Path:
Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

Full text: Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

206
geschichtlichen Werke, aus denen der Prinz feine Belehrung �ber Friedrich sch�pfte, nicht gerade besonders gl�cklich gew�hlt.
So diente dazu unter anderem die bekannte, aus antifriderizianischem Geiste geflossene Schrift Retzows �ber den Sieben*
j�hrigen Arieg; und doch kannte Delbr�ck bas Archenholzsche Werk. Auch sonst bewieg der Erzieher in auff�lliger
weise Ungeschick und Hilflosigkeit bei der Wahl der geschichtlichen Lehrb�cher. Das Sprunghafte, von jeweiligen Um-
st�nden und Begebenheiten Diktierte in Dclbr�cks Unterrichtsmethode, tritt �berhaupt beim Geschichtsunterricht besonders
in die Erscheinung. Friedrich-Wilhelms Heroenverehrung scheint sich im Ganzen mehr auf die Monarchen beschr�nkt
zu haben. Republikaner mochte er schon fr�h weniger leiden, spa�haft ist, was Delbr�ck am 5. Vktober �ber
feine Bem�hungen erz�hlt, den Prinzen f�r Washington zu erw�rmen: �Der Aronprinz taub abermals gegen meine
Washington betreffenden Vorschl�ge. Der Mann liege ihm zu nahe, auch kenne er die Verfassung der Provinzen zu
wenig, um �ber dieselbe, tute es doch sein m��te, sprechen zu k�nnen. Ich m�chte ihn verschonen. F�r mich war
Washington die Offenbarung.
F�r den (Frben eines m�chtigen Reiches verstand es sich von selbst, da� er sich fr�h mit fremden Sprachen
vertraut machte, zun�chst nat�rlich mit dem Franz�sischen. Hier hat Delbr�ck aber stets einen stillen Widerstand geleistet.
Es war der begreifliche Wunsch der A�nigin, da� ihr Erstgeborener diese Umgangssprache der vornehmen Welt m�glichst
schnell lernte und ausgiebig �bte. Dem Erzieher ging es aber in seinem Patriotismus ganz wioer den Strich, da�
sein Z�gling die welsche Sprache der deutschen gewisserma�en vorziehen sollte. Er war in dieser Beziehung nicht
Welt- und Hofmann genug, um zu begreifen, wie n�tig die vollkommene Sicherheit indiesem Fache f�r seinen Z�gling
war, und hat sich anscheinend mehr an seine S�umigkeit in diesem Punkte erinnern lassen, als es f�r seine Stellung
f�rderlich war. Anders verhielt es sich mit der englischen Sprache. Am 25. Mai �u�erte der Kronprinz zu
seinen: Mentor, er h�tte gro�e tust, das Englische und �berhaupt viel Sprachen zu lernen. In der Tat lernte er
denn auch alsbald insgeheim vor den Eltern das Englische, nachdem ihn: Delbr�ck mit gro�er M�he in Memel
einen englischen Sprachlehrer verschafft hatte, und kaum ein halbes Jahr darauf konnte er seine Mutter mit einem
englischen Briefe �berraschen, wie der Vater, so bezeugte auch die Mutter gro�e Freude dar�ber. Die A�nigin schrieb
ihm in r�hrend unbeholfenem Stil einen begl�ckten Brief: �Ich kann dir nicht genug beschreiben, lieber Fritz,
wie sehr gestern Abend dein Brief mich angenehm �berraschte. Ich hoffe n�chst dem soll wahrer Vorteil dir auch
noch durch der Erlernung dieser eurovischen Sprache werden. Wenn du dir viele Schriften der Englischen Genies
in ihre Ursprache wirst lesen k�nnen, so wird f�r deine Seele und Hertz manches sch�ne Resultat dir werden." Solche
m�tterlichen Anregungen pflegten befruchtend auf das empf�ngliche Gem�t des Prinzen zu wirken. Gerade der Hinweis
auf die gro�en Geister Englands wird dazu beigetragen haben, die bekannten Sympathien Friedrich-Wilhelms IV.
f�r die britische Nation zu wecken.
Eine der st�rksten Bet�tigungen des Prinzen betraf die Literatur. Hier lag ja auch das eigenste Gebiet
Delbr�cks. Er hat mit unerm�dlichem Eifer den Sinn seines Z�glings f�r sch�ne Dichtungen wachgerufen und
unleugbar in dieser Beziehung gro�e Verdienste. Durch ihn wurde Friedrich-Wilhelm schon sehr fr�h und fehr innig
mit den verschiedensten Sch�pfungen Schillers vertraut, ebenso mit solchen Goethes. Bemerkenswert dabei ist immer
der Feuereifer des Prinzen: �Der Aronprinz fiel mit Leidenschaft auf (Guillaume 1>I!<" �Der Kronprinz nachher
gleich herfallend mit Hei�hunger �ber wallenstein." Es ist nicht ganz klar, ob die �tektion" des �Faust", d. h. also
des damals eben erschienenen Fragments der Dichtung, die Delbr�ck im Juli vornahm, schon ein kesen mit
seinem Z�gling bedeutet oder ob er damit eigene kekt�re bezeichnen will. Bekannt ist die Begeisterung des prinzlichen
Anaben f�r Gssian. wie oft hat er Vssians Anrede an die Morgensonne vorgetragen! Mit Begier griff er zu
Schuberts Uebersetzung des schottischen Dichters. Aaum vierzehnj�hrig, sprach er �ber den lVert Gssians �mitEinsicht
und Ortskenntnis zu unscrm stillen Erstaunen". Gro�e Begeisterung l�ste auch der Cid in ihm aus. Als Delbr�ck
ihm im Dezember M�llers Einleitung zu dieser Dichtung vorlas, wurde er durch die �seelenvolle Aufmerksamkeit"
des Prinzen ger�hrt. Mit inniger Freude merkte er darauf, als er Herders Cid mit ihm zu lesen anfing, wie der
Prinz den Inhalt verstand und f�hlte. �Das merkte man an den: Ton der Stimme." Sp�ter las der Z�gling dem
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.