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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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die ich binn. (Er gab mir eine vern�nftiche Seele, die freien Willen hat zu thun und zu denken, was fie will. Er
gab mir auch Vernunft und verstand. Er gab mir sehr gute Eltern, die alles anwenden, mich gut zu erziehen.
Uno giebt mir Gott nicht alle Cage Nahrung, da� ich fortdaure. (D Gott! sey gelobet und Gebenedeit vor alles
bas Gute, das du an mir nicht allein, fondern allen deinen Gesch�pfen thuest. Haben wir dieses nur im geringsten
verdienet? G, darum m�ssen wir ihn doppelt danckbar seyn. Die aller gr��te G�te, die er uns je erwiesen hat, ist
die, da� er feinen eingebohren 3ohn 3efus Christus f�r uns hat unschuldig leiden und sterben lassen und zwar auf
die allerpeinlichste Art am Nreutz. Daf�r m�ssen wir ihn desto mehr lieben, mehr als alle andren Hinge und unser
(eben so an den Tage legen, da� wir das Evangelium feines Hohnes auf das allergenaueste befolgen und uns ehr
in den allerschrecklichsten Abgrund des Ungl�cks st�rtzen als Jesus ""fern Erl�ser zu verleugnen. Den wer nicht in
Stanzt ist aus untrem Glauben an 3efum alles zu thun, was er fordert, der Glaubet auch nicht an Gott. Ich bitte
Dich allg�tiger, st�rke mich.
2. was es hei�t beten und warum wir beten und wie unser Gebet beschaffen seyn m�sse?
Das Gebet ist eine hcrliche Hache, die sehr vielen Nutzen f�r uns hat. Wir verstehen eigentlich unter Gebet,
da� wir uns mit Gott unterhalten. Ein mal beten wir, in dem wir �ber seine Werke nach denken und Betrachtungen
und Bemerkungen dar�ber machen. Wir machen auch f�r bitten (F�rbitten) und bitten. F�r bitten thun wir, wenn wir
f�r andren beuten bitten, und bitten hei�t f�r uns selbst etwas fordern, unsere Bed�rfnisse zu befriedigen, wie g�tig ist
nicht Gott, der uns dieses gute Mittel gab, damit wir mit ihm bekantcr und so immer gl�cklicher werden ni�gten.
Das Gebet hat den herlichen Nutzen f�r uns, der sich vornehmlich auf folgende merkw�rdige St�cken ausbreitet. Es
veredelt unsere Denkungsait. wir denken, wollen und w�nschen nichts als gutes, es ist ganz nat�rlich, da� dadurch
unsere Seele veredelt wird. Es giebt uns Muth und Araft, unsre Pflichten zu vollf�hren . . . wir m�ssen beten,
weil wir sonst sehr ungl�cklich w�ren, k�nten wir nicht unser Herz vor ihn: aus lassen. G wie wenig Erleichterung
und Beruhigung w�rden wir dann haben, wenn wirNiemanden unser Anliegen vortragen k�nnten, wenn wir unsern
Schmerz, unsre Nolh ihm nicht klagen k�nten. Wie wohl ist uns aber, wie gest�rkt f�hlen wir uns, wenn wir unser
Anliegen Gott endecken ...
Es ist nicht als ob Gott nicht w��te, was wir haben m�ssen, sondern weil es gut f�r uns ist und uns hilft,
da� wir mit Gott n�her bekannt werden, darum hat es uns empfohlen. Wenn wir beten, fo m�ssen (wir)
unsern Gedanken ganz auf das gerichtet seyn lassen, warum wir bitten. Wir m�ssen auch nichts unn�tzses bitten,
sonst ist es ein fruchtloses Gebet, und wir vers�ndigen uns an Gott.
3. Noch au�er dem gesagten, sagen sie mir noch: wie wird unsere Gesundheit wohl erhalten, und
was wir meiden m�ssen, um sie nicht uns selbst zu rauben, was wir thun m��en bei ihrem Verlust, und dann, wie
wir durch Flei�, Ordnung und Sparsamkeit uns n�tzen.
Nm unsern A�rper gesund zu erhalten, m�ssen wir ihn schonen, und das m�ssen wir so anfangen: wir
m��en m��ig seyn, ein wohl geordnedes Teben f�hren und nicht mit Spei� und Franck uns �berladen, und besonderst
nicht vorwisscndliche ungesunde Speisen und Getr�nke genie�en, und uns bey alle s�mtliche Vergn�gen und Erg�tzlich-
keiten m��ig halten und zum B. 3. bey dem Tanzen U. S. w.^ Wir m�ssen jede Gelegenheit meiden, wo wir
k�nten zu Ausschweifungen verf�hrt werden, als nachts wachen, Schwerben (wohl: Schw�rmen), den Trunk sich �ber-
geben, Liederlichkeiten mitmachen; lie�en wir uns dazu einmal verf�hren, so k�nnten wir vielleicht auf immer unsere
Gesundheit verliehren, und so w�rden wir vors�tzlich M�rder und R�uber unserer eigenen Gesundheit und Freuden
seyn. Denn der A�rver wird ungesund und unsere Nerven werden matt und schlaff, wenn wir ihnen auf einer
1Die Prinzessin mar eine leidenschaftliche T�nzerin. Schon in ihrem Kindertagebuch erz�hlt sie uns, da� &as Tanzen oft die
Veranlassung zu l�ngerem Schlafen wurde, und dennoch hei�t es dann in dem Bericht desselben Tages wieder :�IIy �voit musique est (et)
j'ai beaucoup dans�." Fehlt der Tanz nach dem Souper, so wird der Abend meisten? mit dem Susatz ,,ou je me suis ennuie" gekennzeichnet.
I� den ersten Jahren ihrer Ehe wurde es ihr von ihrer Schwiegermutter und ihrer Vberhofmeisterin, der Gr�fin vo�, zum Vorwurf
gemacht, da� sie soviel tanze und dadurch ihre Gesundheit sch�dige.
        
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