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Friedrich der Große - Stein - Bismarck

Full text: Friedrich der Große - Stein - Bismarck

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meist foin Herz f�r Can� und Tente h�tten. Den friderizianischen (Grundsatz, prinzipiell keine in der Provinz ein
heimischen verwaltungsbeaniten zu verwenden, sondern fie zwischen den Provinzen auszuwechseln, verwarf er ganz und
gar; Patnotismus, wie er ihn verstand, wurzelte ja gerade im l>'imatgef�hl; un& nur ein Beamter, der ?aii6 und
teute genau kannte, schien ihm an rechter Stelle. Ueberall bevorzugte Stein da- KolleZialprinzip, w�lzend Friedri�i
der Gro�e eine Vorliebe f�r �ie Verwendung von Einzelbeamten unter Umgehung der Kollegien, wie z. 23. die,
Kammerpr�sidenten, hatte. Unterhalb der Regierungen sollte nach Steins Idee alle bureau kratische Verwaltung ganz
aufh�ren; hier sollte die Sph�re der lokalen Selbstverwaltung beginnen. Ver scharfe altpreu�ische sollte
ebenfalls verschwinden. Das l)eer sollte durch die allgemeine Wehrpflicht dag Volt in Waffen werden; und wenn audi
ein stehendes l)eer unentbehrlich blieb, so sollte doch in der Landwehr eine Institution geschaffen werden, die diesen
Gedanken des volksheere^ voll und ganz verwirklichte: darin war Stein mit Scharnhorst und Boyen ganz eines Sinnes;
und wahrscheinlich ist er auch &en Ideen von Arndt nicht entgegen gewesen, der in der ersten Auflage seines Katechismus
f�r den deutschen wehrmann von den rheinb�ndischen Soldaten zur Pflicht machte, im Gegensatz zu ihrem
Kriegsherrn und fixieren, den Kampf f�r Napoleon zu verweigern und sich der nationalen Sache erliefen.
Die nationale Sache, die Sache der Freiheit, der Kampf des Guten gegen das 3Me stand
diesen Patrioten �ber dem milit�rischen Gehorsam.
Es war im Ginklang mit diesen politischen Anschauungen, da� Stein auf wirt
schaftlichem Gebiete ein Gegner des A^erkantilsystems war, das unter Friedrich dein Gro�en
geherrscht hatte. Er ist zwar kein unbedingter Anh�nger Adam Smiths gewesen, sondern
ein Praktiker, der vielfach seine eigenen Wege ging; aber im gro�en und ganzen steht er
auf der Seite der Handels und Gewerbefreiheit gegen�ber dem Prohibitivsystem, das die
Kontinentalsperre ins Ungeheuerliche gesteigert hatte, und gegen�ber der staatlichen Vevor
mundung der Gewerbe. Er verwarf die k�nstliche Trennung von Sladt und Tand und die
damit zusammenh�ngende Akzise; sein Ideal war schon die englische Einkommensteuer.
Seine Steuer und Wirtschaftsreform ging liberale Vahnen, wenn er auch die schrankenlose
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im iHil'nijtillrrn� 171Ufeum
Gewerbefreiheit und die v�llige Alobilisierung des Grundbesitzes, wie sie unter Hardenberg eintr�te?:, namentlich auch
die Aufopferung der kleinen Vaucrn, nicht gebilligt hat. Vie Instruktion f�r die Regierungen, die der Geheimrat
Friese noch unter seinem 211inisterium ausarbeitete, atmete ganz den Geist von Adam Smith und war der gerade
Gegensatz zu der merkantilislischen Instruktion Friedrichs des Gro�en f�r das Gencraldirektorinm. Der
war ja auch eine Ausgeburt jener Staatsr�son, die Stein auf allen Gebieten bek�mpfte. Ihm war der Staat nicht
in erster Tinie Ulacht, sondern ein Glitte! zur Wohlfahrt und Sittlichkeit. Er wollte ihn ganz mit sittlich religi�sem
Geiste durchdringen.
Es ist in Steins Ideen und in seinen� Regierungssystem etwas, das r�ckw�rts weist, in eine ferne ver
gangenheit, in eine Zeit, die vor der Epoche der modernen Staatsr�son liegt � aber zugleich etwas, das �ber die
Zeit hinausragt, etwas unbedingt wertvolles, Urw�chsiges und Allgemeing�ltiges, ein Ideal staatlicher Gemeinschaft
von nat�rlicher, selbstverst�ndlicher Art, das in die Zukunft weist. Darin besteht der unverg�ngliche wert, die m�chtige
Anregung seiner kurzen Wirksamkeit. Zwei gro�e Gedanken vor allem sind es, die er dein preu�ischen Staatsleben
eingepflanzt hat: die Idee eines deutschen Staates und die Idee eines auf b�rgerlichem Gemeinsnm beruhenden Ver^
fassungsstaates mit lokaler Selbstverwaltung. Diese beiden Ideen sind ja in Preu�en damals noch nicht verwirklicht
und sp�ter durch die Reaktion gehemmt worden, bis sie in der Revolution von wieder hervortraten, freilich in
einer anderen, radikaleren Gestalt, als es Stein im Sinne lag. Ich glaube nicht, da� man Stein �litRecht an die
franz�sische Revolution ankn�pfen kann; aber die bewegenden Ideen der deutschen Revolution von und gerade
die h�chsten und edelsten, d�rfen auf Stein als eine ihrer Quellen zur�ckgef�hrt werden. Allerdings ist der Liberalismus
im ganzen und namentlich in feinen radikaleren Richtungen mehr aus anderen Quellen gespeist worden und h�ngt
zweifellos mit den franz�sischen Revolutionsideen zusammen; aber die M�nner des rechten Zeittrums der Paulskirche,
        
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