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Friedrich der Große - Stein - Bismarck

Full text: Friedrich der Große - Stein - Bismarck

9Teil der Kontribution und stellt seine S�hne als Kantonisten f�r die Armee; aber es wird auch daf�r gesorgt, da�
der Adel seine Herrenrechte �ber die Bauern nicht mi�braucht, und vor allem, da� feine Bauernhufe vom Rittergut
aufgekauft oder sonst eingesogen werden darf; jede Verminderung des Bauernstandes gilt als ein schwerer Versto� gegen
die Staatsr�son; die innere Kolonisation ist im Gegenteil bem�ht, die Vauernstellen und Bauernd�rfer fort und fort
zu vermehren. Da� diese Verteilung von k�sten und Rechten eine ungleiche ist, versteht sich von selbst-. B�rger und
Bauern tragen schwerere k�sten als der Adel, und der Adel hat gr��ere Rechte und gr��eren Einflu� als beide
zusammen. Er ist der eigentlich politische Stand, Aber er hat Einflu� auf die Staatsleitung doch nur soweit er die
h�heren Offiziere und Beamten liefert, also nur in dein Ma�e als er der monarchischen Staatsidee und dem preu�ischen
Machtmteresse dient; das ist der gro�e Unterschied gegen�ber der alten st�ndischen Zeit. Den Adel, namentlich der
�stlichen Provinzen, hat Friedrich der Gro�e durch die Verschmelzung mit dem Gffizierkorps zur Pflanzschule der
preu�ischen und monarchischen Staatsgesinnung gemacht, wahrend fr�her vielfach ein widerspenstiges Krautjunkertum
in diesen Kreisen geherrscht hatte; damals ist der enge Bund zwischen Krone und Adel geschlossen worden, der noch
der Staats^ und Standesgesinnung Bismarcks das eigenartige Gepr�ge gibt. Aber diese Stellung des Adels beruht
ganz und gar auf dem Fundament des neuen milit�rischen Absolutismus; sie hat mit dem alten Kondominat der
Ritterschaft nichts mehr zu tun; sie macht sich nicht in Tandtagsverhandlungen, fondern im monarchischen Staats- und
F�rstendienst geltend. Nur als Inhaber der vatrimonialm Gerichte und Polizeigewalt auf feinen G�tern und in der
kreisst�ndischen Verwaltung, die aber in dem k�niglichen ?andrat gipfelt, hat der Adel sich einen Rest der alten feudalen
Selbst�ndigkeit erhalten; sonst wird der Staat Friedrichs des Gro�en unter Ausschlu� st�ndischer Elemente regiert durch
ein halb milit�risch diszipliniertes Beamtentum, das aus adligen und b�rgerlichen Elementen in etwa gleicher Mischung
zusammengesetzt ist und durchaus als Werkzeug des Absolutismus erscheint. Die Bureaukratie hat sich auch hier, wie
�berall auf dem Kontinent, mit Absolutismus und Militarismus verbunden; aber sic wird noch in engen Schranken
gehalten durch die pers�nliche Selbstregierung und Kontrolle des K�nigs. Ihre h�chsten Spitzen, die Minister der
verschiedenen Zentralbeh�rden, sind noch keine selbst�ndigen Ressortchefs, sondern wirklichnur Handlanger des Monarchen;
die ausw�rtige Politik, das Kriegswesen, die Finanzen, die Handels- und Wirtschaftspolitik leitet der K�nig ganz
pers�nlich �on seinem Kabinett aus, und von den Munstern verlangt er nur, da� sie ihn:Informationen geben und
da� sie seine Befehle ausf�hren und die Ausf�hrung kontrollieren. ?s ist nicht eigentlich ein bureaukratisches, fondern
ein monarchisch-autokratisches Regierungssystem. Diese pers�nliche Regierungsweise hat Friedrich der Gro�e auch seinen
Nachfolgern als Pflicht und Slaatsnotwendigkeit empfohlen; aber in ihren schw�cheren H�nden ist dies System zu einem
Zerrbild dessen entartet, mas es unter Friedrich gewesen war. Die Kabinettssekret�re, die unter ihm nur Schreiber
gewesen waren, wurden jetzt als Kabinettsr�te zu wirklichen Ratgebern des K�nigs; fie standen zwischen ihm und den
Ministern, sie verhinderten die pers�nliche, unmittelbare Ber�hrung zwischen den, K�nig und den Ministern, sie f�hrten
eigentlich in seinem Namen die Regierung. Es ist jene entartete Form der Kabiudtsregierung, die in Pers�nlichkeiten
wie Lombard und Beyme sur Erscheinung kam.
Hier ist der Punkt, wo Stein den Hebel angesetzt hat, uni das alte Regie rungssystcm aus den Angeln zu heben.
Die Beseitigung der Kabinettsregierung, der pers�nliche Vortrag beim K�nig ohne den offenen oder versteckten Einflu�
eines Kabinettsrats � das war f�r ihn und die Vorbedingung f�r eine Wirksamkeit als Minister. Lin
kollegialisches Staatsministerium auf gesetzlicher Vasis, mit �ffentlich anerkannter Stellung und Verantwortlichkeit, das
war das Ziel, dem er zustrebte. Im Hintergrunde stand dabei schon der Plan einer konstitutionellen Verfassung.
Stein wollte kein blo�er Handlanger sein, wie die Minister Friedrichs des Gro�en, sondern ein leitender Staatsmann,
der seinen willen unter Umst�nden auch dem K�nig gegen�ber zur Geltung brachte; ihn, schwebte eine Ministerstellung
wie die des j�ngeren Pitt vor. Eine wirkliche Selbstregierung des Monarchen wie in den Tagen Friedrichs des Gro�en
war damit nat�rlich nicht zu vereinigen. Das f�hlte Friedrich-Wilhelm III. wohl: daher der z�he Widerstand, den
er anfangs den Forderungen Steins entgegensetzte. Es ist ja bekanntlich dar�ber zu einem heftigen Konflikt gekommen:
Stein wurde erst in Ungnaden entlassen; aber nachher mu�te der K�nig doch wieder auf ihn zur�ckkommen. Die
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