Path:
Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

157
verfallen, eher als auf gute Gedanken kommen. Durch M��iggang entstehen z. V. Diebe, k�gner, u. s. w. Darum
mu� man Flei� und Arbeitsamkeit empfelen und sich zur Arbeitsamkeit fr�he gew�hnen, damit man ja nie auf so
b�se Gedanken verfalle. Die Unm��igkeit, Schwelgerei, Trunkenheit und Unth�tigkeit schaden uns nicht allein selbst,
sondern es kann auch unsrer ganzen Familie schaden. Sie kann durch unsre Schuld auf solche weise in Verachtung
kommen, in Tmunchkeit versetzt, ja in der aller bittersten Armuth und gr��te Elend gest�rzt werden, so das unsre
Nachkommen nach Brod gehen m�ssen. Und welche Vorw�rfe haben wir nicht dann uns zu machen? Durch unsre
eigne Schuld ins Elend geraten, macht, da� wir keines Mitleides w�rdig mehr sind, und wir werden als dan vor
Gram, Scham vor der zeit ins Grab hinab st�rtzen und ein Andenken hier auf Erden zur�ck lassen, das allem zum
schrecken und Widerwillen dienen wird. Drum la� mich, o mein Gott, den Flei� von Heizen lieben Und stets durch
Th�tigkeit im Guten mehr mich �ben. So wird mein keben nur erfreulich allzeit seyn Und nicht die Langeweile
gerathen je zur f)ein.
2. Was verstehen sie unter christlicher Airche und was sind die einzelnen Glieder derselben
nach ihren verschiedenen St�nden zu leisten schuldig?
Ich glaube, da� unter dem Namen Christlicher Airche verstanden werden alle die, welche sich zu der Gemeinde
Christi bekennen. Und alle die den Namen Christi f�hren, sind als denn auch Mitglieder dieser Gesellschaft und
werde� alle ahne Ausnahme und ohne Ansehen der Person zu der Christlichen Airche gerechnet. Ja freilich sind
leider nicht, die Christen hei�en, in der Chat Christen; es giebt viele, die nur den Namen f�hren, sanften aber weder
in ihrem Wandel noch in ihre Gesmungen es sind, sondern vor wie nach b�se und unchristliche Menschen all' ihr
lebelang bleiben. Aber dar�ber m�ssen wir nicht die gemge vergessen, die wahre und echte Christen sind, deren ihr
ganzes Bestreben ist, sich alle Tage Gott lieber und angenehmer zu machen. Es giebt derrer doch Gott lob! auch
viele! und diese ssind) es eigentlich, die Gott liebt und die mit Recht den Namen Christen f�hren. Die einzelnen
Glieder der christlichen Rirche sind sich einander auch Dienste zu erweisen schuldig als wie zum V.: wenn ich einen
Mensch sehe von meinen Glaubensgenossen, der nichts nach Gott noch nach den Menschen fragt, seinen Leidenschaften
nach lebt gerade wie ein Thier, so ist es da meine f)flicht als ein Glied der christlichen Gesellschaft, ihn mit kiebe
und G�te wieder auf dem weg der Tugend zu f�hren. Dazu ermahnet uns ja auch der Herr, in den, er zu uns
sagt: �tiebe Vr�der, so ein Mensch von ein Fehler �bereilt wird, so helft ihm wieder zu recht mit sanftm�tigen Geist."
Dieses lasse Gott mein liebstes Vestreben seyn, so viel ich kann, um mich herum nichts als lauter gl�ckliche zu machen,
damit ich darin dir, doch ini viel schw�cherm Grade der Vollkommenheit, �hnlich werde. Dazu gieb mir Araft und
St�rke zur vollbringung edler Werke.
3. von Quellen der Religions Erkentni� und benutzung derselben.
wir finden alle die kehren, die wir als Christen zu glauben und zu befolgen haben in der Vibel. Dieses
23uch enth�lt alle die Schriften der ersten und neueren Zeiten; sie fast in sich das Alte und neue Testament. Das Alte
war Haupt s�chlich f�r die Juden geschrieben; das neue aber ist das Religions Such der Christen und ist von den
Lvangeliestm und Aposteln durch g�ttliche Anleitung und Aufsicht von diesen M�nnern geschrieben. Diese Heilige
Schriften haben alle m�glich glaubw�rdigkeit vor sich, da� sie g�ttlich sind, und zwar deswegen: Erstlich das Alte
Testament�, weil es uns Dinge erz�hlet, die so ganz nat�rlich und wahr und aus der Mitte des Menschengeschlechts
heraus genohmen sind, und dann sagt es uns von Dingen, die nur haben ausgef�hrt werden k�nnen unter dem
Veystand Gottes. Alsdann tragen ferner Moses und die �brigen Gottesm�nner uns heilige Warheiten vor, die dem
damalnigen Menschenalter so wohl th�tig und begl�ckend waren, da� auch in der Folge Jesus selbst und seine Sch�ler
auf ihre sich als auf g�ttliche Schriften bezogen, auf sie hinweisen und in dem selben zu lesen empfelen. Da� das
neue Testament eine g�ttliche Schrift sey glaube ich deswegen, weil die Evanglist und Apostlen, welche es schrieben
um der kehre willen, die sie vortrugen, die aller erschr�cklichsten Martren ausstehen mu�ten, sehr �ftres gehindert
wurden an ihren Gesch�fte, und dennoch giengen sie unerschrocken mit neuen Muth zu ihrer Arbeit zur�ck. Sie lie�en
sich schlagen, gei�len, sch�nden und spotten blos um die g�ttlichen warheiten und um des Segens willen, der durch
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.