeines Staatsb�rger-
tum; Merkantilismus oder Ad. Smith, Schutz der nationalen
Friedlich der �ro�c. ttlinioturMI^nls im BohcnjuIlEvn^Hiifi-imi
Arbeit oder Freihandel; Staatssozialismus oder freies Spiel der wirtschaftlich sozialen Ar�'fte alle diese Schlagwort?
und Parteiprogramme und noch manche andere dazu spielen in mannigfachen Rombiuationen in diese Zusammenh�nge
und Gegens�tze hinein: kurz, die Veziehungeu zwischen den drei Punkten dieses politischen Dreiecks: Friedrich der Gro�e
� Stein � Vismarck - - sind zu verwickelt, als da� sie sich in einer kurzen Formel ausdr�cken lie�en, uud eben
darum bedarf es meine ich einer etwas ausf�hrlicheren Er�rterung, um sie in ihrer historisch apolitischen
Realit�t zu erfassen und zu verstehen, wir m�ssen dazu die verschiedenen Pers�nlichkeiten uud ihre Regierungssysteme
einzeln f�r sich betrachten. Ich beginne mit Friedrich dein Gro�en.
Sein politisches Lebenswerk kann man in deu Satz zusammenfassen: er hat Preu�en zum Range einer Gro�-
macht erhoben: � eine Zauz erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, da� der Staat bei seinem Regierungsantritt
etwa nur 2^4 Million Einwohner z�hlte, w�hrend eben damals Frankreich etwa 20 Millionen hatte, Gcstcrreich mit
seinen Nebenl�udern mindestens Millionen, England ohne Schottland und Irland etwa Millionen! Er fand
freilich die Mittel zur Macht bereits vor: ein schlagfertiges Heer von 3s)0sX) Mann, geordnete Finanzen mit
einem j�hrlichen Nebcrschu� von ein paar Millionen Talern und ciuen gef�llten Staatsschatz. Das war das Iverk
Friedrich Wilhelms I.gewesen. Aber diese Machtmittel anzuwenden halte Friedrich Wilhelm I. nicht verstanden. Er
war weder Diplomat noch Feldherr und hatte auch nicht den entschlossenen willen zur Macht, der seinen Nachfolger
beseelte. Friedrich hat nun bekanntlich die damalige Schw�che Vestcrreichs und die g�nstige europ�ische Konjunktur
benutzt, uni dem Hause habsburg Schlesien zu entrei�en, das allein damals fast 2 Millionen Einwohner z�hlte; damit
        
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