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Erziehung und Unterricht der Königin Luise

Full text: Erziehung und Unterricht der Königin Luise

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Erziehung und Unterricht der A�nigin luise
von
Vogda� Arieger
23 -/er Erzieher und kehrer schafft nicht neue werte, sondern er entwickelt gegebene. Erziehen ist viel mehr eine Aunst
als eine Wissenschaft. Gewi� mu� es p�dagogische kehren und Grunds�tze geben. 3*?re Wirkung aber und ihren
wert gibt ihnen allein die sie belebende und befruchtende Pers�nlichkeit des Lehrers oder Erziehers. Ist er ein solcher
von Gottes Gnaden, dann beruht seine p�dagogische Aunst zum gro�en Teil auf dem, was ihn selbst einst seine
Ainderstube lehrte, und die Art, wie er mit den ihm anvertrauten Z�glingen umzugehen hat, diktiert ihm sein Herz
und seine Siebe zu ihnen. Das Vewu�tsein, da� ihm in der Jugend des Volkes dessen Zukunft anvertraut und es
der edelste Acker ist, den er mit der pflugf^ar feines wissenschaftlichen R�stzeuges und seiner menschenbildenden Aunst
bearbeitet, dieses Vewu�tsein hebt sein Verantwortungsgef�hl und st�rkt ihn zu freudigem wirken. Die Erinnerung
an die eigene Schulzeit, die Erfahrung, die er als kernender an sich selbst gemacht, wird die Erkenntnis in ihm
wecken, wie die freudige Art des Gebens des Aindes Seele und Geist empfanglicher macht f�r die Rost, die ihm
gereicht wird. Die Schule bedarf des Sonnenscheins, recht viel Sonnenscheins, damit dieser kostbare pfianzgarten
gedeihe und sich entwickele. Mit trockenem Ton und gelehrter Gradlinigkeit wird man keine Pers�nlichkeiten heran-
bilden und mit Theoremen und Maximen ist nichts getan. Es mu� der Mensch sich zum Menschen finden. Dann
wird das Werk gelingen.
Vie Jugend und die Erziehung der A�nigin kuise f�llt in eine Zeit mannigfacher p�dagogischer versuche und
Unternehmungen, die im gro�en und ganzen auf der Rausseauschen kehre freier, nat�rlicher Entwicklung der dem
Menschen innewohnenden Ar�fte beruhen. Die �bermittlung ged�chtnism��igen Stoffes tritt zur�ck gegen die Vildung
des Herzens, die St�rkung des Willens und die Festigung des Charakters. An Stelle unverst�ndlichen und unverstandenen
Formenkrams tritt die verstandesm��ige Auffassung und Durchdringung des dem kindlichen Geiste und der kindlichen
Aufnahmef�higkeit angepa�ten Stoffes, weit davon entfernt, in dem Unterricht, den die A�nigin luise genossen hat,
etwas vollkommenes zu sehen, hat mich die eingehende Besch�ftigung mit ihrem Unterrichtsgang, besonders mit ihrem
Unterricht in der Religion und Sittenlehre doch zu der Einsicht gebracht, da� auf eine selbstt�tige Erfassung und
        
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