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Prinzessin Amalie von Preußen als Musikerin

Full text: Prinzessin Amalie von Preußen als Musikerin

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Pedal, verschiedenfarbigen Registern und Gktavkovplern ausgestattet hatten, bequemten sie sich jetzt der eleganten,
durchsichtigen Spielmanier an, wie sie die neuen Klavierkomponisten, an ihrer Spitze Karl-Philipv-Smanuel Vach,
verlangten. Deswegen mu�te diese Hausorgel am Verliner Hof der f�nfziger Jahre so verwunderlich wirken wie ein
schwerer Varockschrank in einem leichten Rokokoboudoir.
In reiferen Jahren kam das Studium eines dritten Instruments hinzu, der Violine, zu deren pflege sie die
virtuosen keistungen Johann- Gottlieb Grauns, Friedrich Vendas und Josef Vendas angeregt haben mochten. �Pour
moi," schreibt fie einmal launig an Prinz Heinrichs Gemahlin wilhelmine 1, �je fais des prodiges je surpasserai
bient�t les grauns, les hasse et les Benda de mon Violon, mon coup darget [d'archet] est si touchant et si tendre
que la Maupertuis en prend la larme a l'oeuil elle me jure que je la p�n?tre jusqu'aux fond des entrailles, cela
ne vous donne-t-il pas ma ch?re soeur quelque d�sir pour m'entendrej o? bien une noble �mulation pour vous
perfectionner de l'instrument sur lequel vous jou�, afin que nous puissions faire un corus ensemble." Dies
Schreiben, in dem sich die Selbstironie der Anf�ngerin ausspricht, d�rfte der in ihm ber�hrten Personen wegen in
den Anfang der siebziger Jahre geh�ren; jedenfalls verlangt eine Stelle, die den Grafen von Puebla, kaiserlichen
Gesandten am berliner Hof, als verstorben bezeichnet, den Vrief nach \76ty anzusetzen. Ob die Prinzessin es auf
der Geige, deren Studiuni sie so sp�t aufnahm, wirklich zu einigem k�nnen gebracht hat, m�chte man stark
bezweifeln. Es ist jedenfalls auffallend, da� sich nach ihrem Tode unter den hinterlassenen Instrumenten eine
Violine nicht gefunden hat.
von ernsteren Romposition sstudicn h�ren wir erst merkw�rdig sp�t. Da� Amalie sich schon in jungen Jahren
hier und da in: komponieren versuchte, w�rde sich von selbst verstehen, wenn wir nicht auch ein unwiderlegliches
Zeugnis daf�r bes��en. Schon als Amalie eben 20 Jahre alt war, erz�hlt ihr Schwester Ulrike, da� ihr
Gemahl, der Kronprinz von Schweden, �auch komponiere". Sie will ihr sogar ein von ihm verfertigtes Menuett
schicken, unter der Vedingung, da� Amalie ihm einen Marsch im preu�ischen Geschmack f�r sein Infanterie-Regiment
schreibe.? Dies Ansinnen erscheint bei der musikalischen Richtung der Prinzessin auffallend. Indessen hat Amalie
tats�chlich Armeem�rfche komponiert. Es hat sich auf der Verliner k�niglichen Bibliothek die eigenh�ndige Partitur
eines Marsches in V-Dur f�r 5 Trompeten, 2 Oboen und Fagott erhalten, den sie am 28. Vktober f�r das
Regiment des Generals von M�llendorff schrieb. Trotzdem zeigt die etwas h�lzerne Aomposition eigentlich nur, da�
die Prinzessin in dieser musikalischen Gattung nicht besonders gl�cklich war.
Graf kehndorff erz�hlt in seinem Tagebuch, da� am 2^. Januar, dem Geburtstag des A�nigs, der
Prinz von Preu�en dem Prinzen Heinrich in seinem Palais ein Fest gab, bei dem die ganze Hofgesellschaft als
Affen maskiert war. Das Festspiel war von der Prinzessin komponiert; sie selbst sa� inmitten des Orchesters und
akkompagmerte am Fl�gel.
Damit sind die Nachrichten �ber ihre Kompositionen aus fr�herer Zeit ersch�pft. Ende der f�nfziger Jahre
trat dann eine entscheidende Wendung ein.
Um es gleich vorwegzunehmen: mit dieser Wendung hatte Aarl-Philipp -Emanuel Vach, der gro�e Sohn
Johann-Sebastians und Aammermusikus des K�nigs, nichts zu tun. Man hat aus dem Umstand, da� dieser den
Titel eines Hofkapellmeisters der Prinzessin Amalie von Preu�en f�hrte, folgern wollen, da� zwischen beiden n�here
musikalische Beziehungen bestanden h�tten. Mit Unrecht; Vach ver�ffentlichte 5?60�^763 im Winterfchen Verlag zu
Verlin �Sechs Sonaten f�rs Clavier mit ver�nderten Reprisen" und widmete sie der Prinzessin; nur aus Erkenntlichkeit
f�r diese Dedikation verlieh sie ihm als er vom K�nige seinen Abschied erhalten hatte und im Vegriff stand
nach Hamburg abzureisen, das Pr�dikat eines Hofkapellineisters.
Nicht auf ihn fiel ihre Wahl, als sie sich endlich einen tehrer in der Komposition nahm, in ihrem
36. tebensjahre, gleichwie ihre Gro�mutter Sophie -Charlotte noch in ihren: 35. den Kontrapunkt erlernt hatte. Sie
1 gl. l?au5alchiv Rep. $6 W. U5. � 8 Stockholm, den 5. November ;?^. � F. Arnheim, ?uife Ulrike. I.
Gotha (909. S. ioe.
        
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