Path:
Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

105
Ariege erwartet werde, da� m Millionen Herzen die Worte brannten, die ihnen der S�nger der �Heroldsrufe"
angesichts der Vpfer der blutigen Ziegesschlachten aus der Seele gelesen:
�Aber euch, ihr treuen �Tooten,
�Sei der Vr�der Schwur entboten,
�Zorn'ge Thronen rinnen drein:
�Nimmer soll, das ihr vergossen,
�(Euer Vint umsonst geflossen,
�Nimmer soll's vergessen fein!"
Vhne jedes Zutun seitens des A�nigs gestaltele sich dieser Empfang zu einer eindrucksvollen Feierlichkeit, was
ihn ganz �berraschte, die aber auch auf ihn nicht ohne bewegende Wirkung blieb.
Nach dem Gottesdienste in der Versailler Schlo�kapelle an diesem H. Adventssonntage, wo alle F�rstlichkeiten
der von dem Divisionspfarrer Rogge gehaltenen �ungemein warmen und takwollen Adventspredigt mit sehr angemessenen
Andeutungen auf die Situation und den Zweck der anwesenden Reichs -Deputation" beiwohnten, begaben sich die
30 w�rdig ausgew�hlten Deputierten um 2 Nhr mittags in das Hauptquartier des Ao'nigs, die pr�fektur, durch die
zahlreich neugierig versammelten Versailler, nicht gerade in sehr feierlicher Auffahrt, da alle m�glichen Wagen und
Aaleschen hierf�r hatten zusammengebracht werden m�ssen, die mit Trainpferden bespannt und von Soldaten aller
Waffengattungen, zum Teil aus dem Sattel, gefahren wurden. F�hrer war der ReichstaZspr�'sioent vr.Eduard
Simson; eine eigene F�gung des Schicksals: derselben Mission Ueberbringer war er an A�nig Friedrich-Wilhelm IV.
gewesen! Offenkundiger konnte der Mitwelt nicht gezeigt werden, wie recht der Preu�enk�nig von damals gehandelt,
da� er zuvor die Einwilligung der F�rsten haben wollte, ehe er die � papierene � Arone des Frankfurter Parlaments
annehmen wollte, als dadurch, da� dieser selbige Mandatar diesmal nicht eher vor den R�nig vorgelassen wurde,
bevor jene Bedingung erf�llt war.
Alle F�rsten und Prinzen hatten gew�nscht, hierbei zugegen zu sein, auch der Gro�herzog von Baden, obwohl
er nicht zum Norddeutschen Bunde geh�rte; nur die bayerischen Prinzen fehlten. Auch die ohnehin in Versailles
anwesenden Reichstagsmitglieder, so Moltke und Graf Fred Fmnkenberg, hatten sich der Deputation angeschlossen. In
dem vornehmen Empfangssaale, wei� und gold mit roten Vorh�ngen und herrlichen Anstalt-Kronleuchtern und
Spiegeln, bot diese Versammlung in hellstem Sonnenscheine ein pr�chtiges Vild. Der Vorgang der Adressen�bergabe
war h�chst feierlich und ergreifend, durch die ganze Stimmung der Versammelten, aber auch durch die hierbei gehaltenen
Reden, vi-. Simson's Ansprache, �mit sch�ner, tadelloser Sprache", an den A�nig, welche Bismarck vorher f�r
�unbedenklich" erkl�rt, wies hin auf die bevorstehenden Verfassungs�nderungen: �mittelst deren dem k�nftigen deutschen
Staat und seinem h�chsten (�berhaupt Benennungen gesichert werden, auf denen die Ehrfurcht langer Jahrhunderte
geruht, auf deren Herstellung das Verlangen des deutschen Volkes sich zu richten niemals aufgeh�rt hat. Euer Majest�t
empfangen die Abgeordneten des Reichstages in einer Stadt, in welcher mehr als Ein verderblicher Heereszug gegen
unser Vaterland ersonnen und ins Werk gesetzt worden ist. Nnd heute darf die Nation von eben dieser Stelle her
sich der Zuversicht getr�sten, da� Aaiser und Reich im Geist einer neuen lebensvollen Gegenwart wieder aufgerichtet
und ihr, wenn Gott ferner hilft und Segen giebt, in Beiden die Gewi�heit von Einheit und Macht, von Recht und
Gesetz, von Freiheit und Frieden zu Thcil werden."
Vann verlas Dr. Simson die von ihm, dem Herzoge von Ujest und Rudolf von Bennigsen unterzeichnete, in
rotem, goldverziertem Umschlage von schwarzwei�roten Seidenb�ndern gehaltene Adresse des Reichstages, in welcher es
hie�: �Auf den Ruf Euer Majest�t hat das Volk um seine F�hrer sich geschaart, und auf fremdem Boden verteidigt
es mit Heldenkraft das frevelhaft herausgeforderte Vaterland. Dank den Siegen, zu denen Euer Majest�t die Heere
Deutschlands in treuer Waffengenossenschaft gef�hrt hat, sieht die Nation der dauernden Einigung entgegen.
vereint mit den F�rsten Deutschlands naht der Norddeutsche Reichstag mit der Bitte, da� es Euer Majest�t
gefallen m�ge, durch Annahme der Deutschen Aaiserkrone das Eimgungswerk zu weihen.
Qo^enjoUtrm Jatjrburf; 45^0, H
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.