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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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lettre de ma part qui aye un peu de bon sens, mais vous savez, mon cher George, qu'ordinairement je n'en
ai pas du tout, ainsi je metonne (m'�tonne) moi m?me des progrets que j'ai fais." Wxx sehen aus solcher Ziotx$
mie aus der Datierung vieler Hefte von schlo� Vroich aus, da� der Unterricht auf den Reisen nicht unterbrochen
wurde. Bisweilen l�uft dann auch ein kleiner Scherz mit unter. Sie datiert ein Heft: �Vroich den 8 ten Julius
er folgt auf den ?ten und noch derzu desselben Monaths." In ein anderes Vroicher Heft tr�gt sie die Daten der
Reise nach Holland ein: �Vroich den August [7ty\. Sechs Cage vor unserer Reise nach Holland und den ?ten smd
wir wieder gekommen"' oder sie schreibt unter das Datum des 29. April \7<)\ in Darmstadt: ,fDrey Cage nach der
Ankunft meines geliebten Vaters." Am Ende eines Religionsheftes aus dem Jahre f�hrt sie einige ihr
�vorz�chlich" empfohlene religi�se Schriften an, die zum tEeil in ihrer Bibliothek vorhanden sind.
A)ie nat�rlich und herzlich muten uns die ll)orte an: �Die Erinnerung des gestrigen hat nichts als trauriges
f�r mich gehabt, der arme kleine Carl ist recht krank" (23. May 5795) oder die teilnehmende Alagc: �Heute hat
Cherese ihre Tochter und ihr Gl�ck verloren." Auf ihre eigene Erkrankung scheint die Bemerkung in einem Heft vom
2l).Dezember 479 l, Bezug zu haben: �in einer ungl�cklichen Eppoche". Denn unter dem 2^. Januar des n�chsten
Jahres lesen wir: �nach dem ich ziemlich lange krank war, arbeite ich heute zum ersten mal wieder. Und Gott wolle
mir seinen Veystandt dazu geben." Und aus kindlich reinem, Gott vertrauendem Herzen kommen die W�nsche, mit
denen sie an einigen Stellen ihre Hefte abschlie�t. �Numero eins ist vollendet", schreibt sie an das Ende eines Heftes
vom s. Februar 578H, �G Geb Gott, das ich dich nie vergesse und das alle die gute Entschlie�ungen, die ich da
genohmen habe, von mir erf�llet werden. Amen" oder beim Abschlu� des Unterrichts bei ihrem lieben tehrer Frey
am 3(. Mai �Gott wolle diesen Unterricht segnen und mir Araft und St�rke geben stets das in Erf�llung zu
bringen, was ich mir hier vorgenohmen habe, stets als eine Christin zu leben."
Es ist nicht anzunehmen, da� wir in den H<) Heften die gesamten Dokumente des Unterrichts der A�nigin
Luise vor uns haben. Man mu� daher auch mit dem Urteil �ber den Umfang des Unterrichts vorsichtig sein. Am
auffallendsten ist es, da� uns kein Heft �ber den Unterricht in der Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit vorliegt,
ebenso vermissen wir Unterweisungen in der Aenntnis der deutschen Literatur und in der Naturgeschichte sowie im
Rechnen. F�r diese M�ngel k�nnen wir aber nicht die kehrer und Erzieher der A�nigin verantwortlich machen; sie
sind charakteristisch f�r den damaligen Unterrichtsbetrieb im allgemeinen. Und wenn die Gr�fin Sophie Schwerin in
ihren Tebensermnerungen sagt, die A�nigin sei mit keiner Wissenschaft besonders vertraut gewesen, so hat das gewi�
seine G�ltigkeit. U)er aber war es damals und von wem verlangte man es? Gr�fin Schwerin wendet sich an der
betreffenden Stelle gegen die Darstellung, die kuises Freundin, Frau von Berg, in ihrer treffenden Charakteristik der
Ao'nigin? von ihrer Bildung und ihren Aenntnissen gibt, indem sie sie �als eine der Denkerinnen und Gelehrten des
Jahrhunderts" hinstellt. Dieser Vorwurf gegen Frau von Berg ist flicht gerechtfertigt, einen solchen Mi�griff begeht
sie nicht, wenn sie vielleicht auch das literarische Bed�rfnis ihrer Freundin und ihr Eindringen in die Weltliteratur
ein wenig �bersch�tzt. Da� eine tief- und �ber die engen Grenzen des Aonventionellen hinausgehende Bildung in
damaliger Zeit etwas durchaus Seltenes war, ersehen wir aus der Schilderung, die die neun Jahre nach der A�nigin
geborene Gr�fin Sophie von ihrer eigenen Erziehung gibt. Sie erz�hlt uns: �Zuder franz�sischen Bildung, die die
Atmosph�re der Zeitbildung war, f�gte mein Vater eine t�chtige deutsche durch Hauslehrer, deren Unterricht damals
nur f�r Anaben, nicht f�r M�dchen Sitte war, und oft mu�te er scherzhafte Anspielungen dar�ber h�ren, da� er seine
T�chter zu exotischen Treibhauspflanzen ausbilden wollte, statt im gewohnten, freilich �u�erst oberfl�chlichen Bildungs-
geleise der Zeit mit, ihnen zu bleiben." Ein typisches Beispiel daf�r, wie es in anderen H�usern aussah, deren Glieder
durchaus den Anspruch machen konnten, zu den Kulturtr�gern gerechnet zu werden, bietet uns das Lebensbild der
Gabriele von B�low, in dem es von der Erziehung ihrer Mutter, der Frau von Humboldt, hei�t: �Die strenge Zucht
'
wie ihr Tagebuch von dieser Reife zeigt, ist sie am e. schon wieder in Vroich. � 'Die K�nigin luise. Ver Preu�ischen
Nation gewidmet.
        
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