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Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

Full text: Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

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er gerade selbst erkannte, da� eine solche notwendig sei. Das Abspringende seiner Lehrmethode siel allgemein auf, so
dem Freiherr� vom Stein wie den� Regierungsrat Scheffner und dem sp�teren (Dbergouperneur des Aronprinzen
General �on Diericke. (Er halte auch wenig weltm�nnische Gewandtheit au sich und kam dadurch nicht in die Tage,
sich bei Hofe eine portion 511 verschaffen, 3a er bat sich nicht freigehalten von offenbarer Taktlosigkeit.
?in Haupteindruck, den man aus feinen Tageb�chern empf�ngt, bleib! doch bei aller Liebensw�rdigkeit seiner
Pers�nlichkeit eine gewisse Aomik in seinem Charakterbilde. Diese ewigen Eifers�chteleien mit den anderen Erziehern
und Erzieherinnen am Hofe, die st�ndige Furcht vor der (Ernennung eines ZTlilit�rgouperneurs f�r seine Dringen
und das gespannte Verh�ltnis, in bas er augenblicklich mit solchen Pers�nlichkeiten kommt, in denen er einen solchen
Zrctltt�tgoupetneur wittert, seine ungl�ckliche Holle bei den Ceezirkeln, die er allerdings wohl mit den meisten Schul
ineifterleius an H�fen geteilt haben wird, und feine Gereizt
heit in solchen Situationen, seine stete Kampfstimmung gegen
die gestrenge und w�rdige Gberhofmeisterin Gr�sin vo�,
ebenso gegen den Leibarzt Hufeland, den Vischof Soroiosfi
und sonstige Pers�nlichkeiten, die eine gl�cklichere Position
als er bei l)ofe einnahmen, feine nicht immer gl�cklichen
Picht und Hebeocrfudje, eine gewisse, wenn auch sittlich
einipanbsfreie, aber doch schnurrig anmutende Vertraulichkeit
mit den Hofdamen, die sich im Cagebuch durch den st�ndigen
Gebrauch der Vornamen dieser Damen kennzeichnet, bis
weilen auch einige Anwandlungen von "Kurmadierei der
einen ober der andern unter jenen gro�enteils recht h�bschen
Gr�sinnen gegen�ber, dann die sterbliche Verliebtheit des fast
vierzigj�hrigen in die achtzehnj�hrige Julie Sdjarnfyorft, die
ihm schlie�lich einen Korb gibt und dem Grafen Friedrich
Solana, dem sp�teren Feldmarschall, die Hand reicht, manche
sonstige Schnurrigkeiten und Absonderlichkeiten in seinem
IVefeu verursachen es doch, da� man des braven ITTanues
leicht mit einigem L�cheln gedenkt. ZVtan mu� sich eruftliaft
gegenw�rtig halten, welchen beharrlichen Eifer er doch
bet�tigt hat. um der ihm gestellten gro�en Aufgabe gerecht
511 werden, und vor allen Dingen sich daran erinnern, wie
tief er sich in das Herz feines l>auptz�glings einzugraben
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verstanden hat. Dann sagt man sich, da� die komischen Seiten weniger ins Gewicht fallen und da� in diesem
Ahilolagen etwas steckte, was ihn sowohl als Erzieher wie als hochachtenswert macht.
Da� Delbr�ck nicht an den Hof pa�te, hat er oft selbst deutlich genug empfunden. So notiert er am
November �Dr�ckendes Gef�hl, da� ich in dem Hofzirkel nie an meinem Platze bin." Aber auch da� er
seiner Aufgabe als Erzieher nicht ganz gewachsen war, begriff er dann und wann sehr wohl, wenn die ihm
anvertrauten Knaben ihrer kindlichen Lebhaftigkeit freien Tauf lie�en, dann r�umte der sanftm�tige 2.Nann gar zu gern
das Feld, weil ihm ihre wildheil unbehaglich war, anstatt das kiudliche Spiel zu leiten und zu gro�er Ausgelassenheit
zu steuern. Er hatte �berhaupt nicht die Gabe, mit seinen Anaben kindlich heiter zu sein, f�rchtete bei deren muuterem
Springen, der �Cosalerei", wie er es nannte. �Erhitzung" und erblickte darin in seilsamer Pedanterie und Steifheit
frevelhafte Versuchung der Vorsehung oder gar Verletzung der Schamhaftigkeit, so da� ihm oft und nul der
Vorwurf gemackt wurde, er st�re die Spiele der Prinzen ftl, .^7. 55l>). Noch schlimmer war es, da� er nicht die
Araft besa�, seinen Hauptzo'gling zum Gehorsam zu erziehen. Es war doch ein starkes St�ck, da� er sich noch am
        
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