Path:
Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

Full text: Der älteste Sohn der Königin Luise und sein erster Erzieher

205
auch auf, mit welcher Aongenialitat der Aronprinz einzelnen bedeutenden Mannern gegen�bertritt. �Man ist gleich
ganz bekannt mit ihm," urteilt der noch nicht Zehnj�hrige imAugust �ber den ihm sp�ter so befreundet gewordenen
Alexander von Humboldt; und mit dessen Bruder Wilhelm unterhielt er sich im April sofort �ber Rom.
Eine etwas ungl�ckliche Rolle spielte neben dem geistvollen Thronfolger anfangs sein Bruder Wilhelm.
�Der arme Prinz Wilhelm!" ruft Delbr�ck am 28. Januar aus, �Ss wird ihm so schwer, auch das teichte
zu behalten." Er ist ganz erstaunt, wenn der j�ngere Z�gling auch einmal einen Beweis geistigen A�nnens zeigt,
so als er einmal einen �guten und angenehm gelehrigen" Brief schreibt stl, H36).
Es war begreiflich, wenn der �ltere Prinz bei seiner Begabung und seinem schnellen Auffassungsverm�gen
unter den: geistig so interessierten Erzieher bald eine au�erordentliche Wi�begierde an den Tag legte. Delbr�ck hat
ohne Frage Geschick bewiesen, von ungef�hr und spielend die geistigen Interessen in ihm zu wecken.
Besonderen Ann zeigte er fr�h f�r Erdkunde. Delbr�ck war immer wieder �berrascht, mit welcher Sicher-
heit er sich bald auf den Karten zurechtzufinden pflegte. Ebenso erwachte in ihm eine Neigung f�r Astronomie.
Als man am Oktober hinausging, einen Aometen zu sehen, merkt Velbr�ck an: �Der Aronprinz voll
unerme�licher Begierde." Nicht lange darauf entdeckte er mit gro�em Iubelgeschrei einen Ring uni die Sonne, �der
auch wirklich sichtbar war". Die Sterne regte?� seine Phantasie gewaltig an. Bisweilen ergriff ihn dann jene
Stimmung, von der uns sp�ter sein getreuer Adjutant General Leopold von Gerlach so oft Runde gegeben hat, indem
er schreibt: �Der K�nig war in ki^k 5pir^8." Am 25. Februar schreibt Delbr�ck: �Der Kronprinz war h�heren
Geistes voll. Sein Blick durchwanderte das Weltall. Die Aalte erinnerte an die Aalte auf dem Uranus. Gb wohl
alle Sterne bewohnte A�rper w�ren? warum nicht? Er: �Es ist aber ordentlich �ngstlich, wenn man das denkt,
man erschreckt; und wie das vor uns gewesen ist und nach uns sein wird. Und wenn man alle Sterne als Welten
sich vorstellt, wie klein erscheint die Erde! wenn man doch w��te, wie es nach dem Tode sein wird! Und seltsam,
da� man nicht wei�, wie es vor der Geburt gewesen, wie man eigentlich entstanden und von einem andern A�rper
in diesen gekommen ist. Vielleicht wird auf jeder Welt ein St�ck von der Seele abgeschnitten, wie nur die Menschen
auf dem Uranus die Aalte aushalten k�nnen! Ich glaube, sie tragen H�user wie die Schnecken mit sich herum, in
die sie hineinkriechen, wenn's zu arg wird. Ich m�chte wohl wissen, wie es im Innern der Erde beschaffen ist, ob
man nicht durch den Mittelpunkt sich hindurchgraben kann bis zur entgegengesetzten Vbcrst�che!" Bewundernd schrieb
der Erzieher in seinem Tagebuch �ber diese Phantasien: �Ein wahrer Empedokles!" Gelegentlich treffen wir den
Prinzen auch beim Zeichnen der Bahnen der Planeten. Man ist versucht anzunehmen, da� der Aronprinz anregend auf
den Geist seines um dreieinhalb Jahre j�ngeren Gespielen, des sp�teren der�hmten Astronomen Argelander gewirkt hat.
Abgesehen von seine?� mangelhaften Zahlensinn zeigte der Prinz auch viel Verst�ndnis und Interesse f�r
Geschichte. Die gro�en Helden der verschiedenen Zeitalter taten es ihm an. Auf sie hat Deldr�ck ihn auch mit
besonderem Flei�e hingelenkt. Neben den Mitgliedern seines eigenen Hauses war es besonders Alexander der Gro�e,
der ihn anzog, liebensw�rdig kindlich tritt das einmal zu tage, als er in der Haltung eines einhauenden Ariegers
durch Wasser ritt, �wir kamen an eine damit angef�llte Vertiefung. ,Hr! das ist die Schlacht am Granikus!'
�
und so sprengte er hindurch, da� uns das Wasser um die Ghren spritzte und galoppierte mit aufgehobenein Stocke
ins weite hinein." Mit wahrem Feuereifer pflegte er sich in das Lesen von Beckers Weltgeschichte zu vertiefen. Er
hat Becker, der Anfang starb, wohl noch gekannt, jedenfalls lie� er ihm bei dessen t�dlicher Erkrankung seine
Teilnahme aussprechen. Vem Erzieher lag die alte Geschichte naher. Der Aronprinz mu�te es selbst anregen, da�
die Geschichte des hohenzollernschen Hauses mehr vorgenommen wurde. An: meisten erf�llte er sich, wie ja im Grunde
nahe liegt, f�r Friedrich den Gro�en, wenn Velbr�ck �ber dessen Schlachten vorlas, dann bewies er stets die gr��te
Andacht und Teilnahme, ja oft die tiefste R�hrung. Auch wu�te er �ber die Schlachten, wie Delbr�ck angibt, recht
verst�ndige Betrachtungen anzustellen. Als im November die Rede auf das Invalidenhotel in Paris kam,
erw�hnte der Erzieher, da� der Degen Friedrichs dorthin geschafft worden w�re. �Der Aronprinz brach inein heftiges
weinen aus, da� er schluchzend das Zimmer verlie� und erst nach zehn Minuten wieder kam." Dabei waren die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.