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Friedrich der Große - Stein - Bismarck

Full text: Friedrich der Große - Stein - Bismarck

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Rede von der preu�ischen F�hrung in Deutschland und noch weniger von einem Ausschlu� Gesterreichs. �kr hat wohl
eine Zeitlang den Gedanken erwogen, Nord-' und S�ddeutschland als zwei besondere H�lften miteinander zu verbinden,
bas eine unter Preu�ens, das andere unter �sterreichs F�hrung. Aber er kam schlie�lich doch immer wieder auf
eine Reform der alten Reichsverfassung zur�ck. �Vas ganze Deutschland soll es sein!" das war auch sein Wunsch und
Wille; und dieses gro�e alte deutsche Reich konnte er sich nicht anders denken als unter der F�hrung des althistorischen
kaiserlichen Hauses von Vesterrcich. (Ein Zug von Romantik ist in seinen politischen Alanen und Entw�rfen unver-
kennbar; aber daneben ein offener Sinn f�r das Gro�e, Einfache, Volksm��ige, das Geist und Gem�t ohne weiteres
anspricht. Man m�chte sagen: hier ist ein Politiker, an dem die Jahrhunderte der modernen Staatsr�son nach dem
Rezept Machiavellis spurlos vor�bergegangen sind, der dieser raffinierten Staatskunst und dein k�nstlichen Staat, den
fie geschaffen hatte, die gro�e einfache nat�rliche Staatskunst gegen�berstellt, und den nat�rlichen Staat, nicht im
rationalistischen, sondern im althistorischen Sinne, den Staat, der auf dem Grunde des Volkstums ruht und mit seinen
wurzeln tief bis in die Geschichte des Mittelalters hinabreicht.
Damit hing nun auch zusammen, da� Steins Ideen von Verfassungs- und Regierungsformen und wirtschaft-
licher Verwaltung denen der friderizianischen Epoche geradezu entgegengesetzt waren. Er verabscheute die Institutionen,
die zugleich mit der modernen Staatsr�son und Machtvolilik in die Welt gekommen waren: Absolutismus, Militarismus,
Vureaukratie. Er war f�r eiuen Verfassungsstaat, wie es England war, f�r ein Volk in Waffen, das wesentlich nur
f�r die Zwecke der Landesverteidigung in Betracht kam, f�r Selbstverwaltung in m�glichst ausgedehntem Matze. Sein
Ideal war das, was er wohl �die alte deutsche Verfassung" genannt hat. Er verstand darunter, offenbar beeinflu�t
durch Iuftus Moser, einen Zustand, wie er vor der Entwickclung des absolutistischen Milit�r- und Veamtenstaates
gewesen war oder wie er ohue diese Institutionen h�tte werden k�nnen; und in England sah er das Vorbild der
modernen Fortentwicklung einer solchen Verfassung. Er wollte den sozialen Unterschied der St�nde keineswegs beseitigt
wissen; er schw�rmte nicht wie Hardenberg f�r eine demokratische Nivellieruug der Gesellschaft, wie sie die franz�sische
Revolution herbeigef�hrt hatte. Ader er wollte die sozialen Unterschiede �berbauen durch einen allgemein-staatsb�rger-
lichen verband, der nicht anf herrschaftlichem Geiste und Zwang von oben, sondern aus genossenschaftlichem Geiste
und auf freier selbst�ndiger Hingabe der B�rger an das Gemeinwesen beruhen sollte. Er wollte einen freien, kr�ftigen
Vauernstand, ein bl�hendes selbstbewu�tes B�rgertum, einen vornehmen patriotisch gesinnten Adel. Das altpreu�ische
oslelbische Junkertum ist ihm, dem westdeutschen Grundherrn, immer fremd und unsympathisch gewesen. Der gesch�ftliche
Geist, der in diesem selbstwirtschaftenden Gro�gutsbesitzerstande lebte, stie� ihn ab, zumal er ihn immer mit der Aus-
beutung der Arbeitskraft von erbuntert�nigen Vauern zusammenbrachte. Sein Ideal des kandedelmannes war ein
unabh�ngiger Grundherr, der lebte und leben lie�, der, ohne das landwirtschaftliche Gewerbe selbst im gro�en zu
betreiben, patriarchalisch unter seinen freien Vauern und P�chtern sa� und seine Arbeit im Ehrenamt den �ffentlichen
Angelegenheiten widmete. F�r die Vorfassung des ostelbischen Rittergutes mit ihrer abgeschlossenen Herrschaftssph�re,
mit ihrer vatrimonialm Gerichts- und polizcigewalt �ber die Vauern hatte er nichts als Abneigung, und auch f�r den
eigent�mlich-preu�ischen Zug von Royalismus in diesem Grund- und Gffiziersadel besa� er kein rechtes Verst�ndnis.
Ein Mann wie der General von Marwitz, ein rechter Typus dieses m�rkischen Adels, war ihn: in tiefster Seele
zuwider. Die Befreiung der Vauern ist ja die erste gro�e staatsm�nnische Tat gewesen, an der er als Minister Anteil
gehabt hat; dem B�rgertum hat er in der St�dteordnung eine gro�z�gig angelegte Verfassung gegeben, die vielleicht
nur zu ideal gedacht war, um der Praxis ganz zu gen�gen; wichtige Vorrechte des Adels, wie der ausschlie�liche Vesitz
der Ritterg�ter und das ausschlie�liche Anrecht auf die Gfsiziersstellen, sind unter seinem Ministerium beseitigt worden;
er dachte an eine umfassende Reform des Adels, auch an die Aufhebung der patrimonialen obrigkeitlichen Gewalten
und an die Beseitigung der adligen Steuerprivilegien. Alle drei St�nde sollten gleichm��ig zur Beteiligung am �ffent-
lichen (eben herangezogen werden, erst in der lokalen Selbstverwaltung, dann in den f)rovmzialst�nden, endlich ineiner
aus diesen st�ndischen Grundlagen entwickelten repr�sentativen Staatsverfassung. Die Vureaukratie wollte Stein m�glichst
eingeschr�nkt wissen; er schalt oft auf die besoldeten Beamten, die er Mietlinge nannte, und warf ihnen vor, da� sie
        
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