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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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erzwungenes Stillleben f�hrte, in welchem die Ankunft seiner Blaujacken ihm eine erw�nschte Gelegenheit bot, sich auf
seinen: eigenen Dienstgebiete zu bet�tigen. Der f?rinz schreibt:
�Am 2^. 5 870^ traf ich das D�tachement zufallig beim Apell, als ich in der Avenue de 3t. Cloud
spazieren ging, da ich dasselbe erst bei seinem Weitermarsch zu inspiciren beabsichtigte.
Abends sagte nur der K�nig, er wolle es morgen sehen, wenn es bei seiner Wohnung in der pr�fecture auf
dem Weitermarsch vor�ber k�me. Es freute ihn sichtlich sehr, eine Abtheilung seiner Marine hier in Versailles, und
im Kriege zu sehen; er sprach? wiederholt aus, und welchen vortrefflichen Eindruck ihm die Haltung der Matrosen
gemacht habe, als er sie habe � von seinem Fenster aus
�
ankommen sehen. Ueberhaupt war alle Welt hier
enchantirt von den, guten, kr�ftigen und frischen Aussehen unserer lcutel Sie machen Epoche!
Um 2/2 Uhr den 22. Morgens versammelte sich das D�tachement bei 6" Aalte; ich besichtigte es, instruirte
Gfficiere und Mannschaft �ber das, was vorkommen w�rde, und dann wurde abinarfchirt.
Um Vi\ {Uhr (teilte sich das D�tachement � wie befohlen war � auf der Avenue de Paris m�glichst nahe
der Pr�fecture, und zwar en ligne auf. Mit �Gewehr ab", die Vfficiere auf �Achtung" salutirend, erwartete es
den K�nig, der gleich darauf aus der Clj�re trat, sich auf den rechten Fl�gel dirigirend, begleitet vom Kronprinzen
und vom Marineminister, und einigen anderen Personen.
Veim Heruntergehen an der Front sprach der K�nig, der sehr zufrieden und heiter aussah, mit den Gfficieren
und vielen von der Mannschaft, sagte dann einige freundliche Worte, und da� er hoffe, da� Jeder seine Schuldigkeit
thun w�rde vorkommenden Falles. Ich glaube, es herrschte gegenseitige Befriedigung."
Dieser eingehenden Vriefbeschreibung ist auch f�r unser Vild kaum noch etwas hinzuzuf�gen. Die beim
Empfange des K�nigs angeordnete Aufstellung mit �Gewehr ab" ist bezeichnend f�r das streben des f)rinzen, die
infanteristische Ausbildung der Vlau^acken auf das allernotwendigste, unter anderem das �gute Schie�en", zu beschr�nken.
Die Matrofen tragen schwarze kackh�te, die Seeoffiziere blaue M�tzen mit goldenen streifen. ImGefolge des K�nigs
ist noch der Gro�herzog von Gldcnburg, mit dem Augenglas, zu bemerken. Der riesige Feldgensdarm ist auch hier
wieder zur Stelle, vorwitzige Gamins zurechtweisend. Rechts gruppieren sich um einen Wagen, wohl mit Verwundeten,
bayerische Infanteristen und Chevau l�gers.
Von diesen milit�rischen Schauspielen f�hrt uns das 73. Vild, von Fritz Schulz: �^8.Deccmber in
Versailles", zu dem wichtigsten politischen �u�eren Vorgange: den Empfang der Deputation des Norddeutschen Reichs-
tages durch den K�nig zur Entgegennahme der Adresse, die ihn um die Annahme der Deutschen Kaiserw�rde bittet:
�Deutschlands Purpur liegt bereit � Eisern, eifern ist die Zeit."
wir wissen, wie schwer dem K�nige die Annahme dieser neuen w�rde gefallen ist; wie stark auch sein deutsches
Empfinden von jeher gewesen, wie deutlich er als K�nig, wo es geboten schien, auch �ffentlich, wie wir geh�rt �
vgl. Hohenzollern -Jahrbuch 5. 70, beim 23. Vilde - auf die kommende Einheit von ganz Deutschland hin-
gedeutet hatte, gerade nach den glorreichen Kriegstaten bewegte es ihn geradezu schmerzlich, da� seine stolze preu�ische
K�nigskrone nun zur�cktreten sollte. Von einen� �Kaiserlichen" Heere zu h�ren, verbat er sich ernstlich, und nachtr�glich
noch wies er seinen hausminister ausdr�cklich an, da� niemals der Titel �Kaiser" ohne den des �K�nigs" gebraucht
werden d�rfe. Dazu kam, da� bei all' den vereinbarten Ausnahmebestimmungen f�r die S�ddeutschen Staaten der
�Kaiser" ihm eben nur wie ein blo�er Titel erschien, den er dann f�hren solle wie ein charakterisierter Major die
Stabsoffiziersw�rde. Run, auch hier �berwand der K�nig sein eigenes widerstreben zum Heile des Ganzen, im vollen
Bewu�tsein, ein pers�nliches Gpfer zu bringen; er erkl�rte sich bereit, die Deputation zu empfangen, nachdem, was
feine selbstverst�ndliche Vorbedingung war, die deutschen F�rsten ihre Zustimmung erkl�rt hatten, war ihm doch mit
voller Klarheit die Erinnerung gegenw�rtig an die Entt�uschung, welche der �Deutsche Bundestag" nach den
Freiheitskriegen hervorgerufen hatte, und da� nunmehr eine andere Frucht f�r Deutschland aus diesem deutschen
        
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