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Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

Full text: Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

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fa�te aber doch endlich Mut n�her zu treten." wenige Wochen darauf, am 5. September, hei�t es: �Des Prinzen
Schlauheit im Verbergen seines Mi�fallens an dem Abfeuern der Gewehre und Kanonen: Ich sehe au f die andere
Sotte, um dir 311 sagen, wenn die andern kommen." wieder am 3, September; �Gewehrschu� im Lustgarten. Des
pr�fen schlaue Replik auf meine Aufforderung, den Soldaten nahe zu gehen: ,wenn man zeichnen will,mu� man
im Zimmer bleiben/ Er suchte das Ger�usch zu �bert�uben." Dann aber, am 20. Gktober wohnt der
F�nfj�hrige �mit Mut" den Arobesch�ssen neuer Gewehrl�ufe bei, und am 3, Dezember bucht der Erzieher
wieder: �Fritzens anf�ngliche Scheu vor dem schie�en verlor sich." Auf derselben Einte steht es, wenn der junge Prinz
sich bei Gewitter �ngstigte. Hier�ber berichtet Velbr�ck am 27. August 5800: �Gewitterfurcht des Prinzen, die er sehr
schlau verbarg. Er begehrte anfangs, sich ins Vett zu legen; als ihm dies nicht gestattet wurde, sang und sprach er,
so oft der Donner wiederkehrte, �bert�nend laut. Er hatte aber soviel Ambition, schlechterdings nicht in Worten
seine Furcht einzugestehen." Um dieselbe Zeit fing er bitterlich 511 weinen an, wenn er in einem dunkeln Zimmer
allein war. Als er zum ersten Male Versuchen mit der Kleistschen Flasche beiwohnte (^5. Januar 18O\), geriet er
ganz au�er sich vor Angst vor den elektrischen Schl�gen und �berwand sich nur mit M�he. Noch als fast zehn-
j�hriger Knabe f�rchtete er sich vor dem Anblick einer Teiche. Noch auff�lliger ist es, da� er in seinem zw�lften Jahre
Zaghaftigkeit beim Karussell verriet und nicht den Mut hatte, ganz ins Vad zu gehen. Als Dreizehnj�hriger zeigte
er sich durch die Mitteilung, da� ein Komet der Erde durch Ber�hrung Untergang bereiten k�nnte, sichtlich beunruhigt.
Delbr�cf fahrt in feinem Bericht dar�ber fort: �Die Hitze des Zimmers wirkte zur Vermehrung der inneren Unruhe.
Zuf�llig wankte ein gro�er ?eucf;ter, der auf dem Tische vor ihm stand. Er erschrak auf das Heftigste, und das Ganze
versetzte ihn in einen fieberhaften Zustand."
Man sieht ganz klar, da� es mit dem Nervensystem dieses Anaben nicht zum Vestcn bestellt war. Zahlreiche
andere Erscheinungen erh�rten das. Gleich zu Anfang lernte Delbr�ck an dem Prinzen eine auff�llige Neigung zum
weinen kennen. �Um dem Prinzen seine Wcineschauer durch eine starke Gegenwirkung abzugew�hnen, lie� ich eine
Rute vor sein Vett legen", erz�hlt er am November Das in3trumenwm poen^e tat einen Augenblick die
erw�nschte Wirkung. Kurze Zeit darauf fing der Prinz aber wieder heftiger denn je zu weinen an. �Ich hatte alle
Fassung n�tig, um ihn nicht zu strafen", bemerkt der ratlose Erzieher. �Zuletzt f�hrte ich ihn aber doch zur Rute
und zeigte sie ihm unter ernstlicher Drohung. Hein Benehmen zeigte mir, da� er selbst h�chst unzufrieden mit sich war.
,AchI wenn ich doch', sagte er mit tiefem Gef�hl, ,wenn ich doch nicht mehr weinte!'" Anfangs konnte der Prinz
auch laute Milit�rmusik nicht vertragen. Delbr�ck schildert das lebhaft (29. November 5 800): �Nachmittags Ianitscharen-
musik im gro�en Konzertsaale. Der Prinz ging mit seiner gew�hnlichen Furcht und Aengstlichkeit hin, weinte fast
beim Eintritt in den Saal. Jedoch nahm er sich zusammen und h�rte bei verschiedenen St�cken ruhig zu. Die Musik
war aber in der Tal bet�ubend. Ich entfernte mich daher fr�her." Damit stie� er freilich beim Vater des Prinzen
an: �Der K�nig schien unzufrieden, da� Fritz sich von den Ianitscharen entfernt hatte." Manchmal war dem Erzieher
diese Weinerlichkeit unertr�glich, und es kam vor, da� ihn seine eigene Hitze �bermannte. So fuhr er den f�nf-
j�hrigen Knaben einmal wiederholt an: �was weinen Sie wieder, Mensch." In seinem Tagebuch erteilte er sich
nachtr�glich selbst eine R�ge deswegen. Trotzdem das Kind seine weinerlichkeit, ebenso wie seine Aengstlichkeit, selbst
wacker zu bek�mpfen suchte, was man zum Teil nicht ohne Mitempfinden verfolgt, hielt diese Nervenschw�che an.
Noch bei dem Zehnj�hrigen, ja bei dem Dreizehnj�hrigen klagte Delbr�ck dar�ber.
Eine krankhafte Erscheinung war auch das h�ufige Uebeldefinden des Prinzen, �ber das der Erzieher die
ganzen Jahre feiner Wirksamkeit bei ihm zu klagen hatte und zu dessen Vermeidung er und Hufeland alle m�glichen
Vorsichtsma�regeln anwandle. Gelegentlich �u�erte auch der wortkarge K�nig sein Mi�fallen und Unbehagen dar�ber.
Es ist nat�rlich, da� ein so nerv�ser Knabe wie Prinz Friedrich-Wilhelm auch weich war. Nur zu leicht
verriet er R�hrung. Da Delbr�ck selbst so weich angelegt war, so bereitete ihm diese R�hrseligkeit seines Z�glings
geradezu Freude, obwohl sicherlich etwas weniger von dieser Eigenschaft besser gewesen w�re. Manchmal weinten
der ger�hrte Erzieher und sein ger�hrter Z�gling uni die wette. Das mag dann ein eigenartiges Schauspiel gewesen
        
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