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Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

Full text: Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

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der, was er beschlo�, reiflief/ �berlegte. Bu teilest gleiches Schicksal mit deinen, Cousin [�em Prinzen Friedrichs der
sich auch jetzt Don Reimmann trennt und der, wie es sich schickt, [fia?] gehorsam in den willen des K�nigs fand.
Dein Schmerz ist gerecht, nat�rlich und macht dir Ehre. Es w�re mir sehr leid gewesen, wenn du unerkenntlich gegen
Delbr�cks Pflege geblieben w�rest."
Aber es war nicht so leicht, das Vand, bas sich zwischen diesem Erzieher und diesem Z�gling in fast zehn fahren
des engsten Zusammenlebens gekn�pft hatte, zu l�sen. Die Szenen, die sich in� Juli 1^08 abgespielt hatten, wieder-
holten sich jetzi in verst�rktem Ma�e. Krottprin3 Friedrich -Wilhelm war wie vom Donner ger�hrt durch die Ver-
abschiedung Delbr�cks und wurde wieder auf der Stelle krank. I.S- Herbart hat dieser Rrisis im ?eben des Kronprinzen
mit lebendigen Worten gedacht. �Mehrere Tage vergingen; er blieb krank. Ich wei� manches, was er gesagt, mas
er getan hat, es war der reinste und zugleich der st�rkste Ausdruck seiner Anh�nglichkeit an Delbr�ck, das St�rkste und
Nachdr�cklichste, was ihm m�glich war und was ihm ziemte. Nach acht Tagen kam die K�nigin, ihren kranken Sohn
zu besuchen. ?s mu� ihr unm�glich gewesen sein, das reine Gef�hl f�r Trotz zu halten." Man fand in dieser ?age
schlie�lich �inen Mittelweg; es wurde Velbr�ck aus besonderer Gunst gestattet, seine Z�glinge noch nach Verlin zur�ck-
zubegleiten und bis zum Mai \8\0 in ihrer N�he zu bleiben. Noch ein letzter Grund, die Trennung des langj�hrigen
Erziehers von dem Erben des Thrones zu vollziehen, war die Annahme Dierickes, da� Delbr�ck mit geheimen Gesell-
schaften in Verbindung st�nde. Sicher hat Delbr�ck zu dem dem K�nige mi�liebigen Tugendbunde nahe Beziehungen
gehabt: der Tugendb�ndler Vaersch geh�rte in K�nigsberg zu feinem n�chsten Umgang; auf jener Reife, die Delbr�ck
im Juni mit den Prinzen ins Samland unternahm, entwarf er nach Schusters Mitteilung einen phantastischen,
sich mit den Bestrebungen des Tugcndbunocs eng ber�hrenden plan zur Befreiung des Vaterlandes und zur wieder-
eroberung des Verlorenen; am 2% Juli hat ihm Vaersch die Ehrenmitgliedschaft in jener Vereinigung angetragen.
Neben den vielseitigen Aenntnissen, oie Ancillon unleugbar besa�, bestachen die A�nigin an ihm seine angenehmen
Manieren und sein vorteilhaftes Aeu�ercs, kurz sein weltm�nnisches Wesen, durch das er sich erheblich von Delbr�ck
unterschied. Achnliches hatte auch Stein im Auge, wenn er es f�r den neuen Erzieher als erforderlich bezeichnete,
da� er �mit hinreichender Welt- und Menschenkenntnis einen gro�en Reichtum von Ideen besitze und au�erdem eine
sichere Ansicht von der Geschichte der Nationen habe, ihrem Geist und ihrem Verfall". Im Juni wurde
Ancillon endlich berufen, nachdem er seit mehr als zwei Jahren der Kandidat Steins und der K�nigin gewesen war.
Es war ein selbstbewu�ter Anabe, der dem Prediger der franz�sischen Gemeinde zu Verlin �berantwortet wurde.
Als im Februar der Gberst Gneisenau eine Einladung des Kronprinzen ablehnte mit der Begr�ndung, da� er
bei dem Prinzen Heinrich, Vruder des A�nigs, eingeladen sei, versetzte der Thronfolger selbstbewu�t: �wir sind eben-
soviel als Er, und wir haben Sie fr�her gebeten. Sie m�ssen kommen." Als er dann unter Saudi eine festere Hand
versp�rte, hatte er bald eine h�chst unangenehme Auseinandersetzung mit diesem. Er fand, da� ihn der Milit�r-
gouverneur nicht mit geh�rigen! Anst�nde behandelte. �Und doch hat Gaudi mir neulich gesagt, ob ich gleich erst
vierzehn Jahre alt w�re, m�sse ich mich betragen, wie jemand von achtzehn Jahren, wenn das ist, so will ich auch
so behandelt sein."
Der glatte Ancillon war nun noch weniger wie Velbr�ck der Mann dazu, dieses Hochhinausstrebende Selbst-
bewu�tsein und die damit verbundene Eigenwilligkcit und geringe Selbstbeherrschung zu z�geln. Vielleicht sollte er das
aber auch gar nicht so sehr. Vielleicht war das doch vorzugsweise die Aufgabe der Milit�rs, die allerdings auch zu
sp�t berufen waren. In einer Veziehung erf�llte Ancillon, dieser Theologe, dem es beschieden sein sollte, lange Jahre
die preu�ische Politik zu leiten, allerdings die Erwartungen derjenigen, die ihn f�r sein Amt ausersahen: er gab dem
Geiste des Kronprinzen � was au�erhalb Delbr�cks Sph�re lag � eine bestimmte politische Richtung, und zwar
gelang ihm das bei der Empf�nglichkeit des phantasievollen Anaben nur zu leicht. Freilich war diese Richtung nicht
gl�cklich und gesund zu nennen. Sie hat es zwar bewirkt, da� �cr weg, indem preu�ifchen Thronfolger einen K�nstler
auszubilden, den Delbr�ck eingeschlagen hatte, verlassen wurde. Sie hat daf�r aber sp�ter die gesamte Politik Friedrich-
wilhelms IV. unheilvoll beeinflu�t, indem sie die Grundanschauungen vom St�ndewesen und die seltsame Vorliebe f�r
        
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