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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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585. wil jederman mit einer so ausgezeigender H�flichkeit beweisen, da� man nicht Ursache hat, �ber meine
unh�flichkeit sich zu beschweren, sondern durch ein zu forkomendes Vetrachen jederman so begegenen, wie es der
Wohlstand (soll hei�en: Anstand) fordert.
566. leidseelichkeit ist geselliche Herablassung gegen jedermann
567. Gef�llichkeit ist, wo wir einem Menschen ein vergn�gen oder ein Dinst erweisen k�nen, und es �mer thun und
uns als ein bereitwilliger Mensch beweisen.
595. 3o z. V., wir h�ten einen Freund und der hate 20 st. Schulden und k�nte sich nicht heraus helfen, und ich
w�stes, so ging ich hin und bot ihn: mein geld an, bi� da� er mir erzetzen k�nte, da h�te ich dem Freund
eine gef�lichkeit erwisen.
59?. Unter nachgeben ist zu verstehn, wen jemand zanckt um einer sache, und man weis, er hat unrecht, so sagt:
�Ich glaubte es nur, ich habe mich geirrt"; ba� hei�t Nachgeben.
Diese etwas undeutliche Erkl�rung verbessert die Prinzessin am Rande mit eigener Hand, ohne allerdings viel
deutlicher zu werden:
Nachgeben hei�t, nicht eigcnsinnich auf seinem Sinn zu beharen, sondern so gleich abstehn von dem, was der
andre auch nicht als Recht erkennen kann, und ihm solches zugestehn." D. h. man soll von feiner Ansicht, wenn
man erkannt hat, da� der Gegner ein Recht hat, ihre G�ltigkeit in Frage zu ziehen, zur�cktreten und ihm die
M�glichkeit eines Irrtums zugestehn.
599. Man gewint ftelmer dabcy; den mit ein lkwiger rechthabcr wird nimand gerne wa� zu lhun haben, aber mit
ein Sanftm�tiger und nachgeber alle Menschen.
60!,. Die Fnedfertichkeit ist, wen man �mer zum Frieden bereit ist, und, wo man sieht, da� streit (ist), den Frieden
zu bringen.
60H. Ich glaube dieses: z. B. Abraham wohnte bey seinem Bruder, den, koN, und seine Rnechte hatten best�ndich
streit mit kot seine, die zanckten sich �ber dis und jenes; weil der Abraham aber ein Feind vom streit war
und ein Freund des Fridens, so sagte er: �Ich sehe wohl, Bruder, wir m�ssen uns scheiden; den unsere ke�te
haben streit; gehest du zur rechten, so geh ich zur tinken, und gehest du zur kinken, so geh� ich zur rechten."
Da� ist ein rechtes muster des Friedens.
607. Ein Friedfertiger Mensch stilt Hader und Zanck, aber ein M�rischer Aovf vertirbt alles, alles mit einander.
Als Veispiel f�r die Geduld f�hrt kuise an:
6^7. wo z. V. Ich jemanden etwas Begreifen will lassen, und er kann es platerdings nicht begreifen, so bleib ich
�mer in derselben gelassenheit und h�re nicht auf, bi� da� er es kan, da beweis ich meine gedult.
623. Vas Muster Jesu mus uns �mer vor �ugen sein.
625. Da, wo wir ein Mensch hetten, der uns bestellen) dete, und wir t�ten sagen, wir m�ssen gedult mit ihn haben,
den da were sie zur unzeit; den da t�ten wir nicht nur uns schaden, sondern auch andre.
628. Gelassenheit hei�t in leiden und in kranckheiten sehr zufrieden mit den willen Gottes seyn und seine schmerzen
gedultich ertragen."
Dann folgt die Sanftmut gegen die Feinde, besonders an, Veispiel Christi erl�utert, und die Vers�hnlichkeit.
Das Heft schlie�t mit den Vorten:
�Zu einem sehr gro�en Vorzug wird es mir, wie ich glaube, gereichen, wen ich eine so edle sinnes art mein
kebe lang behaupte und ich werde dadurch mein Vorg�nger Jesu �nlich und Gott gef�llich werden."
6^0. wird �Vorsichtigkeit und kluges Betragen im Umgang mit wirklich lasterhaften Menschen empfohlen."
1 Die Verbesserungen des Jtefjrers an dieser wie an anderen Stellen lasse ich fart. � > lot war nicht der Vruder Abrahams,
sondern der 5ohn seines Nrudrrs Haran. Der Irrtum beruht wohl auf ;.Mos. 12, �, wo Abraham zu tot sagt: �Sieber, la� nicht Zank
sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Gebr�der."
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