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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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gehe, so werde ich doch wider komen und euch zu mir nehmen, auf da� ihr seyd, wo ich bin." Dieses sind die Gr�nde
der Bibel. Aber nun die Gr�nde der Vernunft, die sind solche. Ver Gott, der allen g�tig ist und dabey so gerecht,
l��t es oft den guten Alenschen hier am hinderlichsten gehn. Stimt das mit seiner Gerechtigkeit �berein? Nein! also
mu� eine Zeit seyn nach diesem Tebcn, wo er das Gute vollkommen belohnet. Amder sterben, wo man am meisten
von ihnen hofft; sollten wohl mit ihren Tod alle die Eigenschaften ihrer Seele aufh�ren? Nein, nimmermehr wird
es geschehn. Noch einen Grund habe ich: Meine Seele, die ein so gro�es Verlangen hat, Gott n�her kenen zu lernen
und mit der Natur und den Werken Gottes sich genauer bekannt zu machen und manches sich deutlich zu erkl�ren,
kann es hier nicht (hier stark verbessert); ich glaube also, da� Gott dieses gute Verlangen nicht um sonst in mich gelegt
hat. Es mu� wohl noch ein (eben seyn, wo nur gelegen(heit) dazu gegeben wird (verbessert in: diese gro�s Erkenntni�
zu Theil werden wird), Meine Seele hat hir schon verlangen, gut zu seyn, und dennoch fehl ich, so sehr ich w�nsche,
ganz gut zu handlen. Sollte nicht das verlangen, gut belohnt zu seyn, das uns anreihen soll, immer Gott zu lieben,
damit ich einst ein herrliches teben dort f�hren und Freude und Ruhe des Gewissens. Gott wird mir beystehn und
mir nichts abgehn lassen, zu dem Gl�ck zu kommen. Aber die V�sen, was die f�r ein Teben, was die f�r ein
Schicksall haben werden, Gott la� uns nicht dran denken.
Numero 2. �ber die Gewi�heit eines zuk�nftigen Lebens und wie es f�r unsere Seele seyn wird.
wir k�nen uns eines ewigen Gebens versichert halten, denn die ganze Lehre Jesu bezieht sich darauf, auch
unsere Natur f�hret uns darauf, denn wir m�chten gern fort leben. Vie allerh�chste Billigkeit Gottes ist auch B�rge
daf�r und giebt Grund zur Beruhigung, wenn man seine Betrachtung darauf richtet. Gott willgeben einem jeglichen
nach seinen Werken. Va nun hier das nicht v�llig geschieht, so m�ssen wir den Schlu� machen, es ist ein andres
keben, wo jeder man wird in seine Cage gesetzet werden (und empfangen), nachdem er hier gelebt hat. Dieses sind
alles Gr�nde zur Gewi�heit f�r ein andres Leben. Die� (eben f�ngt an mit unserm Tod, das hei� so bald der
A�rper entfernt ist oder sobald sich die Seele vom A�rper scheidet, der teib verfault, aber die Seele dauert fort.
Varauf komt die Auferstehung der Toten. Diese ist ganz gewi�, denn Gottes Sohn sagt: Ich lebe und ihr sollt auch
leben, und hernach das j�ngste Gericht. Da ist f�r unsere Seele der gl�cklichste oder ungl�cklichste Augenblick, jenachdem
wir gelebt haben u. f. w.
Aehnlich behandelt ist das Thema: Neber die Zust�nde des zuk�nftigen Gebens, f�r die Guten und Lasterhaften.
Vas vierte Thema hei�t: �wie mu� unser teben hier auf Erden beschaffen seyn, wenn wir an der Gl�ck-
seligkeit des Himmels theil nehmen wollen?" Die Antwort geht dahin, da� wir das Gute lieben und vor den, V�sen
einen v�lligen Abscheu haben m�ssen. Aehnlich wird die f�nfte Frage: �was m�ssen wir tun, um auf immer
gl�cklich zu werden?" beantwortet: �wir m�ssen vor allem gut und rechtschaffen Zesinnet sein und solches durch unser
Thun und Lassen beweisen."
Aus dem Jahre also dem dritten Jahre des Religions-Unterrichts der Prinzessin, sind uns zwei
starke, kartonierte Hefte erhalten, in denen in logischer Folge sich aneinanderreihende Themata behandelt sind. Ver
Fortschritt in Auffassung und Darstellung ist unverkennbar; einigen Arbeiten fehlt fast der kindliche Charakter; sie zeigen
auch eine st�rkere Beeinflussung durch den kehrer. Die Schrift ist besser, wenn sie auch oft innerhalb desselben Auf-
satzes von sorgf�ltiger Durchf�hrung zu fl�chtiger Form �bergeht. Vie Hefte haben die Aufschrift von kehrers Hand:
Religions-Aufs�tze von touise, Prinzessin von Mecklenburg- Strelitz. Varmstadt d. 6. Februar u. H. November.
Vie ersten Arbeiten sind fast w�rtliche Wiederholungen der eben besprochenen Aufs�tze �ber das jenseitige keben. Vann
folgen Ausf�hrungen �ber die kiebe zu Gott und die Pflichten gegen ihn 
    
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