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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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Als die 'K�nigin diese Verse las, erwachte in ihr die Erinnerung an die Zeit, da sie �bon gr�, mal gr� zur
Prinze� formiert" werden sollte, und sie sagte zu ihrem Gatten: �Vas ist ja, a?s spr�che die gute Gro�mama zu
unserer immer m�kelnden Gouvernante, der Agier." Sie selbst aber lie� ihre Amder in ihrem eigenen Zimmer sowohl
wie auf den Rasenfl�chen des Charlottenburger Schlo�gartens tollen und sich tummeln nach Herzenslust, so �ungeziemend"
mi& �f�r die Schalkhaftigkeit nachteilig" der pedantische Erzieher Delbr�ck das auch finden mochte. wie der Volksmund
heute mit dem Worte Prinzessin den Begriff des Verw�hntseins verbindet, so ist es der K�nigin vielleicht aus der Zeit
der Dressur durch die Agier der Ausdruck f�r etwas Gek�nsteltes und Unnat�rliches. Die T�chter der Erbprinzessin
von Coburg, die sie im Dezember 5 7Y5 in Verlin kennen lernt, schildert fie ihrem Vruder Georg a?s �ganz Natur, aber
guter Natur, keine Prinzessinnen, n�mlich nicht stolz und eingebildet, sondern gut erzogen, sanft, modesl, eben das, was
dazu geh�rt, um 511 gefallen."
Den denkbar besten Ersatz f�r Fr�ulein Agier fand die Prinzessin Georg durch Vermittlung einer Frau
von ?ugc in Salomc von (Belle�, bu fr�her in England t�tig gewesen war und bald nach dem �Eintreffen der
Prinzessinnen in Darmstadt ihre Stellung angetreten haben wird. Nach Adamis Biographie der K�nigin kuise^
war sie im Jahre 18U ?( Jahre alt; danach mu� sie im Jahre 1786 H2 oder 43 Jahre alt gewesen sein.
Sie entstammte einer predigccfamilie in Neuch�tel, das feit {707 zu Preu�en geh�rte. Ihre Vorfahren waren
?iach den Schrecken der Bartholom�usnacht in die Schweiz geflohen und hatten sich zuerst in Genf niedergelassen.
Von dort waren sie sp�ter nach Neuenburg �bergesiedelt, und Friedrich-Wilhelm I. Halle ihnen \736 den Adel
erneuert. Eine Nichte von ihr, an die sich der Biograph der K�nigin kuise, H�rn mit der Bitte um n�here Angaben
�ber ihre Wesensart wandte, schrieb ihm. �sie sei non angenehme,�, harmonischen!, zwar wenig imposantem,
aber doch w�rdigem Aeu�eren gewesen. Bescheiden, ohne befangen zu sein, wu�te sie jedermann durch ein freies,
gem�tliches, aufheiterndes wort f�r sich einzunehmen. Immer heiteren Sinnes, war sie von exakter Ordnung in der
Einteilung ihrer Zeit und ihrer pekuni�ren Mittel. Sie lie� sich durch keinen �u�eren Einflu� irgendwie in ihren
Entschlie�ungen oder Ueberzeugungen bestimmen. In Glaubenssachen gab sie sich niemals zu irgendwelchen Dispu-
tationen oder (Er�rterungen her, frei und offen bekannte sie sich zu dem, was ihres Sinnes und Herzens tiefste Heber
zeugung war." wie bescheiden sie von ihrem Erzieh� ngswerk dachte und wie hoch fie die Wesensart der Prinzessin
einsch�tzte, das l��t ihr die Lehrerin und Sch�lerin in gleicher weise kennzeichnendes Wort erkennen, ihr einziges
Verdienst an der Erziehung fei gewesen, da� sie kuises gl�ckliches Naturell nicht verdorben habe. Sie bringt das in
einem Hochzeitsgedichte, das sie dem Br�utigam ihrer Sch�lerin widmete, zum Ausdruck. Darin hei�t es;
,,O vous, ? qui mon El?ve se lie,
Pour confondre ? jamais son c
    
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