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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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Die Vorbereitung zur Konfirmation erhielt ?uife nicht von dem damals, nur als kehrer tatigen Frey, sondern
von dein Stadtpfarrer Johann Wilhelm kichthammer.^ Dieser war am 20. Februar (752 zu Uranichstein als Sohn
eines Jorftbeamten geboren. Er besuchte das Gymnasium in Darmfta6t und die Universit�t tej?cn und war nach
Abschlu� seines Studiums l�ngere Zeil als privallehrer in �eeheim und Darmfta6t tatig. (780 wurde er dritter,
5?92 zweiter und (8(0 erster Pfarrer an der Sladtkirche in Darmfta6t. Seit 908 wirkte er auch als geistlicher
Inspektor der Di�zesen Darmstadt und pfungfta6t und hat sich in dieser Stellung un, das Schulwesen der hessischen
Residenz wohlverdient gemacht. Er schrieb einen �Christlichen Religionsunterricht f�r die Jugend, besonders f�r
Konfirmanden", der in Darmstadt (820 erschienen ist. Aus diesem kleinen Handbuch k�nnen wir ebenso wie aus
dem der Prinzessin kuise erteilten Aonsirmationsunterricht schlie�en, da� tichthammer in kirchlich-dogmatischer
Beziehung f�r damalige Zeit die goldene Mittelstra�e ging. ?r war ebenso entfernt von zelotifcher Grthodoxie wie
von dem in Norddeutschland mehr wie in S�ddeutschland herrschenden Rationalismus. Als Mensch war et zur�ck-
haltend und ernst. Seine Berufung zur Vorbereitung der Prinzessinnen von Mecklenburg � die altere Schwester
der Prinzessinnen kuise und Friederike, Prinzessin Th�r?se, hat er auch eingesegnet � verdankte er feiner Beliebtheit
bei der Prinzessin Georg, die schon ihre j�ngste Tochter, Prinzessin Auguste, die den Pfalzgrafen Maximilian
von Pfalz-Zweibr�cken heiratete, bei ihm hatte einsegnen lassen. Maximilian wurde sp�ter der erste K�nig von
Bayern, verlor aber seine erste Gattin schon vor der Berufung auf den bayrischen K�nigsthron im 3 re l^9� 5U
Rohrbach bei Heidelberg. Bis zu ihrem so fr�hen Tode ist kichthammer ihr treuer Seelsorger und geistlicher Berater
gewesen, auch wenn sie �rtlich getrennt waren. Unter Beibehaltung feines Amtes in Varmstadt war er vom Pfalz-
grafen zum Kabinetispre6tger seiner Gemahlin ernannt worden und er ist auch an ihrem Sterbebette zugegen gewesen.
Das Urteil, das wir aus feiner Schrift wie aus seinem Unterricht �ber ihn gewinnen, wird auch durch einen gleich-
zeitigen Bericht �ber sein Wesen und seine Wirksamkeit best�tigt. 3n der im Jahre (80il erschienenen �Charakteristik
der jetzt lebenden bekanntesten Hessen-Darmst�dtischen Theologen und Prediger" 2 hei�t es von ihm: �Unerm�det
in den Gesch�ften seines Berufs, jede Stunde auskaufend, um f�r sein Studium zu sammeln, exemplarisch in feinem
Lebenswandel und dabei zwischen �ngstlicher Grthodoxie und den verschiedenartigen Systemen der Neueren die gl�ckliche
Mittelstra�e beobachtend, mu� er jedem Freunde der wahren Aufkl�rung sch�tzbar fein. A)ir bewundern ihn wegen
feiner Gabe, am Krankenbette ganz das zu sein, was die pastoral von dem praktischen Prediger von demselben fordert,
ein Talent, das wir uns immer gew�nscht, da� wir aber, nachdem wirHerrn Ochthammer am Arankenbette beobachtet
haben, je zu erlangen aufgegeben haben . . . M�chte er mehr in das gesellschaftliche keben kommen, damit wir
einmal versuchten, ob wir seinem ernsten Angesicht ein heiteres kacheln abgewinnen k�nnen."
Der ?>orberei tungsun terricht f�r die Einsegnung wird, wenn er gut erteilt wird, zumal auf die in dem
Aonfirmationsalter besonders empf�nglichen Gem�ter junger M�dchen, immer von besonderer Wirkung sein. Da� er
es auch f�r tuise war uno den ganzen Menschen ergriff und erhob, das lassen die Worte erkennen, die sie am
28. Januar (792 an ihre Schwester Th�r?se schrieb: �Lichthammer nous inspire des sentiments vertueux que
j'esp?re garder toute ma vie pareeque je reconnais que sans eux jamais bonheur ne peut subsister. Je ne suis
jamais plus heureux que quand je suis bien persuad�e que L. est content de moi et quand je puis me dire:
.heute hast ou wieder met gelernt zu deinem ewigen und zeitlichen Gl�ck'." Am (5. Juni 4792 fand die Einsegnung
durch tichthammer statt. Das k�rzlich in dem Airchenbuch der Darmst�dter Stadtkirche aufgefundene und vom Stadt-
pfarrer Veite in Darmstadt ver�ffentlichte Nonfirmationsprotokoll lautet: �Den (5. Juni 4792 sind die beyden j�ngsten
Prinzessinnen Seiner hochf�rstlichen Durchlaucht des Prinzen Carl von Mecklenburg-Strelitz, Prinzessin Cuife Auguste
Wilhelmine Amalie und Prinzessin Friederike Caroline in unserer evangelisch lutherischen Religion confirmiert worden."
1 Nachkommen von ihm wie von Frey leben noch in Darmstadt. Trotz freundlicher Vemilhungen dieser war es mir nicht m�glich,
bildliche Darstellungen der beiden lehrer der K&nishi zu erhalten. �
'HerauZgeg. von Friedr. ?iibn?. Textor. Gie�en und Darmstadt.
Vgl. au�erdem H. 
    
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