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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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uns seyn, unsre geliebten Eltern zu sehen, die so lange von uns geschieden waren. G Gewi�! Himlisches Entz�cken
wird unsre Seele begeistern. Ich werde �ber so manches Aufschl�sse erhalten, das f�r meinen Geist noch so ganz
unerforschlich war, als zum Veysviel �ber die Ewigkeit Gottes, da� er kein Anfang genohmmen hat. Das ist ein
Gedanke, den wir hier garnicht begreifen, weil wir uns alles sinnlich und St�ck werklich denken. l5 Eorinler Vers
Da werde ich das im licht erkennen,
was ich auf Erden dunkel fat?
Vas wunderbar und heilig nennen,
was unerforschlich hier gescha;
Da denkt mein Geist mit preis und Dank
Die Schickung im zusammensang.
Dieses Gl�ck wo von ich eben sprach, wird borten tagt�glich noch gro�er und vollkommner f�r uns werden.
Es werden sich nehmlich alle Tage neue 3cencn unsren Augen von Gl�ck und Wonne zeigen. Und da� wir in
ungest�rter Ruhe und Freude sie dort Leben, vermehrt eben stets unser Gl�ck.
Merkw�rdigerweise sind aus dem Jahre 1?90 gar keine Schulhefte vorhanden. Der Umstand, da� Luise im
Sommer des Jahres krank war und im Oktober zur Rr�nung Raiser Leopolds I. mehrere Wochen in Frankfurt sich
aufhielt, kann diese L�cke um so weniger erkl�ren als, wie wir bereits sahen, Arankheit den Unterricht doch nur
vor�bergehend unterbrach und auf Reisen, wie in Stra�burg und Vroich, auch gearbeitet wurde. Diese Hefte werden
also wohl verlorengegangen fein. Da die Hefte aus dem Jahre zum Teil in Frage und Antwort, zum Teil
in kleinen Aufs�tzen vielfach dieselben Materien behandeln wie die aus fr�heren Jahren, so er�brigt sich ein genaues
Eingehen daraus. Zum Beweise aber f�r die Fortschritte, die Luise in bezug auf �Orthographie, Auffassung und
Darstellungsf�higkeil gemacht hat, m�gen drei Abhandlungen folgen, die ganz verschiedene Themata behandeln. Gewi�
l�uft darin noch mancher orthographischer Fehler unter, erfreulich ist aber befonders die klare, durchsichtige Disposition,
die sie ihren Ausf�hrungen zugrunde legt.
Zur Erhaltung unsers Lebens und unserer Gesundheit tragen M��igkeit und Arbeitsamkeit
das meiste bey.
Es ist ganz ausgemacht gewi�, da� Zur Erhaltung unsers Lebens und unserer Gesundheit nichts dienlicher
ist als M��igkeit und Arbeitsamkeit. M��igkeit bestehet darin, da� wir, wenn wir essen und trinken, immer nicht
mehr von Speise und Getr�nke genie�en als wir glauben, da� es f�r uns gut sey. Eine solche M��igkeit erh�lt uns
die Gesundheit; denn wir �berladen uns nur den Magen mit zu viele Speise, weil wir immer nur so viel zu uns
nehmen (sollen), als wir �berzeugt sind, da� es uns gut sey, und als wir glauben, da� wir es verdauen k�nnen.
So soll es auch mit den Trinken seyn; wir sollen nicht mehr zu uns nehmen, als bis da� unser Durst gestillet ist.
�H�tet euch, da� eure Herzen nicht beschweret werden mit Fre�en und Saufen." Diesen Rath giebt uns der Evangelist
Lukas im 21, Tap. V. JH. Ein andermal stehet geschrieben, Epheser Tav. 5 V. �Saufet euch nicht voll wein,
daraus ein unordentliches Leben entstehet." Wir sehen, wie h�chst sch�dlich uns alle Schw�lgerey und Trunkenheit ist
an so manchen traurigen Veyspiel. Daher soll uns diese Ermanung ein Antrieb zur M��igkeit seyn. Die Arbeitsamkeit
hilft uns auch sehr, unser Leben zu erhalten; denn durch Arbeitsamkeit schaffen wir dem R�rper Bewegung, und
diese ist ihm sehr gut und zutr�chlich.
Flei� h�lt uns gesund und frisch,
Arbeit w�rtzet unfern Cifch,
Nach Gesch�ften schmeckt das Herz
Sanfte Ruhe, s��en Scherz.
Sind wir arm, so k�nnen wir durch unsre Arbeitsamkeit uns so viel verschaffen, da� wir davon leben k�nnen,
machen, da� wir unfern Unterhalt haben. Sind wir reich, so n�tzen wir durch unsre Arbeit andern vielleicht, und,
wenn das auch nicht w�re, so h�lt uns doch Arbeitsamkeit immer vom V�sen ab. Denn M��iggang ist die wurtzel
alles �bels. Wenn wir nichts zu tun haben, legen die H�nde im Schoo�, so werden wir leider sehr bald auf V�ses
        
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