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Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

Full text: Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

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anstatt abzunehmen. Gerade hier h�tte auch eine feste Erzieherhand einzugreifen Gelegenheit gefunden, die Delbr�ck
eben nicht hatte. Dieses Sichgehenlassen und diese Ungeberdigkeit erf�llt� Me k�nigliche Mutter mit der gr��ten Sorge.
Im Vktober (807 urteilte fie �ber diese Seite im Wesen ihres �ltesten Sohnes: �Seine Manieren sind noch detestabel
und erfordern alle meine Strenge und Aufmerksamkeit; denn das Am�ere hat gar zu viel Zusammenhang mit dem
Innern. Wer lieber mit dem Ellenbogen st��t als mit der Hand sanft und h�flich schiebt, um etwas hinwegzur�umen
oder jemand aufmerksam zu machen usw., der hat etwas �hnliches in seinem Gem�t." Man glaubt in den Schrift-
z�gen des Prinzen seine sich steigernde Unruhe und Unb�ndigkeit wieder zu erkennen. Erst ist die Schrift stetig, der
Hand der Mutter �hnlich. Sp�ter nimmt fie zusehends einen wilderen, ungeregelteren Charakter an. Eigent�mlich waren
ihr die unn�tigen Schn�rkel. Schon im Jahre l80^1 r�gte der Schreiblehrer diese. Sie sollten sich bekanntlich nie verlieren.
Delbr�ck f�hlte sich von dein unruhigen Wesen des Prinzen be�ngstigt. Er nennt dessen Lebendigkeit �aus-
schweifend". Er fand ihn �unartig leidenschaftlich" und war betr�bt, da� Friedrich -wilhein: auf seine Bitten um
M��igung nicht achtete. Es ist ganz etwas ungew�hnliches, wenn er einmal berichten kann, da� �selbst der Aron-
prinz ruhig" gewesen w�re. Dann war es ihm aber wieder nicht recht, als die Aa'nigin ihn: eines Tages mit Ent-
schiedenheit erkl�rte, die Lebhaftigkeit des Prinzen ginge zu weit. Diese unruhige Art des Thronfolgers verdarb gerade
bei der Welt gro�enteils den guten Eindruck, den seine herzensgute und seine Innerlichkeit machen konnte. Unangenehm
auf fiel seine Lebhaftigkeit unter anderem besonders, wenn er im Kinderspiel verlor. Dann legte er gew�hnlich eine
krankhafte Gereiztheit an den Tag.
Mi�liebig wurde er Geschwistern und vettern durch seinen un�berwindlichen Neckmut. Auch diese Seite seines
Wesens nahm Delbr�ck vielfach zu r�gen Anla�, aber ebenfalls ohne rechten Erfolg. �Fritz kann das Necken j�ngerer
Rinder durchaus noch nicht lassen," schreibt er Besonders gern jagte er den Anverwandten und Gespielen einen
Schreck ein. Am 5^. M�rz notierte der Erzieher: �Der Aronprinz, seiner Cieblingsneckerei auch heute getreu,
jagte den beiden Prinzessinnen ein Schrecken ein, wor�ber sie zitterten. Ich machte ihm bittere Vorw�rfe, als wir
auf dem Zimmer waren. ,Ich sehe/ sagte er schluchzend, ,Sie haben in vielen St�cken Aecht, in andern nicht; aber
Sie sind doch mein guter Delbr�ck'. Dies r�hrte mich tief." So wu�te der Prinz durch sein einschmeichelndes Wesen
dem weichen Erzieher leicht die Waffe aus der Hand zu schlagen. Dabei erstaunt man, wie selbstbewu�t und bestimmt
er im selben Augenblick jenem entgegentrat, ohne da� dieser ihn deswegen zurechtwies. Ein besonderes Gaudium
gew�hrte es dem Thronerben gelegentlich, feine kleine Ausine Friederike wegen ihrer Angst vor der Elektrisiermaschine
aufzuziehen. Als aus den Versuchen mit der Maschine nichts wurde, ging er, wie Delbr�ck bemerkt, eines Haupt-
vergn�gens verlustig, da er sich so nicht am Schreck der M�dchen weiden konnte. Gewi� ist das eine Rinderet, die
immer wieder bei Anaben und M�dchen beobachtet werden kann; bei dem Prinzen ist sie aber doch
einigerma�en charakteristisch, zumal da er selbst kaum seine Furcht vor den elektrischen Schl�gen zu �berwinden ver-
mochte. Sie schmeckt etwas sehr nach Unart. Da vers�hnt es dann wieder, da� der Prinz nach solchen Neckereien
aufrichtige Reue empfand und beispielsweise einmal �bald mit verhaltenen, bald mit flie�enden Tr�nen" der kleinen
Ausine Friederike, der sp�teren Gemahlin des Herzogs teopold- Friedrich von Dessau, einen Entschuldigungsbrief schrieb,
in dem er seinen festen Vorsatz zum Ausdruck brachte, die Ausine nicht mehr zu necken, ja sie auch vor den Neckereien
anderer zu sch�tzen.
Auff�llig war an dem Prinzen ferner fchon fr�h seine Unschl�ssigkeit, das unselige Erbteil von seinem Vater
her, das auch w�hrend seiner Regierungszeit so verh�ngnisvoll auf ihm lastete. Von dem Zehnj�hrigen erz�hlt Velbr�ck
an: 27. Vktober �An den Prinzen Fritz erging die Bitte, das kied Nr. zu rezitieren; er sagte es gewi�
f�nf mal zu und ab, durch seltsame Wendungen und Ausfl�chte; und da wir am Ende uns darein ergaben, es nicht
zu h�ren, beweinte er seine Nnschl�ssigkeit mit reichlichen Tr�nen." Der Erzieher suchte diesem Tharakterfehler durch
Exemplisizierung auf historische Pers�nlichkeiten beizukommen. So hielt er ihm die Unentfchlossenheit des Zaren
Peter III. warnend vor. Aber mit wenig Erfolg. Hatte der Prinz fr�her nicht mit sich einig dar�ber werden
k�nnen, ob er auf einem Aarussell ein Ringstechen mitmachen sollte oder nicht, fo kam er sp�ter nicht zu einem
        
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