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Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

Full text: Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

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(Eine andere Art, den ihm innewohnenden Trieb des Zeichnens zu bet�tigen, bestand f�r den Prinzen darin,
Spielkarten auszuzeichnen. Auch hier bewies er Erfindertalent. Delbr�ck verglich diese Fertigkeit mit der Kunst, aus
einzelnen Worten eine Erz�hlung zusammenzusetzen. Schon fr�her hatte Friedrich -Wilhelm gelegentlich auf einer
Spiegelglasscheibe gemalt. ?in andermal zeichnete er einen Vdysseuskopf, einen Alexander, das Vruftbild eines Helden
mit eingelegter ?an3e, einen Aalm�cken, f�r den sich ihm unter den russischen Truppen gen�gend Muster darboten usw.
Mehrere Male h�ren wir �on Planzeichnungen, so von der Zeichnung eines Grundrisses des K�nigsberger Schlosses
und eines Grundrisses von Ron,. Das geschah besonders unter der Teilung des im Jahre 560? bei den Prinzen als
Schreib- und Zeichenlehrer angenommenen Leutnants Vrese. Wiederholt hat Friedrich-Wilhelm in jenen 3 ren eine
Szene �Hamlet und der Geist seines Vaters" dargestellt. Da� ihn das Thema Hamlet schon in dieser Jugendzeit
anzog, ist bei Friedrich IV. eigener Hamletsnatur, die in den gro�en geschichtlichen Vorg�ngen so tragisch
in die Erscheinung trat, gewi� recht merkw�rdig.
Nur selten fand der Erzieher die kleinen Produktionen seines Z�glings mi�raten. So meint er im M�rz <80H,
da� der Kronprinz eine Zeichnung �Christus am Kreuz" nicht mit Gl�ck ausgef�hrt habe. Lin andermal war Delbr�ck
mit der Behandlung eines religi�sen Themas mehr zufrieden, den �Altargem�lden", �ber die wir nichts n�heres aus
den Tageb�chern erfahren. Auch der Vischof Vorowski fand Anla�, sich an Zeichnungen Zu freuen, die die Vibe!
betrafen. Einmal h�ren wir auch, da� der Kronprinz sich bildnerisch versucht hat: am 29. Juli sormte er aus
nassem Erdreich ein Medusenhaupt. Wiederholt meldet Delbr�ck noch von seiner Vesch�fligung mit dem Entwerfen
von Karikaturen, so am Oktober und am 2.). Juli Das zweite Mal fertigte er Karikaturen des
Hofpersonals an, was ihm viel Spa� gemacht zu haben scheint.
Man sieht, seine Phantasie und seine Interessen haben einen schier unersch�pflichen Spielraum. Oft diente
ihm, wie Delbr�ck hervorhebt, die Vesch�ftigung mit dem Zeichmstift dazu, um den Geist auszuruhen. Der Philosoph
Herbart war ganz begeistert von seinem k�nstlerischen Schaffen. Er schrieb dar�ber an: 27. Februar an einen
Freund: �Unglaublich ist sein Genie f�rs Zeichnen. Er wirft jeden Augenblick, wenn er frei ist und sich sitzend
besch�ftigen will, Zeichnungen aufs Papier; Entw�rfe zu gro�en historischen St�cken, welche beweisen, wie lebhaft
in seiner Phantasie die Vilder sind von Troja, Athen und Rom; von Personen und Sachen, die er auf Reisen gesehen
hat, von mythischen und allegorischen Gegenst�nden. Er malt selbst Himmel und H�lle; und sehr oft, an kirchlichen
Festtagen besonders, biblische Dinge. Ich habe von ihm die S�ndfiut erhascht, die in meiner Gegenwart in Zeit von
nicht vollends anderthalb Stunden angefangen und vollendet wurde. Darauf sind �ber neunzig lebende Figuren in
den mannigfaltigsten Stellungen; er zeichnete (versteht sich aus dem Kopf), w�hrend ich vorlas und mit ihm und
Delbr�ck lebhaft sprach" (Herbart an Tari v. Steiger bei Zillcr, Herbartische Reliquien S. 20^. Leipzig
Vielleicht vermi�t man, namentlich bei einem preu�ischen Prinzen, der noch dazu in einer waffenumtoblen
Zeit ohnegleichen lebte, das kriegerische und milit�rische Element unter den Gegenst�nden, die ihn besch�ftigten. Und
es ist richtig, da� dieses seine Einbildungskraft weniger in Anspruch nahm. Es lag ihm ganz augenscheinlich ferner;
und Delbr�ck war auch weniger der Mann, den Sinn f�r diese Seite in ihm zu beleben. Aber ganz hat er ihm
doch auch nicht gemangelt. Wir h�rten bereits, da� er am Februar eine Schlacht gezeichnet hat. Im
M�rz vernehmen wir von dem Entwurf von Schlachipl�ncn. Semem Vater zeichnet er, offenbar im Bewu�tsein,
da� dessen Neigung f�r milit�risches Detail dadurch erfreut werden w�rde, im August 5 80? das Feldlager bei Schwarzort.
Ini Vktober besch�ftigt er sich mit dem Zeichenlehrer an einer Art Kriegsspiel. Seine Verehrung f�r Friedrich
den Gro�en zeigt sich in einen: r�hrenden Zuge. Als einmal Schleiermacher (im September sein Zeichenbuch
durchbl�tterte, kam er an ein Vlatt, das der Kronprinz zuhielt. Sein Vruder Wilhelm bemerkte, er habe es nie
zeigen wollen. Als man es nun doch aufschlug, sah man einen gro�en Stern; in der Mitte stand �Friedrichs ehre"
und darunter �der August". Der Erzieher und der gro�e Theologe waren tief bewegt. Ungemein interessant ist
die Mitteilung, da� der �lteste Sohn der K�nigin kuise sich in den Jahren des Exils nnt Entw�rfen zu einer
Hermannsschlacht besch�ftigt hat. Vegonnm hat er die Zeichnung am 5. November am 2. setzte er sie fort.
        
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