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Prinzessin Amalie von Preußen als Musikerin

Full text: Prinzessin Amalie von Preußen als Musikerin

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einem Worte, durch Rirnbergers Umgang und Unterricht unstreitig an Renntnis, Theorie und Rritik gewonnen, aber
ebensoviel an Genie zur hervorbringung eigener Runstwerke verloren."
Wie wahrheitsgetreu Schulz' Zeichnung ist, beweist die Richtung, die AmalieZ musikalisches Denken und Arbeiten
in der zweiten H�lfte ihres tebens nahmen. Mit den Rompositionen heiterer Festspiele zu h�fischen Maskeraden ist
�s nun vorbei. Ganz wie es Schulz von sich erz�hlt, verwendet sie ihre Hauptzeit auf Studien im strengen Satz.
von all ihren erhaltenen Arbeiten nehmen die Choralfigurationen im einfachen und doppelten Kontrapunkt und
kanonische Studien, meist aus den siebziger Jahren, den breitesten Raum ein. Irgendwelches Interesse bieten die
St�cke nicht; es sind trockene, n�chterne Uebungen. 3m Gegensatz zu Schulz, der dem tehrer nach drei Jahren
kebewohl sagte, besch�ftigte sich die Prinzessin mit diesen d�rren Dingen bis an ihr tebensende, wie man ja h�ufig
bei Frauen, die ein Studium ernsthaft ergreifen, dieses z�he Festhalten an der schule beobachten kann. Dabei fehlte
es nicht an dem festen willen, das R�nnen in den Dienst der Empfindung zu stellen. �C'est toujours mon plus
grand plaisir que la musique", schreibt sie einmal dem Prinzen Heinrichs, �et la seule chose avec laquelle je
m'occupe, aussi ne voit-on que notes dans ma chambre je travaille tous les jours; je ne s�ai pas si mon go?t
vous plaira, mais je r�duis tout mon savoir ? remuer les passions de l'ame, le tendre, le touchant, le Noble
et l'Expressif quand je ne r�ussi pas ? l'un je suis de mauvaise humeur pour toute la journ�e, et n'�tant pas
toujours dispos�e ? m�diter cela m'arrive souvent que je suis tr?s maussade, 11 Wenn es wahr ist, da� die Quelle
ihrer schlechten faune das Nichtgelingen ihrer musikalischen Absichten war, so l��t die beglaubigte H�ufigkeit ihrer
�blen Stimmungen auf bas oft vergebliche Ringen nach der musikalischen Herzenssprache schlie�en.
Eine umfassende W�rdigung ihrer Rompositionen ist nicht leicht, weil sich nur sehr wenig erhalten hat. Man
kann sich der Vermutung nicht verschlie�en, da� die Prinzessin, in deren Charakter eine stark ausgepr�gte Selbstkritik
gut hineinpa�t, h�ufige Autodafes ihrer Arbeiten veranstaltet hat. Im Grunde ist nur das gerettet worden, was
anderen Personen gewidmet, oder was von anderen Musikern in ihren Sammlungen und Lehrb�chern abgedruckt
worden ist. Den Ausgangspunkt der Rritik wird der Anfangschor aus Ramlers Rantate �Der Cod Jesu" bilden
m�ssen, den Rirnberger ini 2. Teil seiner �Runst des reinen Satzes" (1??9) als Beispiel mitgeteilt hat. Lr ist nicht
nur nach Anlage und Umfang die bedeutendste ihrer Arbeiten, sondern auch f�r uns die interessanteste durch den
Umstand, da� es sich gleichsam um einen Wettbewerb mit dem gro�en Rarl-Heinrich Graun handelt, dessen ber�hmtestes,
f�nfviertel Jahrhunderte hindurch lebendiges Werk die Romposition eben dieser Rantate ist. Uebrigens beweist nichts,
da� Amalie das ganze Werk in Musik gesetzt hat, wie Gerber zu meinen scheint. Vergleicht man diesen Chor �Sein
Gdem ist schwach" 
    
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