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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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noch hat es einen wirklicheren Kommandanten gegeben a?s diesen greisen K�nig. Er �bt den th�tigsten Einflu�
und die vollst�ndigste Ueberwachung �ber die militairischcn Operationen aus, beh�lt bei der Verwaltung des Heeres
und der Leitung des Personals vollst�ndig und absolut das Heft in H�ndcn. �kr, der dieses gro�e Heer geschaffen,
wei� es auch zu verwenden. Sein Auge ist so klar und scharf, als w�re er 20, nicht 73 Zahre alt, und den Soldaten
versteht er vom Stiefelabsatz bis zur Helmspitze."
T�glich, um Uhr vormittags, fand dieser Ariegsrat in Versailles statt, je nach der Wichtigkeit der zu
fassenden Entschl�sse bis zu zwei Stunden dauernd. Hierzu versammelten sich um den A�nig die M�nner, die wir auf
unseren: Vilde sehen: der Kronprinz, Roon, Moltke, der General Thcophil von podbielski, der Chef
des Milit�r-Aabinets Hermann van Tresckow. Zn dem pr�chtigen Veratungszimmer der VersaNler pr�fektur, die dem
A�nige als Hauptquartier diente, mit goldener, blaugemusterter Tapete und Vorh�ngen mit gr�nen Arabesken, wei�en
Stucco-Grnamenten, roten und bunten Sesseln, erl�utert Moltke an dem mit Aarten bedeckten Tische, der an des
K�nigs Schreibtisch st��t, seine �Vorschl�ge"; Tresckow liest in einem Akten-Faszikel: �^cta des Geheimen Militair-
Cabmets. XXXII." In der linken Ecke lehnen zwei eroberte Fahnen der �I^plidli^ue", oben mit Spitzen, nicht mehr
mit dem kaiserlichen Adler geschm�ckt. An dem kleinen Tische links, auf welchem das Vild eines Zuaoen steht,
scheint ein Tambourmajorstock zu lehnen. Vas Ganze gibt ein anschauliches Bild von dieser wichtigsten T�tigkeit des
A�mgs als Kriegsherrn in Versailles.
Erfreuliche Abwechslung brachten f�r den A�'nig in dies Versailler (eben die Besichtigungen durchmarschierender
Truppen, vor allem bei solchem Anlasse, wie ihn das ?^. Vild,von Fritz Schulz^?), zeigt: �Versailles ?.December
Vorbeimarsch eroberter Aanonen".
Es sind Troph�en aus den Siegen des Prinzen Friedrich-Aarl vor Vrle'ans, die dann nach dem Hauptquartier
des U�nigs geschickt wurden, vielleicht die von den Schleichen Braunen Husaren, Nr.H, unter Rittmeister Graf Wartens-
leben am H. Dezember im Feuer genommene Reitende Batterie, H Gesch�tze und H Munitionswagen, nebst 4 Offizieren,
75 Mann und 79 Pferden. Dieser Anblick wird dem K�nige gerade an diesem Tage wohlgetan haben: am Morgen
war ihm durch den Aronprinzen die Trauerkunde schonend mitgeteilt worden von dem Tode feiner Schwester kuise,
Prinzessin Friedrich der Niederlande, mit welcher der A�nig im innigsten Zusammenhange stand. Auch die Prinzessin
Tuise hatte sich in der Fremde ein gut preu�isches Herz bewahrt, gerade so wie ihre �lteren Schwestern Charlotte
von Ru�land und Alcxandrine von Mecklenburg-Schwerin, die echten T�chter der A�nigin kuise, die zur echtesten
preu�in geworden war.
Der A�nig nimmt gerade die Meldung des den Transport f�hrenden Artillerie-Offiziers entgegen; hinter ihm
stehen der Aronprinz und der Gro�herzog von Baden, weiter links Prinz Aarl von Preu�en. Die gr�ne Aanone,
mit Grauschimmeln bespannt, wird von preu�ischen Tramsoldaten gefahren, gerade an der pr�feklur vorbei, auf der
die preu�ische A�nigsstandarte weht, deren stattlicher und vornehmer Vau im franz�sischen Renaissancestile den Hinter-
grund wirksam abschlie�t. Die deutschen Soldaten auf diesem Vilde k�nnen als Typen gelten, so auch der riesige
Feldgensdarm mit seinem Ringkragen, und dahinter der m�chtige A�rassier zu Pferde. Sehr charakteristisch ist die
Vev�lkerungsgruppe rechts, darunter ein Gamin mit rotem A�ppi und zwei Priester, die von dem bayerischen
Infanteristen in Schranken gehalten werden mu�: die Fabeln �ber siegreiche Entsatzgefechte waren ja damals sehr
im Schwange, jetzt machten sich die versailler selbst glauben, die Deutschen h�tten diese Gesch�tze aus Sedan kommen
lassen, um sie f�r Vrle'ans -Troph�en auszugebenl
Unter der Ariegsbeute von Vrleans befanden sich auch vier koire-Aanonenboote � richtiger nur �Varkassen" �,
zu deren Bemannung ein D�tachement Matrosen auf den Ariegsschauplatz befehligt wurde. Auch dieses besichtigte der
K�nig, wie es das 72. Vild, von Fritz Schulz (?), darstellt: �Versailles 22. November Besichtigung der
Matrosen". Diesen Vorgang schildert anschaulich ein Brief des Prinz -Aomirals Adalbert, der hier in Versailles ein
        
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