Path:
Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

Full text: Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

213
weniger �ber sein Talent als �ber seine Anteilnahme an den Zeitbegebenheiten stolze R�hrung. Dann h�ren mir
von einer Zeichnung �Achilles, einen Berg hinaufschreitend, gefolgt von seiner Schar", �eine recht gute Szene", wie
Delbr�ck urteilt. So werden die Produktionen umfangreicher. Eines Tages stellte er ein Volksm�rchen in f�nfzehn
Vildchen dar, am 2.Februar 5 806 machte er sich sogar an die Zeichnung einer Schlacht, w�hrend ihm Deldr�ck
aus einem Geschichtswerke vorlas, verfertigte er eine kleine tandschaft, kr begann sich so in einer Fertigkeit zu �ben,
durch die er als K�nig oft in Staunen gesetzt hat: w�hrend ernster Vortr�ge, ohne den Faden zu verlieren, geistvolle
Zeichnungen zu entwerfen. Dann bekundete er wieder sein Calent zum Illustrieren, indem er zu einem franz�sischen
Buche, aus dem ihm Velbr�ck rorlas, kleine Skizzen lieferte, �deren zwanzig St�ck ein Ganzes bilden sollten". Im
August zeichnete er in Freienwalde einen Bauern aus dem Vderbruche nach dem Ged�chtnisse, weil ihm die
Tracht jener Vauern gefiel. Er schickte die Skizze, obwohl er nicht ganz mit ihr zufrieden war, seinem Vater. Sie
ist in der Ausgabe der Velbr�ckschen Tageb�cher abgebildet (Vand I, zwischen Seite H80 und H8^). Diese fr�heste
Probe des Zeichentalents Friedrich-Wilhelms, die den Weg in die Geffentlichkeit gefunden hat, macht freilich keinen
sonderlich bedeutenden Eindruck, obwohl das Bild das Charakteristische, n�mlich die Fracht, festh�lt; das Ganze war
ja indes zu sehr ein fl�chtiger Entwurf, um einer strengeren
Kritik ausgesetzt zu werden. In Freienwalde steuerte der
Prinz ferner liebensw�rdig f�r das Stammbuch der T�chter
des Iustizkommissars Soenderop, von denen ihm die eine,
Albertine, sp�ter die Mutter des kustspieldichters Roderich
Venedix, besonders gefallen zu haben scheint, wie Delbr�ck
schreibt, �eine artige Zeichnung" bei. Sie befindet sich noch
jetzt im Besitz eines Rachkommen des Iustizkommissars
Soenderop.
Nach der Katastrophe Preu�ens entfaltete sich der
Trieb des angeregten Anaben zu zeichnen besonders lebendig.
So erfahren wir,da� er, hierzu veranla�t durch die kehrstunden
�ber die Geschichte Assyriens, eine Sen�rarms zeichnete,
Ilaniensrintragung bei Ktonprinjcn in bas ??udf bon ?)au|�cln-
Crinnetungen an 3cfus Christus, zehn predigten. Serlin (S08
die mit fliegenden Haaren den Aufruhr stillt. Ebenso entwarf er damals Karikaturen, desgleichen einen Apollo und
den Kopf des Prinzen Heinrich, des in Rom verstorbenen Bruders K�nig Friedrich-Wilhelms III., diese beiden
St�cke als Geschenk f�r die kluge Hofdame der K�nigin, Henriette von Viereck. Delbr�ck urteilt dar�ber: �beides nicht
�bel". Dann belebte er wieder den Teezirkel durch sein Talent, indem er den Damen Muster zum Sticken verfertigte
und ihnen �hnliche Aufmerksamkeiten erwies. An� Veihnachtstage des Jahres wagte er sich wieder an eine
gro�e Komposition, die �Schlacht von Arbela", die ein gewisses Aufsehen machte. Gleich darauf war er damit
besch�ftigt, den Durchgang der Israeliten durchs Rote Meer darzustellen. Auch auf der Flucht nach 2Nemel verging
ihm nicht die Lust zu zeichnen. So notiert Velbr�ck, da� sein �ltester Z�gling am 5.Januar in dem Wirrwarr
der Ankunft in jenem letzten Asvl des K�nigshauses sich ruhig dieser seiner kieblingsneigung �berlie�. F�rwahr, ein
seltsamer Kontrast. Einmal beschreibt sein Erzieher sein Wesen mit den Worten: �Er glich der Ruhe in der Natur
und dem Sturme zugleich." Hier war es anders. Seine Seele wurde innerlich nicht allzusehr ber�hrt von dem
Zusammenbruche des preu�ischen Staates. In ihm lebte eine eigent�mliche Zuversicht. Zwar hatte er das Schicksal
seines Vaterlandes bitterlich beweint, als Hardenberg ihn nach dem Falle Stettins dar�ber aufkl�rte, und als man sich
an jenem Tage zum Mittagsmahl niedersetzte, war er wohl beeindruckt durch die herrschende Stille, die Delbr�ct den
Tag mit einem zweiten Sterbelage der Monarchie vergleichen lie�. Aber er wehrte sich gegen den Gedanken der
Unrettbarkeit, �was suchte er nicht alles auf!" schreibt Delbr�ck. Als die kranke K�nigin von K�nigsberg nach
2Nemel fliehen mu�te, um sich vor den Franzosen zu retten, und alle alles verloren gaben, blieb er dabei: �GH, es
ist gewi� nicht so schlimm. Es kommt gewi� etwas Unerwartetes dazwischen, ich bin ganz ruhig." Als im 2Nai
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.