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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Die Deutsche Krone auf bim Haupte Euer Majest�t wird dem wieder aufgerichteten Reiche Deutscher Nation
Tage der Macht, des Friedens, der Wohlfahrt und der in: Schutz der Gesetze gesicherten Freiheit er�ffnen."
In ungemein starker Bewegung, wiederholt stockend vor R�hrung, verlas nun A�nig Wilhelm seine, von
Bismarck mit Simson vereinbarte, aber selbstverst�ndlich des A�nigs eigener Anschauung v�llig gem��e Antwort, die
in die ernsten, aber doch zukunftsfrohcn Worte ausklang: �Ich nehme gern aus Ihren Worten den Ausdruck des
Vertrauens und der w�nsche des Norddeutschen Reichstages entgegen. Aber Sie wissen, da� in dieser so hohe
Interessen und so gro�e Erinnerungen der Deutschen Nation ber�hrenden Frage nicht Mein eigenes Gef�hl, auch
nicht Mein eigenes Urthcil Meinen Entschlu� bestimmen kann: nur in der einm�thigen Stimme der Deutschen F�rsten
und in den, damit �bereinstimmenden Wunsche der Deutschen Nation und ihrer Vertreter werde Ich den Ruf der
Vorsehung erkennen, dem Ich mit Vertrauen auf Gottes Segen folgen darf."
Des A�nigs Ergriffenheit vermehrte noch die der ganzen Versammlung, und der feierliche Akt hinterlie� bei
allen Beteiligten den machtigsten und bleibendsten Eindruck. Gegen�ber seinen Generalen sprach sich dann der A�nig
tr�nenden Auges �ber die Schwere dieses Momentes aus. Vei dem Gala-Diner, um 3 Uhr, zu dem alle F�rstlich-
keiten und die Deputierten vom A�mge geladen waren, brachte der Gro�herzog von Baden einen Trinkspruch auf
den A�nig aus.
Unser Bild ist h�chst wirkungsvoll gruppiert � der Maler hatte, auf Antrag des Vorlesers, vom K�nige
die Erlaubnis erhalten, Augenzeuge hierbei zu sein. Dr. Simson, in blauem Frack mit rotem Aragen und Silberstickerei
und wei�en Hosen, steht �mit Redner-Geb�rden und Sprechergewicht" vor dem A�nige, in Generalsuniform, welchen
links der Aronprinz, die Prinzen Aarl und Adalbcrt, rechts der Gro�herzog von Baden, in der Uniform seines
Rheinischen Ulanen Regiments Nr. ?, der Gro�hcrzog von Sachsen -Weimar, in Gencralsuniform , der Herzog
von Aoburg und der Gro�herzog von VIdenburg, beide in Rnrassier-Uuiform, zwischen denen das b�rtige Haupt des
Herzogs von Meiningen sichtbar ist, in zwanglosem Halbkreise umgeben, kinks von Or, Simson steht Moltke, dahinter
tritt der Aopf des Generals von Blumenthal hervor. Die Abgeordneten mit ihren verschiedenartigen Trachten �
Milit�r-, Hof- und Standesherrliche Umformen und Frack � bieten ein bewegtes Bild. Hinter dem A�nige h�lt sich
kerzengerade der Fl�geladjutant Graf kchndorff, ganz rechts und an der offenen T�r im Hintergr�nde rechts stehen
(eibj�ger in gr�nen Livreen, und rechts neben dem Wandspiegel, zum Teil verdeckt durch den Gro�herzog von Weimar,
der Hauplleiter und Tr�ger der M�hen und A�mpfe, die zu diesem weltgeschichtlichen Akte gef�hrt, im blauen
A�rassier- Waffenrocke mit den hohen altbrandenburgischen Stiefeln � Bismarck.
Zu demselben Saale, zu einem Feste h�uslicher Art, f�hrt uns das ?H< Bild, von Fritz Schulz: �Weihnachten
in Versailles 5 870".
Zum Christfeste hatte der A�nig seine milit�rische Umgebung und die in Versailles anwesenden F�rstlichkeiten
mit ihren Adjutanten zu sich eingeladen, freilich nur eine ernste M�nnergesellschaft, unter welcher wohl eines jeden
Vrust von Gedanken an die Heimat bewegt wurde. F�r jeden der Geladenen hatte der A�nig ein kleines Geschenk
selbst ausgew�hlt, zum Teil in Versailles eingekauft, etwa ein Etuis, oder ein f)elfchaft, �um das Reisegep�ck nicht
zu beschweren", oder aber eine Aanonenkugel- Attrappe � �Bomben und Granaten" auf Abschlag des Pariser
Bombardements! Denn unter den letzten, ernstlichen Vorbereitungen hierf�r stand dieses Christfest vor f)ans. Um
9 Uhr abends fand die Thristbescherung statt, zum Souper gab es Aarvfen und Mohnvilchen � ganz heimatlich!
Auf der wei�gedeckten langen Tafel zwischen zwei lichtcrstrahlenoen hohen Tannenb�umen sehen wir in der
Mitte die Weihnachtsgeschenke f�r den A�nig aufgebaut: das Portr�t der A�nigin Augusta, von Bernhard f)lockhorst
in Berlin gezeichnet, das recht �hnlich erscheint, wenn auch das Gesicht vielleicht etwas zu lang ist. Das vorn liegende
rote Album stammt von den Damen der A�nigin. Der Aronvrinz hatte dem K�nige das Bild eines Unteroffiziers
vom A�nigs-Grenadier-Regiment Nr. ?, wie er die zerschossene Fahne aufhebt, geschenkt, jedenfalls ein Symbol der
Szene vor dem Gaisberger Schlosse bei Wei�enburg am 4. August wo Major von Aaisenberg mit der Fahne
        
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