Path:
Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

Full text: Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

214
der Fall Polt Danzig drohte un& ailes wieder verzweifelt war, sagte er mit eigent�mlicher Ruhe: �(Es wird sich wohl
halten und mir ist, a?s ob Napoleon in diesem Augenblicke tot w�re." Auch nach der Niederlage von Friedland im
Juni 5307, die das Schicksal Preu�ens endg�ltig besiegelte, erkl�rte er unersch�tterlich: �wir haben zweimal gesiegt
(bei Eilau und Heilsberg); jetzt sind wir geschlagen, wir werden wieder siegen. Es wird alles gut gehen." Sp�ter,
im Jahre 5809, hatte er einen lebhaften Traum, den er sich dahin auslegte, da� er alles wieder erobern w�rde.
Als w�hrend des �sterreichischen Befreiungskampfes am preu�ischen Hofe gro�e Furcht �or dem Einr�cken der Franzosen
in Wien herrschte, meinte Friedrich-Wilhelm zuversichtlichen Mutes: �Mama, w�hrend des Siebenj�hrigen Aricges
waren die Russen und Gesterreicher ja auch drei Mal in Berlin."
w�hrend des Ausenthaltes in Ostpreu�en erwachte in ihm namentlich sein landschaftlicher Sinn. Vielleicht
ist diese Gegend von wenigen K�nstlern so oft in, Bilde festgehalten worden als durch den vierten Friedrich-Wilhelm
von Preu�en. So zeichnete er am Januar eine Gegend an der Ostsee mit einem litauer als Staffage.
Zum M�rz Zeichnete er den Mcmcler Leuchtturm und auf hohem Meere Schiffe, im Vordergrund das Lotsenboot.
Der Leuchtturm wurde �berhaupt oft der Gegenstand seines zeichnerischen Schafjens, so wieder im Mai und abermals
im Vkwber. Sp�ter, in K�nigsberg, zeichnete er vom Fenster aus den vor ihm liegenden Ceil des Schlo�hofes.
Auch die Schlo�kirche nahm er vor. Bei einer Reise in die Provinz im Juni diente ihm das Wirtshaus von
Alein^Bajohrm und Umgebung sim Areise Gerdauen) als Vorwurf. Dann w�hlte er sich dazu S�ulenlr�mmer bei
Angerburg, das Schlo� bei Heilsberg, das M�llerhaus in Bestendorf im Mohrunger Areife, die gotische Airche von
Vrunau im Areise Rosenberg, das aus dem stammende Rilterschlo� von Sch�nberg im selben Areise.
Als er von Mer Reise zur�ckgekehrt war, wurde ihm eine Woche Zeit gegeben f�r einen Bericht und Zeichnungen
betreffend die Reise. Unverz�glich machte er sich an die Zeichnungen. So entstand unter anderem das Vuttermilchtor
von Marienburg und, ein Geburtstagsgeschenk f�r dm K�nig, die �Ansicht von Mewe nach der Natur". Das Grdens-
schlo� in Mewe mochte ihn besonders gereizt haben. Einst, zur Zeit der vielberufcnen Memeler Zusammenkunft im
Jahre 5802, hatte ihm seine Mutter aus A�nigsbcrg geschrieben: �Es gibt noch ru�er�. von alten Ritterschl�ssein hier
in Preu�en mit T�rmen; da sehe ich dich, lieber Fritz, gleich hubzen und springen in Gedanken, wenn du die sehen
k�nntest." Man erkennt, wie die hohe Frau in der Seele ihres Acltesten zu lesen verstand. Sie ahnte gleichsam den
Romantiker in ihm. was sie dem Sechsj�hrigen gew�nscht hatte, ging jetzt, freilich unter unendlich tr�ben Verh�lt-
nissen, in Erf�llung. Friedrich Wilhelms Zeichnungen der Ritterburgen Ostpreu�ens sind die ersten Proben seiner
romantischen Begeisterung f�r die mittelalterlichen Vauten.
Indes wurden taudschaften durchaus nicht das ihn vorwiegend anziehende Motiv. Zuweilen regte ihn der
Erzieher zu besonderen Arbeiten an. So gab er ihm den Gedanken ein, der Gr�fin Berta Truchse� von Waldburg,
einer Hofdame der A�nigin, zum Geburtstag eine Aarte allegorischen Inhalts zu zeichnen. Sofort hatte der Ormz
eine passende Idee: ein Wald mit einer Burg und vor dieser ein neugeborenes Aind, von Hexen mit einer Sch�ssel
(dem Abzeichen des Truchsessenamtes) beschenkt, und diese Idee wurde dann auch ausgef�hrt. Er gefiel sich auch
weiter als Illustrator von literarischen Sch�pfungen. So lieferte er Zeichnungen zum letzten Vuche des Telemaque.
Im Juli machte er sich an den Entwurf von Vignetten zum Eid. Eine geistreiche Allegorie auf das zerst�rte
Preu�en erwuchs im Oktober als der Zar Alexander, von der Zusammenkunft mit Napoleon in Erfurt zur�ck-
kehrend, wieder in A�nigsberg erwartet wurde. Delbr�ck beschreibt sie folgenderma�en: �Im Vordergr�nde ein
zerfallenes Geb�ude: in der luft schwebt ein Adler niit gierigen Blicken und Wahrzeichen des begangenen Raubes.
Ein Wanderer kniet an einem verdorrten Baume nieder, betend zu einem Areuz hinauf. Diese Szene ist von der
untergehenden Sonne erleuchtet. Im Hintergrunde bei aufgehender Sonne eine neue Stadt, Hafen mit Schiffen und
der Adler vom Pfeil eines Sch�tzen getroffen." Ein Vierteljahrhundert sp�ter, im September hat der Kronprinz
abermals, als er auf einen Zaren, diesmal in Swinem�nde auf Aaiser Nikolaus I. wartete, eine geistreiche Zeichnung
entworfen, die schon aus Berners preu�ischer Geschichte bekannt geworden ist (Berner, a. a. G., S. 5H5). Sie zeigt
eine italienische St�dtelandschaft in �u�erst feinen und leichten Ronluren.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.