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Prinzessin Amalie von Preußen als Musikerin

Full text: Prinzessin Amalie von Preußen als Musikerin

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Verh�ltnissen heraus nur kann die oben angef�hrte Vriefstelle verstanden werden. Die naive, volksm��ige Alusik der
Gperette mu�te der �gelehrten" Musikerin Amalie so unsympathisch wie nur m�glich sein; da� die Auff�hrung in
jenen ersten Jahren des Singspiels sehr mangelhaft war, ist bekannt. So kann man das breit aufgetragene tob des
Konkurrenzunternehmens eigentlich nur aus einer Opposition gegen die versteinerte Oper des Vruders begreifen. �
2Nan har die Bedeutung der Prinzessin Amalie dahin pr�zisiert, da� sie, zugleich mit Rirnberger und dem
Schriftsteller Friedrich-Wilhelm Marpurg, die Seele und Begr�nderin der sogenannten Berliner Schule gewesen sei, die
ein Gegengewicht bildete gegen die gedankenlose, oberfl�chliche Musikmacherei des achtzehnten Jahrhunderts. Darf
dieses Urteil unterschrieben werden?
Die sogenannte Berliner Schule, d. h. die �ltere, deren Wesen und Ziel die Gegens�tzlichkeit gegen den
italienischen Opern- und Aantatenstil war, tritt zum ersten Male bereits mit dem Erscheinen der �Voen mit
Melodien" im F. w.Bernstielschen Verlage an die breitere Oeffentlichkeit; im Grunde mu� man indessen schon das
Vorhandensem der Berliner Schule vom Jahre ab rechnen, das Fr. w.Marvurgs �Kritischen Ntusicus an der
Spree" brachte. Diese einfachen Daten zeigen, da� Prinzessin Amalie, die erst begann Aompositionsunterricht
zu nehmen, zu den Begr�ndern der Berliner Schule nicht geh�rte. Ebensowenig ist sie ihre Seele gewesen. Sie war
eine kernende noch in der Zeit, als die altere Berliner Schule bereits vom Schauplatze abr�ckte, und die j�ngere, die
an die Namen I.A.p. Schulz, I.F. Reichardt und Joh. Andr� ankn�pft, auf den Plan trat. Und als Seele dieser
Schule angesehen zu werden, m�chte sie sich in ihrer deutlichen Art energisch genug verbeten haben. Selbst von einem
breiteren Ginfiu�, wie ihn ihre hervorragende gesellschaftliche Stellung gestattet h�tte, kann nicht die Rede sein. Die
Prinzessin lebte zur�ckgezogen und hielt sich von allem �ffentlichen Wirken zur�ck; sogar ihre Hueolinburger Aeblissinnen-
stellung benutzte sie in keiner weise, um t�tig in das Musikleben einzugreifend <3s kann daher von irgendeinem
Einflu� auf die Zeitgenossen keine Rede sein.
Dagegen war es der Prinzessin beschieden, der Nachwelt, und der Berlinischen im besondern, unsch�tzbare
Dienste zu leisten. Mit den knappesten Geldmitteln hat sie es m�glich gemacht, eine Bibliothek der wertvollsten
praktischen und theoretischen Musikwerke alter Zeit zusammenzubringen, wie sie damals einzig dastand, ja, sie hat sogar
von einem ihrer tieblingswerke, den Hans-keo Ha�lerschen �Ontiones 5acr2e". eine Partitur in moderner Notation
durch Kirnberger anfertigen lassen. Freilich hatte der Segen ihrer Sammlung ein ungleich gr��erer sein k�nnen, wenn
die Besitzerin in ihrem Testament freiere Hand in der Nutzbarmachung des (egats gelassen h�tte. Nach ihrer letztwilligen
Verf�gung ging der ganze Schatz in den Besitz des A�nigl. Joachimstalschen Gymnasiums �ber, mit der Ma�gabe,
�da� kein Buch, nicht ein Blatt Papier aus dem Hause komme, sondern alles so wohl verwahrt bleibe, als w�re es
ein Heiligtum". Auf diese weise war in den �lteren Zeiten, da das Gymnasium keinen eigenen Bibliothekar hatte,
der die Benutzung h�tte erm�glichen k�nnen, die Verwertung inFrage gestellt. Immerhin aber ging durch Abschriften,
die hier und da von den Best�nden genommen wurden, manches Meisterwerk des siebzehnten und achtzehnten Jahr-
hunderts in die Welt hinaus, und die einzigartige Pflege, die in Berlin alte kirchliche Musik fand, ist zum guten Teil
der zielbewu�ten und geschmackvollen Sammelarbeit Amalies zu danken.
Eine unmittelbare Befruchtung hat beispielsweise das (eben der Berliner Singakademie erfahren, die ja nicht
nur f�r die preu�ische Hauptstadt, sondern f�r Deutschland �berhaupt vorbildlich war. Studiert man die Programme
der singakadennschen Uebungen unter Zelters Direktion, also inden ersten drei Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts,
so begegnen wir einer gro�en Anzahl alter St�cke, die zweifellos der Amalienbibliothek entnommen sind. Wenn die
Herkunft der zahlreich vertretenen H�ndelschen Werke, des Alexanderfests, des Judas, des Tedeums u. a., sich nicht mit
voller Bestimmtheit erweisen l��t, so doch diejenige vieler entlegenerer Aomvositionen, f�r die es eine andere Duelle
'
wir wissen nur, da� fie aus Gr�nden der �ffentlichen Ordnung den musikalischen Aufzug der Sch�ler von der Schule zur
Schlo�kirche in der ihnachtsn acht abschaffte und die sogenannte Christmeffe auf dem Schlosse einstellte (Voigt, Geschichte de? Stiftes
Wuedlinburg. III, teipzig (787, S. 68); als M�zenatin hat sie f�r Johann-Hewrich-Viktor Rose, den Sohn d� �yuedlmburger Stadtmusikus,
sp�teren Organisten an der Haupttirche seiner Vaterstadt, gesorgt.
        
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