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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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gef�hrliche Aranke besucht haben, und da� 5ie zu sehr der stimme Ihres mitleidigen Herzens gefolgt haben, ohne auf
Ihr eigenes Wohl genug bedacht zu sein; denn ich wei� es nur gar zu sehr, wis unerm�det 3ie immer waren:
Gutes zu thunl Ich bin von Ihrer Freundschaft f�r mich �berzeugt, da� Sie mich gewi� recht sehr bedauert haben
bei der schrecklichen Trennung von meinem Mann, Sie k�nnen sich aber auch wahrlich keinen Vegriff von solch einem
Abschied machen. Bedenken Zie aber nur diesen einzigen Gedanken, da� er mich unter lauter fremden keulen zur�ck-
lie�, die ich nicht kenne, mit deren Charakter und Verbindungen ich ebenso wenig bekannt bin, als die Absichten,
wodurch sie handeln. Reinen Freund, keinen Ratgeber habe ich, ich bin ganz verlassen; denn Sie wissen selbst, wie
karg man mit dem Namen Freund und wie vorsichtig man in der Wahl derselben sein mu�. Dieses ist eine kehre,
die 5ie mir so �fters gegeben haben, und die ich tief in mein Herz geschrieben habe. Meine Zuflucht nehme ich zum
Gebet um Weisheit und Verstand, indem ich mir nichts �bels bewu�t bin, immer die Absicht vor Augen habe, gut
zu handeln und der Cugend und Religion ewig treu zu bleiben.
Dieser Monat wird Kie wohl auch recht lebhaft erinnert haben an den Tag unserer Aonfirmation, mir ist
er noch sehr wichtig, und den haben wir uns den ganzen Tag, Friederike und ich, mit frommen Erinnerungen
besch�ftigt. M�chte doch ein Jeder die Wichtigkeit dieses Tages recht einsehen, und so fest entschlossen sein, als ich es
bm, immer mehr alles das inErf�llung zu bringen, was man Gott gelobt zu sein. Ich ersuche Sie, dem Herrn Frey
recht sehr viele Complimente von mir zu machen, sowie auch den Herrn Notersen und Herrn Vaer. Ihre kleine
Tochter wird sich wohl schwerlich meiner noch entsinnen; f�hrt sie fort, Ihnen noch immer' viele Zufriedenheit zu
geben? Ich w�nsche es Ihnen, so wie auch, da� Sie recht �berzeugt w�ren von meiner wahren und aufrichtigen
Freundschaft. Luise."
kichthammers kehre und Erziehung blieb in ihr lebendig und wirksam. Nach mehreren Jahren noch schreibt
sie ihrem Vruder Georg, den sie zu ernster Arbeit ermahnen und vor leichtfertigem Wandel warnen zu m�ssen meint:
�Herr kichthammer ist in mich gefahren." Im Jahre sah sie ihren kehrer in Darmstadt wieder.
wenn es mit Recht als ein Vorzug eines guten Unterrichts angesehen wird, das Streben nach Erweiterung
des Wissens anzuregen, so haben die kehrer der K�nigin kuise, wie wir aus dem oben �bergegebenen Briefe der
K�nigin an kichthammer schlie�en d�rfen, diesen Zweck erreicht, wer nach Abschlu� seiner schulm��igen Ausbildung
sagt: �Meine Seele w�nscht au�erordentlich sich zu bilden und sich n�tzliche Aenntnisse zu sammeln", der zeigt einmal,
da� er in richtiger Selbsterkenntnis von der k�ckenhaftigkeit seines bisherigen Wissens �berzeugt ist, andererseits aber
l��t er auch erkennen, da� die Freude am kernen und die Sehnsucht nach weiterer Bereicherung seines Wissens in
ihm geweckt wurde. Das kann an und f�r sich von gr��erer Bedeutung und h�herem werte sein, als wenn jemand,
mit totem Wissenskram vollgepfropft, des Jemens �berdr�ssig geworden ist uno nun feine weitere Durchbildung voll-
st�ndig vernachl�ssigt. Mag quantitativ, zumal an heutigen Verh�ltnissen gemessen, der Unterricht der K�nigin nicht
ausreichend gewesen sein, qualitativ ist er jedenfalls, soweit eine Beurteilung uns heute noch m�glich ist, durchaus
kein schlechter gewesen. Er hat auf Geist und Herz befruchtend gewirkt. Und wenn auch dieses Bildungsstreben
unter den neuen Verh�ltnissen, in die die K�nigin schon im Alter von 5? Jahren als die Gemahlin des Kronprinzen
von Preu�en versetzt wurde, aus verschiedenen Gr�nden f�r eine Reihe von Jahren zur�cktrat, so ersehen wir doch aus
vielen Aeu�erungen, wie es in ihr schlummerte und freuen uns, wie es wieder hervorbrach und ernste geistige Besch�ftigung
heischte. Scherzend schreibt sie am 25. �ftober J8O2 an ihre Schwester Th�r?se: �Avais-je un moment pour moi, je
l'employais pour faire une lecture un peu s�rieuse pour ne pas ?tre absolument leer wie ein Fa� im theuren Gehirn,
das Veste, was man doch n�chst dem Herzen � in compagnie wohl verstanden � hat." von starkem Einflu� auf
die Belebung ihrer geistigen Interessen waren ihre Freundinnen Frau von Aleist und ganz besonders Frau von Nerg.
Und wenn sie sp�ter das Wort S�verns aus dem Anfang seiner vierten Vorlesung �Die Aufgabe des
Erdenlebens eines Menschen ist, sich selbst mit klarem Bewu�tsein zur inneren Harmonie zu bilden" in dem Vrief an
1 3m Sommer (808 arbeitete die K�nigin, unterst�tzt vom Kriegsrat 3cheffner, 23 Vorlesungen durch, die Professor 5�vern
vor einem Kreise gebildeter M�nner und Frauen in K�nigsberg gehalten hatte.
        
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