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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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Unter demselben Tage trug die Prinzessin in ihr schon genanntes Andachtsbuch ein: C'est aujourd'hui le jour le plus
esanciele de ma vie, le jour de ma confirmation; Dieu veuille me donner la force de remplir toutes les pro-
messes que je lui ai fait, et lui qui est le t�moin de mes Serments. 1 Die Worte stehen teils �ber teils neben
dein die Andacht f�r den Tag einleitenden Vers, der vorahnende Bedeutung f�r das (eben der K�nigin zu haben scheint.
Die Zukunft, wird sie schrecklich seyn?
Mein Alter, wird es mich erfreu�?
wie? wirb ich in den f�nftigen Tagen
Vielleicht des Gebens last ertragen?
Voch meine Seele, sorge nicht;
Der Herr se? deine Zuversicht!
U)ie A�nigin kuise nach Abschlu� ihrer Schulzeit mit ihrer Erzieherin in Verbindung blieb und wie sie Veranlassung
nahm, ihrem Lehrer Schr�ge noch in sp�teren Jahren ihre Dankbarkeit zn bekunden, so hat sie auch in zwei Briefen
an kichthammer aus der Brautzeit und aus der Zeit ihrer jungen Ehe Zeugnis abgelegt von dem durch diesen in
ihr geweckten und wach erhaltenen Bildungstrieb und ihrer treuen, dankbaren Gesinnung, kichthannner hatte ihr das
Werk Mendelssohns: �phacdon oder �ber die Unsterblichkeit der Seele, in drei Gespr�chen" gegeben.^ Varan
ankn�pfend schreibt sie: �Ich rei�e mich los von jenem herrlichen Buche, welches Ihre G�te nur vor einiger Zeit
gab, um nicht blo� Ihnen meinen Dank noch einmal mitzuteilen, sondern ich f�ge die Bitte hinzu, mir das Vuch
Alendelsohns von der Unsterblichkeit von Frankfurt kommen zu lassen. Sie k�nnen sich nicht vorstellen, wie sehr
gl�cklich mich das Vuch macht; dic kehren, die es enth�lt, sind so wahr, so treffend und gut, da� es mir ein wahrer
Schatz f�r meine Seele geworden ist. Meine Seele w�nscht au�erordentlich sich zu bilden und sich n�tzliche Aenntmsse
der Menschen, des Geistes der vergangenen Veiten zu sammeln. Verhelfen Sie mir dazu, ich bitte Sie. Ich besch�ftige
mich immer, aber was ist eine Monatsschrift, eine h�bsche Zeichnung oder sch�ne Sonate f�r den Geist? Es zerstreut
sie wohl, aber giebt ihr keine Rraft; denn so gut wie der A�rper nicht von anschauen und anh�ren leben kann, ebenso
gut kann die Seele kaum Fortschritte machen, wenn sie keinen Stoff zum Denken hat. Ich verbleibe ewig ihre
Freundin kuise. 28. Juni Treffend weist Vailleu in seiner Biographie der A�nigin darauf hin, da� sie
diesen ernsten, aus innerstem Ved�rfnis f�r geistige T�tigkeit entspringenden Brief mitten im Get�ndel und w�hrend
der vielen Zerstreuungen der Vrautzeit schrieb und da� dann die ersten Jahre des Zusammenlebens mit dem Gatten
dieses Streben d�mpften und fast verstummen lie�en, bis es dann nach einiger Zeit von der R�nigm nahestehenden
Menschen geweckt und in den Zeiten der vaterl�ndischen Gefahr und Bedr�ngnis ihr zum Ved�rfnis und zum Tr�ste
wurde. Da konnte sie dann wieder in einem Brief an den Bruder vom 20. April 4805 von sich sagen: �Ich finde
aufs Neue die Wahrheit best�tigt: Vesch�ftigung, die nie ermattet,
Hie langsam schafft, doch nie zerst�rt."
Ver zweite Brief an tichthammer ist merkw�rdigerweise gerade ein Jahr sp�ter datiert und inSanssouci am 29. Juni
wenige Wochen nach der ersten Trennung vom Gatten geschrieben. Vie offene Aussprache darin zeigt, wie gro�es
Vertrauen sie zu ihm hatte. Ver Brief lautet:
�Ich habe durch einen Brief von meiner Schwester Th�r?se erfahren, da� Sie, lieber Herr kichthammer,
sehr krank waren und hart darnieder lagen, am hitzigen Gallen-Fieber. Ver warme Antheil, den ich an allem
nehme, was Sie angeht, verehrungsw�rdiger Freund, erlaubt nur nicht, diesen Vorfall mit Stillschweigen zu �bergehen,
um Ihnen auch wirklich einen Beweis von meiner Theilnahme zu geben; und dann auch besonders w�nschte ich, jetzt
von Ihnen selbst zu h�ren, wie es mit Ihrer Besserung gehet, und ob Sie vollkommen auf dem Wege der Besserung
sind. Ich f�rchte sehr, da� Sie sich Ihre Arankheit geholt haben dadurch, da� Sie immer bei Tag und bei Nacht
* Mit etwas anderen Worten hatte fie zuerst versehentlich die Eintragung unter dem 1^. Juni gemacht und dann wieder durch-
gestrichen. � 8 Die K�nigin befa� das Vuch von Mendelssohn in ihrer Bibliothek in einer Ausgabe aus Reutlingen v.I< US9-
�
8 Am 13. Mai wav Friedrich Wilhelm III-mit seinem j�ngeren Vruder louis zum Feldzug nach polen aufgebrochen.
        
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