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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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Scheinbar auf die Frage, ob es denn nicht nur gute Menschen geben k�nnte, antwortet die Prinzessin sehr naiv:
072. Nein, es ist unm�chlich, weil alle Menschen Gott nicht so lieben, wie sie sollten; und wen wir mit lauter gute
lebten, so w�rden wir dieser Welt so angebunden und kenten den unterschied des guten und b�sen nicht kennen lernen.
677. verlassen sollen wir sic und aphallen und an ihnen sehen, wie es garstich ist, wen man so viele veller an sich
hat, und sich m�e geben, sie davon ab zu halten.
680. Denn auch Christus ging mit Z�llnern und S�ndern um, und da man es ihm vorwarf sagte er: �Die Gesunden
bed�rfen des Arztes nicht, sondern die schwachen."
von 6)2 an beginnen auch wieder die Fragen:
s>92. welches ist der Zweck unfern Umgangs mit andren?
692. Wir haben zum zweck dieses, da� wir sie uns zum Freunde machen wollen und angenehme Stunden in einigkeit
bey in zu bringen und um besser und verst�ndiger zu werden.
Nun wird der Verkehr mit andern, seine Vedingungen, Voraussetzungen und sein Nutzen auseinandergesetzt.
700. Vie Frage: Wovon m�ssen wir denn aber mit andren zun�chst reden? ist unbeantwortet.
702. was nennen sie unn�tze Rede?
Unn�tze Reden sind alles solche, die nicht zur Vesserung und Belehrung beitragen, zum Veispiel alte Stadt
hist�rgen und der gleichen dumme Sachen sprechen will.
Dann wird auseinandergesetzt, da� dahin auch lieblose Reden und Spa�e �ber andere geh�ren.
705. Ich halte davor, da� alle solche unanstendiche reden gegen den Wohlstand sind und gegen alte gute Sitte und
da� sie verabscheuungsw�rdich in den Augen Gottes und aller Rechtschaffenen machen.
706. was geHort zu einer guten Unterredung?
Die zum Teil stark verbesserte Antwort lautet:
�Va� man das Gute, das Personen gethan haben, erz�hlet, von ihren Tugenden spricht und von wichtigen
Begebenheiten redet und das alles haupts�chlich mit der Absicht zu bessern und zu belehren auf die gef�lligste weise."
7^. was f�r ein Tema geh�rt gar nicht zur Tafel oder Gro�e geselschaften?
Von Meinungen �ber der Religion kehren, die da gan� allein drauf gerichtet seyen, weil man sie iets nur vor
Ridik�l passiren lest (und) nur von indifferente fachen spricht; den man ist iets nur gar zu ser aus geseilt s?)
und aus gelacht.
7^. Wa� f�r eine sch�ne kehre gibt die Xliche schriftliche) Religion f�r den gesch�ftlichen Umgang?
Seid Aluch wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.
7^7. wie sollen wir uns gegen die betragen, die nicht unsers Glaubens sind?
wir sollen uns so freundschaftlich gegen sie betragen als wie gegen die, die unsers Glaubens sind. Venn wenn
sie nach ihrer Einsicht und �berzeugung ihren Gott verehren, so sind sie Gott ebenso angenehm als eine Guter,
und vor ihm ist kein unterschied der Person.
7^9. )st es erlaubt und recht, Ihnen Vorw�rfe oder Sp�ttereien ihrer Meinungen wegen zu machen?
Nein, keines weges. Denn ihre Meinung k�nnen ihnen so gut wahr vorkommen wie uns die unsrichen, und
da wir nicht Richter �ber Andrer Meinung seyn k�nnen, so ist es Gott allein zu �berlassen.
759. was empfiehlt die christliche Religion hier in?
Sie empfiehlt, da� man sich nicht �ber andre aufhalten soll. Ls ist sehr s�ndlich, weil die Religion, die andre
haben, f�r sie den selben Nutzen hat wie f�r uns die Unsrige.
720. wof�r m�ssen wir �berhaupt die Religion betrachten?
wir m�ssen sie betrachten f�r eine sache, die Gott eingesetzt hat vor unser allgemeine Gl�ckseligkeit, weil wir
ihn dadurch und seine Werke recht kenen lernen.
1 Dieser Satz ist orthographisch ganz �ichtig geschrieben. Man sieht also, da� die Prinzessin kann, wenn sie will.
        
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