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Friedrich der Große - Stein - Bismarck

Full text: Friedrich der Große - Stein - Bismarck

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Stellung, die Stein dann als Premierminister eingenommen hat, entsprach im allgemeinen seinen Forderungen
und ist epochemachend in der preu�ischen Geschichte geworden, in, Gegensatz zu der alten Form der friderizianischen
Selbstregierung; materiell hat er damals in den meisten gro�en Fragen der Reform sein Ziel erreicht, indem er den
A�nig mit sich fortri�; aber in der h�chsten, wichtigsten Frage ist ihm das doch nicht gelungen, n�mlich in der Frage
der Erhebung gegen Napoleon: Stein plante f�r den Befreiungskrieg mit einer allgemeinen Volkserhebung in
Norddeutschland; der A�nig aber wollte Frieden halten, bis auch Ru�land zum Losschlagen bereit sein w�rde. Dieser
gro�e politische Gegensatz ist die eigentliche Ursache zu der zweiten Entlassung Steins geworden (November
Es war ein Gegensatz, der �ber die Zuf�lligkeiten des Moments weit hinausgriff und eine prinzipielle
Vedeutung hatte. Der A�nig sorgte in erster kinie um die Erhaltung seiner Dynastie und seines Staates; Stein dachte
in erster tinie nicht an Preu�en, sondern an Deutschland. Er war ja kein geborener Preu�e, sondern der Spro�
eines alten reichsunmittelbaren Geschlechts; und auch als preu�ischer Minister hat er niemals etwas von dem spezifischen
preu�entum angenommen, wie es in der Person Friedrichs des Gro�en sich darstellte. Es ist h�chst charakteristisch,
wie er selbst einmal seinen Entschlu�, in den preu�ischen Staatsdienst zu treten, motiviert hat. Er sah m Friedrich
dem Gro�en 1??8 den Retter Bayerns und den Erhalter der alten Reichsverfassung gegen�ber den willk�rlichen
Uebergriffen des Kaisers Josef II.: das hat ihn in den Dienst dieses Monarchen gef�hrt. Er sah in dem protestantischen
Preu�en den fortgeschrittensten Staat des deutschen Reiches und glaubte im Dienste dieses Staates zugleich dem deutschen
Vaterlande zu dienen, dem allein er mit ganzer Seele ergeben war. Von preu�ischem Partikularism�s war nichts in
ihm. In jener politischen Arists von wollte er die Ar�fte Preu�ens in den Dienst der deutschen Sache stellen.
Er wollte in Deutschland einen Volkskrieg entz�nden, wie er in Spanien ausgebrochen war. Da� dabei die Existenz
des preu�ischen Staates und der Hohenzollernschen Dynastie aufs Spiel gesetzt wurde, k�mmerte ihn nicht; ihm schien
kein Vpfer zu hoch, wenn es die Befreiung des deutschen Vaterlandes galt. Es ist der sch�rfste denkbare Gegensatz
gegen die rein preu�ische Politik Friedrichs des Gro�en; und dieser Gegensatz, wenn man ihn n�her ins Auge fa�t,
erweist sich noch weiter und tiefer, als auf den ersten Nlick. Stein war ein schlechter Diplomat; er wu�te das selbst.
Zu Verhandlungen mit einem schlauen Gegner war er gar nicht geeignet; von Daru hat er sich in den Berliner Ver-
handlungen �ber die Abk�rzung der franz�sischen Okkupation monatelang au der Nase herumf�hren lassen. Die
gro�artige Einfalt seines Wesens widerstrebte den kleinen K�nsten der Diplomatie. Er war auch kein Realpolitiker.
Die treibende Araft in seiner Natur war ein leidenschaftlich-gewaltiger Wille, der in der Tiefe des Gem�ts wurzelte
und mit allem, was ihm menschlich wertvoll war, mit den Ideen des Guten und Edlen, mit Vaterland, Religion,
Menschenw�rde zusammenhing. Seine gro�e politische Tat ist gewesen, da� er nach dem R�ckzug der franz�sischen
Armee aus Ru�land den Aaiscr Alexander dazu gebracht hat, da� er nicht an der Grenze stehen blieb, sondern
weiter vordringend die Vernichtung Napoleons und die Befreiung Europas im Bunde mit den anderen Monarchen
ins Auge fa�te und da� dieser Plan dann wirklich zur Ausf�hrung kam. Der Rampf gegen Napoleon und f�r die
Freiheit der V�lker war ihm schlechthin der Aampf des Guten gegen das B�se. In solcher gro�en geradlinigen
Staatskunst kam die Wucht seiner Pers�nlichkeit erst voll zur Geltung. Von dem partikularistischen Machtinstinkt und
der Staatsr�son Friedrichs des Gro�en war nichts in ihm. Er wollte ein gro�es freies starkes Deutschland, das sicher
in seinem eigenen Volkstum ruhte; das mit dem Furore t?6e5co jedem Unterdr�cker entgegenst�rmt, das aber nach
Erweiterung seiner Macht und seiner Grenzen kein Begehren tr�gt. Und dieses Nationalgef�hl ist, wie neuerdings
Fr. Meinecke nachgewiesen hat, noch eingebettet in eine universalistische Auffassung der europ�ischen Staaten gesellschaft �
Stein sagt mit Vorliebe: des europ�ischen Staatenbundes � eine Auffassung, in der die mittelalterliche Vorstellung von
der Einheit des christlichen Abendlandes noch nachklingt, mit kosmopolitischen Ideen des Jahrhunderts zusammen-
klingt, in die sich aber gar nichts von der eifers�chtigen Selbst�ndigkeit und dem egoistischen Machtwillen des modernen
Nationalstaates einmischt, wie er dann sp�ter in Bismarck so stark und lebendig hervortritt. Steins nationales Gef�hl
st�rte es noch nicht, da� England und Ru�land mitwirken sollten an der Begr�ndung der deutschen Verfassung, ja
da� sie die Garantie daf�r �bernehmen sollten. Nat�rlich war bei seinen deutschen Verfassungspl�nen auch gar, keine
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